Lade Inhalte...

Weyland im Frankfurter Bahnhofsviertel „Aber nicht für Drogen ausgeben, ja?“

OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU) verteilt im Frankfurter Bahnhofsviertel Geschenke an Süchtige und sagt, was sie gegen die offene Drogenszene unternehmen will.

Bernadette Weyland
Der Rollstuhlfahrer (vorne) bekommt von Bernadette Weyland ein Croissant, fünf Euro und einen guten Rat. Foto: Christoph Boeckheler

Die Frau sitzt zusammengekauert auf der Treppe, die an der Karlstraße in die B-Ebene des Hauptbahnhofs führt. Sie hat eine Kapuze über den Kopf gezogen und bibbert, es ist halb neun abends und bitterkalt. Vor ihr steht eine Tüte mit Pfandflaschen.

Bernadette Weyland, die CDU-Kandidatin zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt, läuft ebendiese Treppe hinauf, vorbei an vier Menschen mit Crackpfeifen. Zwei Männer vom Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn stellen sich breit vor der Versammlung auf: „Die Party ist vorbei“, ruft einer. Die vier gehen ihrer Wege. Der offene Drogenkonsum sei „kein Zustand“, sagt Weyland. „Das muss abgestellt werden.“

Weyland: Frankfurter Weg steht am Wendepunkt

Die Frau bleibt hocken. Sie warte hier auf ihren Mann, seit einer Stunde. „Da muss man was tun“, sagt Weyland. Den Kältebus rufen? Will die Frau nicht. Weyland rät ihr, die Wartezeit doch lieber an einem warmen Ort zu verbringen. Die Frau bekommt zehn Euro zugesteckt. „Wir müssen unbedingt später nachschauen, ob sie noch da sitzt“, sagt Weyland.

Bernadette Weyland läuft an diesem Abend mit der FR durchs Bahnhofsviertel, um sich die Drogenszene aus der Nähe anzusehen. Rund 5000 Abhängige und bis zu 300 Dealer halten sich laut Polizei rund um den Hauptbahnhof auf. Die Polizei geht mit 137 Beamten der neuen „Regionalen Einsatz- und Ermittlungseinheit“ (REE) dagegen vor.

Der Frankfurter Weg mit der kontrollierten Heroin- und Methadonabgabe, mit Druckräumen und dem Crackbus sei an einem Wendepunkt angelangt, sagt Weyland – angesichts der Ausbreitung des offenen Crackkonsums. Weyland hat die Hände in den Taschen ihres Mantels vergraben, wickelt einen orangen Schal mit dem Schriftzug „OBernadette“ um den Hals.

Vor dem Drogennotdienst in der Elbestraße sitzen 23 Menschen, viele mit Crackpfeifen in der Hand. Manche sitzen auf Koffern, vermutlich sind ihre wenigen Habseligkeiten darin. Andere kriechen auf den Knien und wühlen in den Ritzen nach einem „Stein“, einem Crackstein. „Die können nicht anders, das ist ein Zwang“, erklärt ein Mann, der Weyland auf ihren Schal anspricht.

„Das ist aber ein schöner Schal“, sagt er. „Wollen Sie den haben?“, fragt Weyland. Er lehnt das Angebot erst ab, dann wechselt der Schal doch den Besitzer. „Danke, der wärmt“, sagt der Mann. Es ist 21 Uhr und der Drogennotdienst lässt die schweren Jalousien herunter – die anderen Druckräume schließen spätestens um 23 Uhr. Die Menschen bleiben vorm Drogennotdienst hocken. „Das ist kein Zustand“, sagt Weyland, „weder für die Menschen noch für die Anwohner.“

Eine Frau aus der Gruppe der Crackkonsumenten erzählt, sie sei seit zehn Jahren von der Droge abhängig, ihr elf Monate altes Baby sei „in der Pflege“. Sie wolle mit den Drogen aufhören, schaffe es aber nicht. „Die Frau braucht Hilfe“, sagt Weyland“, „jetzt brauchen wir jemanden vor Ort. Wo ist die Hilfe?“

Die Frau bekommt eine Visitenkarte von Weylands Sprecher zugesteckt, dort könne sie anrufen, wenn sie Hilfe wolle. „Ich finde das schrecklich, wenn die Menschen die ganze Nacht auf der Straße verbringen müssen, in dieser Kälte“, sagt Weyland. „Was wir hier brauchen, ist ein warmer Raum, wo sich die Menschen nachts aufhalten können.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum