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OB-Wahl in Frankfurt Was die OB-Kandidaten in der Kulturpolitik vorhaben

Frankfurt wählt einen neuen OB. In der Kulturpolitik warten auf das neue Stadtoberhaupt schwierige Herausforderungen: Von Bühnen bis Kindertheater.

Theater Schauspiel Oper Frankfurt
Die Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz sind baufällig. In dem Gebäude sind Schauspiel und Oper untergebracht. Foto: Peter Jülich

Die Kulturstadt Frankfurt kann sich glücklich schätzen. Schon der Blick auf die Museumslandschaft lässt einen schwindeln. Gerade erst ist ein neues Historisches Museum eröffnet worden. Und für 2019 kündigen sich die Erweiterung des Jüdischen Museums und ein neues Deutsches Romantikmuseum an. Mit Susanne Pfeffer am Museum für Moderne Kunst (MMK) und Ellen Harrington am Deutschen Filmmuseum haben am 1. Januar zwei neue, vielversprechende Direktorinnen ihre Arbeit aufgenommen. Franziska Nori, die Chefin des Frankfurter Kunstvereins, hat gerade mit 30 000 Besuchern die erfolgreichste Ausstellung dieses Hauses seit langer Zeit präsentiert. Nur wenige Beispiele einer Erfolgsgeschichte der Kulturstadt.

Schon seit Jahrzehnten schmücken sich denn auch die Stadtoberhäupter Frankfurts gerne mit den internationalen Erfolgen der großen Kulturinstitutionen. Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte das in den 17 Jahren ihrer Amtszeit zur Perfektion entwickelt. Und auch ihr Nachfolger Peter Feldmann (SPD), der mit der subventionierten (Groß-)Kultur eher fremdelt, hat mittlerweile gelernt, dass Oper und Schauspiel, Städel und Schirn auch Glanz auf den OB abstrahlen.

Anpacken ist gefragt

Dennoch: Wer auch immer die OB-Wahl am 25. Februar gewinnt, wird sich nicht nur zurücklehnen und von der Sonne der Kultur bescheinen lassen können. Im Gegenteil: In der Kulturpolitik warten schwierige Herausforderungen auf das Stadtoberhaupt, es steht sogar ein Jahr der Entscheidungen an.

Zum Beispiel, was die Zukunft der Städtischen Bühnen angeht. Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen wird die Frage, was aus der betagten und baulich maroden Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz wird, nicht ewig vor sich herschieben können. 2018 müssten eigentlich Richtungsbeschlüsse her: Abriss oder Neubau? Willy-Brandt-Platz oder vielleicht doch ein anderer Ort?

Diese Erkenntnis macht sich auch bei den Kommunalpolitikern breit. Am 29. Januar tritt der Aufsichtsrat der Bühnen GmbH zu einer Sondersitzung zusammen. Es werden Erkenntnisse zumindest darüber erwartet, was es bedeuten würde, die Bühnen-Logistik künftig in ein eigenes Zentrum auszugliedern. Wieviel ließe sich dadurch sparen an der kalkulierten Summe von fast 900 Millionen Euro für Neubau oder Sanierung?

Tatsächlich gibt es innerhalb der Römer-Koalition eine eindeutige Präferenz für einen Neubau – eine Sanierung des Bühnengebäudes aus dem Jahr 1963 wird mehrheitlich als gefährliches Fass ohne Boden angesehen. Dass die Koalition mit dem Stadtoberhaupt an der Spitze aber in diesem Jahr die Kraft für einen Richtungsbeschluss aufbringen wird, darf bezweifelt werden.

Auch ein anderes wichtiges Projekt bedürfte bald der Weichenstellung: Das erhoffte neue Kinder- und Jugendtheater der Stadt. Bisher ist lediglich beschlossen, dass es diese Bühne geben soll – und dass das alte Zoo-Gesellschaftshaus der Ort sein könnte.

Derzeit touren die Kulturpolitiker durch die Bundesrepublik und besuchen erfolgreich arbeitende Kinder- und Jugendbühnen. In Leipzig und Dresden sind sie schon gewesen, als nächstes steht der Besuch in der Bundeshauptstadt an. Dort, im schönen Hansaviertel, wirkt seit bald fünfzig Jahren die Legende unter den deutschen Kinder- und Jugendbühnen, das Grips-Theater. Man darf gespannt sein, was die Frankfurter aus Berlin an Anregungen mitbringen.

Beschlossen werden müsste 2018 dann, das Zoo-Gesellschaftshaus ernsthaft als Theater-Standort zu untersuchen: Was könnte eine Sanierung kosten? Von einer höheren zweistelligen Millionensumme ist schon jetzt die Rede.

Womit wir beim Geld wären. Der von der Römer-Koalition beschlossene Sparkurs könnte viele Blütenträume in der Kulturpolitik auch in der reichen Stadt Frankfurt platzen lassen. Etliche eigentlich notwendige Projekte besitzen derzeit wenig Chancen auf Finanzierung: Etwa eine Sanierung des 1991 eröffneten Museums für Moderne Kunst (MMK). Nun ist das international renommierte MMK noch eine Institution mit einer gewissen politischen Hausmacht. Schlechter ist es etwa um das Weltkulturen- Museum oder das Dialog-Museum bestellt. Seit die Stadt 2015 die damalige Direktorin des Weltkulturen-Hauses, Clementine Deliss, fristlos entlassen hatte, wird das Museum von der Kuratorin Eva Raabe kommissarisch geführt. Wie lange das so bleiben soll, ist derzeit völlig offen. Das private Dialog-Museum klagt über Besucherrückgang.

Einige der vielen Baustellen in der Kulturpolitik. Und dann gibt es da noch den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche in den städtischen Museen. Er soll, geht es nach Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), auf andere nicht städtische Häuser ausgedehnt werden. Doch dafür müsste die Stadt wieder Geld mobilisieren, um den Einnahmeverlust auszugleichen. Das ist nicht in Sicht.

Die Kulturstadt Frankfurt: Sie besitzt ihren Rang aber nicht nur durch die Städtischen Bühnen oder die Museen. Sondern durch viele andere Institutionen: Die Verlage etwa oder die kleinen kulturellen Zentren und Initiativen, die ohne öffentliche Unterstützung großartig arbeiten.

Und nicht zuletzt ist Frankfurt auch die Heimat der Kritischen Theorie, jener Analyse der kapitalistischen Gesellschaft, die auch als Frankfurter Schule bekannt wurde. Die Kulturdezernentin hatte angekündigt, diese Tradition wiederzubeleben. 50 Jahre nach der Revolte von 1968 wäre das auch eine Aufgabe für das Frankfurter Stadtoberhaupt.

 

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