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Petra Roth privat Eine Frau hält sich bedeckt

Ihren Lebensgefährten bekommt man nur mal beim Opernball zu Gesicht, Spazierengehen kann Petra Roth nicht leiden, in der Schule war sie nicht besonders gut. Viel ist über die private Petra Roth nicht bekannt. Vielleicht ändert sich das ja nun ein wenig.

25.06.2012 19:02
Jutta Ochs
Da war an eine Karriere in der Politik noch nicht zu denken: Petra Roth am ersten Schultag, damals noch in Bremen. Foto: Archiv

Petra Roth hat mal verraten, dass sie nicht besonders gut in der Schule war. Das Gymnasium verließ sie mit der Mittleren Reife, besuchte danach die damalige Höhere Handelsschule und absolvierte eine Ausbildung als kaufmännische und praktische Arzthelferin. Heute darf sie sich Doktor (h.c.) nennen. Die Universität der Partnerstadt Tel Aviv hat ihr die Ehrendoktorwürde verliehen. Insofern ist Petra Roths große Karriere ein Trost für viele Eltern, deren Nachwuchs in der Schule nichts Gutes fertigbringt. Und ein Beleg dafür, dass es nicht etwa eines Einser-Abiturs und /oder Jura-Studiums Bedarf, um in dieser Welt politisch Wichtiges zu leisten.

Über das Private hat Petra Roth nicht häufig gesprochen. Die 68 Jahre alte Mutter zweier Söhne und Großmutter zweier Enkelkinder hat sich stets etwas bedeckt gehalten, auch wenn die interessierten Frankfurter gerne mal mehr erfahren hätten. Über ihren verstorbenen Mann Erwin Roth spricht Roth gelegentlich, beschreibt ihn als enormen Rückhalt in den Anfängern ihrer Karriere. Er starb 1994 und hat die Oberbürgermeisterin Petra Roth niemals erlebt – sie wurde erst im Jahr darauf gekürt.

Ihren Lebensgefährten, den Schweizer Manager Robert Raeber, bekommt die Öffentlichkeit nur mal beim Opernball zu Gesicht. Hervorragende Beziehungen unterhält Roth aber, das ist verbürgt, zu ihrer Nieder-Erlenbacher Nachbarschaft. Und als die Oberbürgermeisterin kürzlich zu Hause von den Nachwehen einer Lungenentzündung genas, da wollten viele gerne mit einer Hühnersuppe vorbeikommen.

Petra Roth sagt, sie liebt klassische Musik – vom Barock bis zur Moderne. Und sie ist eine sportliche Frau. Sie spielt gerne Tennis, fährt sehr gut Ski, hat sich auch mit dem Golfspielen angefreundet. Es passt zu Petra Roth, die nicht die geduldigste ist, dass sie überhaupt keinen Spaß am Spazierengehen hat. Ohne Sinn und Ziel durch die Gegend zu gehen, das kann sie nicht leiden.

Sie kann ziemlich ärgerlich werden

Schnörkellos, direkt, ohne ironische Untertöne, die sie ebenfalls nicht mag, führt Roth ihre beruflichen Gespräche. Und wenn sie entschieden hat, so wird es gemacht, dann sollte das besser auch zügig geschehen, sonst kann sie ziemlich ärgerlich werden.
Ihr gewaltiges OB-Programm seit 17 Jahren an jedem Tag hat selbstverständlich viele Spuren hinterlassen. Die Notwendigkeit, mit vielen Themen gleichzeitig zu jonglieren, führt zu sprunghaften Unterhaltungen, die ab und an auch in Monologe ausarten. Es gelingt ihr dennoch meistens, den Gesprächspartner schließlich mit einem guten Gefühl zurückzulassen.

Das liegt nicht nur, aber auch, an ihrer strahlenden Erscheinung. Und weil sie in der Öffentlichkeit steht, wird diese auch gerne ausgiebig begutachtet. Ihren Kleidungsstil, das eher klassische Kostüm, gerne aber mit Jacken in leuchtenden Farben, finden manche modeinteressierten Frankfurterinnen zu gediegen. Die müssen allerdings auch nicht tagein, tagaus bei vielen offiziellen Anlässen repräsentieren. Leger würde man Petra Roth gewiss niemals antreffen.

Die gebürtige Bremerin entstammt einer gutbürgerlichen Kaufmannsfamilie; anders als andere Frauen ihrer Generation – und das sind ja die 68er – scheint sie dieses Bürgerliche zumindest im persönlichen Auftritt niemals in Frage gestellt zu haben. Den Feminismus hat Petra Roth ganz offensichtlich auch nicht miterfunden. Gleichwohl versuchte sie, junge Frauen in der Politik zu fördern und erkannte Betreuung als ein überlebenswichtiges Muss für junge berufstätige Frauen.

Auch wenn es anfangs nicht gut gelungen ist, so hat Petra Roth nachweislich von der Lebensmitte an unfassbar viel gelernt. Mit der ihr eigenen Neugier und auch einer Portion Starrköpfigkeit hat sich Roth die kompliziertesten Themen Untertan gemacht. Und sich auch noch mit Stadtsoziologie, mit Philosophie, mit Sprachen und der Kunst befasst.
Vielleicht ist sie in Zukunft nicht mehr so sehr privat und gibt auch mal Persönliches preis. Von dieser Frau und ihrem Leben können viele sehr viel lernen.

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