Lade Inhalte...

OB-Wahlkampf Frankfurt Feldmann profitiert von Schwäche der Konkurrenz

Den Herausforderinnen Bernadette Weyland und Nargess Eskandari-Grünberg fehlt ein Thema, mit dem sie dem OB gefährlich werden können. Peter Feldmann warnt trotzdem vor Übermut.

Feldmann mit Amtskette
Ein paar Strahlen vom Glanz des französischen Präsidenten fängt zur Buchmesse-Zeit auch der OB ein. Foto: LUDOVIC MARIN (AFP)

Am Ende ist es der Amtsinhaber selbst, der sich und andere vor Leichtsinn warnt. Wer mit Peter Feldmann spricht kurz vor dem Jahreswechsel, der trifft auf einen Mann, der mit sich im Reinen ist. Der 59-Jährige hat es weit gebracht, seit er vor 30 Jahren die Bühne der Kommunalpolitik in Frankfurt betreten hat. Doch ist der neuerliche Sieg des Frankfurter Oberbürgermeisters bei der OB-Wahl am 25. Februar so sicher, wie viele meinen? Feldmann mahnt, nicht übermütig zu werden – und er hat recht damit.

Was die Wählerin und der Wähler, diese unbekannten und flüchtigen Wesen, wirklich wollen, ist heute schwerer vorauszusagen denn je. Die politische Willensbildung ist so volatil wie nie zuvor. Politische Favoriten entstehen so schnell wie sie wieder vergehen – mit tätiger Hilfe der Massenmedien. Der tragische Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, erlebte das 2017 hautnah und bis zur Demütigung. Auch in Frankfurt gibt es das Beispiel eines Oberbürgermeisters und OB-Kandidaten, der am Ende auch an eigenen Fehlern und eigener Überheblichkeit scheiterte.

OB Andreas von Schoeler (SPD) stellte sich 1995 als erstes Stadtoberhaupt einer Direktwahl. Er ging als Favorit in einen kurzen Wahlkampf – und verlor am Ende deutlich gegen seine Herausforderin Petra Roth. Die CDU-Frau gab sich volksnah und kumpelhaft – das waren Mittel, die dem früheren FDP-Politiker von Schoeler nicht zu Gebote standen. Er wirkte mit seiner silbernen Zigarettenspitze stets distanziert – und er glaubte zugleich so sehr an seinen Amtsbonus, das er seinen Sieg für selbstverständlich hielt.

Nein, der linke Sozialpolitiker Feldmann ist vom politischen und persönlichen Profil her nicht mit seinem Vor-Vorgänger vergleichbar. Und doch wird ihm das Scheitern von Schoelers als mahnendes Beispiel vor Augen stehen.

Feldmann hat in den zurückliegenden zwölf Monaten die Taktzahl seiner Arbeit deutlich erhöht. Er absolviert mit großer Disziplin 14-Stunden-Tage und versucht, in vielerlei Szenen der Großstadt präsent zu sein. Bei den Vereinen und sozialen Organisationen sowieso. In den großen Wohnsiedlungen und in allen Zusammenhängen, die mit Jüdischer Gemeinde und Aufarbeitung des Holocaust zu tun haben.

Seine eigene Zugehörigkeit zur Jüdischen Gemeinde behandelt der Sozialdemokrat dagegen nach wie vor mit großer Zurückhaltung. Da ist der mediale Blick von außen auf Frankfurt ein ganz anderer: Nach Feldmanns Wahlsieg 2012 riefen Kollegen aus den USA und Israel an und fragten, was denn vom „ersten jüdischen Oberbürgermeister Frankfurts“ zu halten sei.

Feldmann folgt seit seinem ersten OB-Wahlkampf 2012 einer klaren Agenda. Er setzt auf sozialpolitische Themen: Bau bezahlbarer Wohnungen, Mietstopp in kommunalen Unterkünften, Senkung der hohen Tarife im öffentlichen Nahverkehr, Ausweitung des Nachtflugverbotes. 2012 lächelten die politischen Gegner noch. Heute ist ihnen das Lachen vergangen.

Denn Feldmanns Agenda kommt offenkundig bei vielen Menschen gut an. In der Stadt wächst die soziale Spaltung. Und immer mehr Menschen müssen um ihren Status bangen. Viele Arbeitsplätze sind nicht mehr sicher. Gerade der Mittelstand fürchtet sozialen Abstieg – eine Situation, die Rechtspopulisten auszunutzen versuchen. Vor diesem Hintergrund ist Feldmann mit seinen Themen sogar ein wenig populär geworden – nicht in dem Maß, wie es seine Vorgängerin Petra Roth war, aber die hatte auch mehr Zeit, ihr persönliches Profil zu schärfen.

Feldmann hat gelernt und er ist mit seinem Amt gewachsen. Er hat sich die schneidende Arroganz abtrainiert, zu der er noch vor wenigen Jahren fähig war. Er hat verstanden, dass er auch in der Szene der subventionierten Kultur, mit der er fremdelt, eine gewisse Präsenz zeigen muss. So absolviert er mittlerweile sogar Auftritte bei der Operngala, dem gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres in Frankfurt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum