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OB-Wahl Klare Verhältnisse im verunsicherten Frankfurt

Peter Feldmann fährt bei der OB-Wahl einen Erdrutschsieg ein – weil er auf die Bürger zugeht, weil er Missstände benennt und weil seine Gegenkandidatin überfordert ist. Die Analyse.

OB-Stichwahl in Frankfurt
OB Peter Feldmann (SPD), der Wahlsieger, stellt sich am Wahlabend im Römer den Journalisten. Foto: Rolf Oeser

Die letzten zwei Wochen müssen furchtbar gewesen sein. Bernadette Weyland wird gewusst haben, dass es an diesem Sonntag nur noch um die Höhe ihrer Niederlage geht. Vielleicht hatte sie gehofft, dass sie es zumindest ein bisschen spannend machen kann. Dass sie um die 40 Prozent holt. Am Ende waren es nicht einmal 30. Eine Katastrophe für sie und die Frankfurter CDU. Selbst langjährige Mitglieder der Christdemokraten erinnern sich nicht daran, dass ihre Partei einmal so brutal abgestraft wurde.

Wäre Aufgeben eine Option für eine Direktkandidatin der CDU, vielleicht hätte Bernadette Weyland es vor zwei Wochen getan. Es wäre ihr viel erspart geblieben. Ohnehin hätte nicht viel gefehlt und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hätte die Wahl im ersten Durchgang gewonnen. So aber musste sie sich kämpferisch geben und in den zwei Wochen zwischen erstem und zweiten Wahlgang eine ganz eigene Geschichte erzählen. Es beginne alles bei Null, sagte sie noch eine halbe Woche vor der Stichwahl beim Stadtgespräch der Frankfurter Rundschau. Doch davon konnte keine Rede sein. Weyland lag nach der ersten Runde hoffnungslos zurück.

Nur einmal redete sie öffentlich Klartext. Als sie am Donnerstag vor der Wahl endlich mal Unterstützung von Partei-Prominenz bekam, entfuhr es ihr. Sie hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht, sagte sie in Gegenwart der neuen CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Der Abend sagte eine Menge aus über den Zustand der Frankfurter CDU und die Siegchancen der Bernadette Weyland. Während etwa die Linke vor dem ersten Wahlgang beim Auftritt der Partei-Ikone Gregor Gysi den Südbahnhof füllte, schaffte es die CDU nicht mal, dass das kleine Papageno Theater voll wird. Obwohl Kramp-Karrenbauer doch der neue Star der Christdemokraten ist.

Am Sonntag um 19 Uhr ist es dann vorbei. Bernadette Weyland gratuliert dem Wahlsieger Peter Feldmann. Ein kurzer Händedruck am Fuße der Römer-Treppe, wo nicht so viel los ist. Herzlichkeit sieht anders aus. Auch Feldmann scheint froh, als wenig später auch das gemeinsame TV-Interview geschafft ist.

Weyland und Feldmann können sich nicht ausstehen. Sie verband gar nichts außer dem Wunsch, Stadtoberhaupt zu werden. Beim TV-Duell im Hessen Fernsehen baten die Moderatoren beide Kandidaten, etwas Nettes über das Gegenüber zu sagen. Feldmann sagte, er habe Respekt davor, dass Weyland kandidiere, obwohl die halbe CDU gegen sie sei. Weyland fand es gut, dass man sich auf Feldmann zumindest in einem Punkt verlassen könne: Er sei immer unpünktlich. Bis zuletzt waren die beiden fies zueinander.

Verloren hat Weyland diese Wahl über Monate hinweg. Von Beginn an klappte nichts in ihrem Wahlkampf, den die FR einmal unter der Überschrift „Pleiten, Pech und Peinlichkeiten“ zusammenfasste. Doch unglückliche Auftritte waren nicht das größte Problem der Dr. Weyland, wie sie von Feldmann in der HR-Diskussion ausdrücklich genannt werden wollte. Schlimmer war, dass sie einfach kein Thema fand.

Niemand in Frankfurt wusste, wofür diese Frau eigentlich stand. Erst wollte sie eine Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt vorantreiben. Davon war dann monatelang keine Rede mehr. Dann setzte sie auf das Thema Sicherheit. Doch nach einigen Wochen bekam sie offenbar Panik, dass sie damit vor allem ihren Gegenkandidaten Volker Stein stark machen würde. Deshalb kümmerte sie sich fortan um Bildungspolitik. Feldmann propagierte „Bauen, bauen, bauen“. Weyland hatte dem nichts entgegenzusetzen.

In einem Interview mit der „FAZ“ sagte die CDU-Kandidatin einmal, sie bekomme von ihrer Partei keine Beratung. Ob sie darauf gehofft hatte und sich von der CDU in Stich gelassen fühlte, blieb offen. Vermutlich kam sie sich in der Tat oft vor wie eine Einzelkämpferin. Aber was hatte sie erwartet? Becker hätte selbst gerne kandidiert, Ordnungsdezernent Markus Frank wurde von Weyland im Wahlkampf allzu oft beschädigt, als sie sich mit Sicherheitspolitik profilieren wollte. Und Parteichef Jan Schneider erkannte spätestens nach dem ersten Wahlgang, dass das einzige Ziel für Weyland nur noch um Schadensbegrenzung sein konnte.

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