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OB-Wahl in Frankfurt Weyland scheitert an der CDU

Die detaillierte Analyse der OB-Stichwahl in Frankfurt zeigt: Sogar viele Christdemokraten verweigerten der CDU-Kandidatin Bernadette Weyland ihre Stimme.

Bernadette Weyland
Bernadette Weyland konnte selbst viele CDU-Wähler nicht überzeugen. Foto: dpa

Man hat es nicht immer leicht in einer Doppelrolle. Jan Schneider ist Vorsitzender der Frankfurter CDU und in dieser Funktion kreuzunglücklich über das Wahlergebnis. Gleichzeitig ist Schneider aber auch zuständiger Dezernent für alles, was mit städtischer Statistik zu tun hat. Folglich musste er am Montagmorgen die offizielle Frankfurter Wahlanalyse vorstellen, und dabei ist absolute Neutralität gefragt. Schneider hielt sich dran. Nur einmal rutschte ihm das Wort „leider“ heraus – und das bezog sich auf die geringe Wahlbeteiligung.

Als CDU-Vorsitzender hätte der Politiker hingegen so einiges zu bedauern gehabt. Dass seine Parteifreundin Bernadette Weyland in jedem der 44 Stadtteile weniger Stimmen erhalten hatte als Wahlgewinner Peter Feldmann (SPD), war bereits am Sonntagabend bekannt. Bei der detaillierten Betrachtung stellte sich aber heraus, dass nur vier Wahlbezirke an die CDU-Bewerberin gegangen waren. Die entsprechenden Wahllokale befanden sich in der Bettinaschule, im Lessing-Gymnasium, in der Schule am Erlenbach und im Bürgerhaus Harheim.

In vielen anderen Stimmbezirken gab es Ergebnisse, die für die CDU verheerend waren. Am schlimmsten fiel das Resultat in der Ludwig-Weber-Schule aus. In einem der beiden Stimmbezirke, für die die Sindlinger Grundschule als Wahllokal dient, kam Weyland auf 9,3 Prozent. 

Vor der Wahl war viel darüber spekuliert worden, ob Weyland von den Grünen Stimmen bekomme oder darauf hoffen dürfe, dass die Anhänger des ausgeschiedenen Kandidaten Volker Stein sie unterstützen. Doch darauf kam es gar nicht an. Weyland schaffte es vor allem nicht, die CDU-Anhänger zu mobilisieren.

Nur 81 Prozent der Menschen, die sie im ersten Wahlgang gewählt hatten, taten das auch in der Stichwahl. Der Rest blieb daheim oder wählte gar Feldmann (2,1 Prozent). Der Amtsinhaber kam unter den Menschen, die ihn vor zwei Wochen gewählt hatten, auf mehr als 96 Prozent.

Und noch eine Statistik ist interessant. Unter den Frankfurterinnen und Frankfurtern, die bei der Kommunalwahl 2016 die CDU gewählt hatten, stimmten am Sonntag nur 56,4 Prozent für Weyland. Feldmann kam unter den SPD-Wählern auf mehr als 91 Prozent.

Derweil zeigt das Wahlverhalten der Anhänger der ausgeschiedenen Bewerberinnen und Bewerber, dass Wahlempfehlungen durchaus Wirkung haben können. Einzig die Linke hatte nach dem ersten Wahlgang klar gesagt, wen ihre Anhänger wählen sollen: Peter Feldmann. Und diejenigen, die im ersten Wahlgang für die Linken-Kandidatin Janine Wissler gestimmt hatten, folgten diesem Aufruf: 65 Prozent stimmten für den Oberbürgermeister, nur drei Prozent votierten für Bernadette Weyland, der Rest ging nicht zur Wahl.

Die Grünen hingegen hatten auf eine Wahlempfehlung verzichtet. Weit mehr als die Hälfte der Anhänger der grünen OB-Bewerberin Nargess Eskandari-Grünberg blieb diesmal daheim, knapp 40 Prozent wählten Feldmann, Weyland kam in dieser Gruppe auf dreieinhalb Prozent. Die gute Zusammenarbeit mit der CDU, die grüne Funktionäre in Stadt und Land seit Jahren hervorheben, wirkt sich auf das Wahlverhalten der Basis nicht aus.

Die Wahlbeteiligung lag in keiner einzigen Altersgruppe bei mehr als 50 Prozent. Unter den Frauen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren stimmten nur 15 Prozent ab.

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