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OB-Wahl in Frankfurt Weyland diskreditiert sich mit Pädophilie-Vorwurf

„Geschmacklose Hetze“: Die OB-Kandidatin der CDU versucht, den Feldmann-Unterstützer Daniel Cohn-Bendit in die Nähe von Pädophilen zu rücken.

Bernadette Weyland beim Stadtgespräch
Bernadette Weyland hat beim Stadtgespräch den Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit diffamiert. Foto: Peter Jülich

Es dauerte gerade einmal vier Minuten, bis das Publikum sich am Mittwochabend beim Stadtgespräch der Frankfurter Rundschau das erste Mal lautstark entrüstete. Es war der Moment, als die OB-Kandidatin der CDU, Bernadette Weyland, den Grünen Daniel Cohn-Bendit in die Nähe von Pädophilen rückte.

Eigentlich ging es um die Frage, wie Weyland ihren Rückstand von 20 Prozentpunkten auf Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) nach dem ersten Wahlgang aufholen will. Nun hätten auch noch Daniel Cohn-Bendit, die Linke und Volker Stein zur Wahl Feldmanns aufgerufen, sagte Moderator und FR-Redakteur Georg Leppert. Für Weyland der Anlass, über die Person Cohn-Bendit zu sprechen: „Wer in den 70er Jahren zur sexuellen Befreiung ein Buch verfasst hat ...“ – und da begann das Publikum bereits so laut zu raunen, dass Weyland kaum weitersprechen konnte – „und mit ihm anvertrauten Kindern gearbeitet hat, da muss ich als Mutter von vier Kindern sagen, dass das jemand ist, von dem ich keine Unterstützung haben möchte.“

Der Vorwurf der Pädophilie stand damit im Raum, auch wenn Weyland ihn nicht ausgesprochen hatte. Denn Hintergrund sind Äußerungen Cohn-Bendits in seinem Buch von 1975, in dem es auch um die Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern geht und Cohn-Bendit pädosexuelle Fantasien ausgebreitet hat. 40 Jahre später nannte er die Szenen selbst unsäglich, sie seien Fiktion und hätten damals der reinen Provokation gedient. Einer Tat ist Cohn-Bendit nie beschuldigt worden, kein von ihm betreutes Kind hat ihm je Missbrauch vorgeworfen.

Für Manuel Stock, Fraktionschef der Grünen im Römer, sind Weylands Äußerungen „nicht zu akzeptieren“. Cohn-Bendits Lyrik sei grottenschlecht gewesen, sagte Stock am nächsten Morgen, er habe aber immer wieder glaubwürdig versichert, dass es keine tatsächlichen Verfehlungen gegeben habe.

„Er hat auch klargemacht, dass er das so heute nie wieder schreiben würde und hat sich mehrfach entschuldigt“, sagte Stock. Man könne Cohn-Bendit für das Geschriebene kritisieren, nicht zu akzeptieren sei aber, „wenn so getan wird, als dass diese Worte gleichermaßen Taten waren“.

Das sieht auch Medienmanager und SPD-Anhänger Bernd Reisig so. Auf Facebook empört er sich über „die verbale Attacke“ der CDU-Kandidatin. Cohn-Bendit in die Ecke eines Pädophilen zu stellen, „ist dumm, geschmacklos und dient ausschließlich der Hetze“. Wer Andersdenkende auf diesem Niveau zu diffamieren versuche, disqualifiziere sich für das Amt des Oberbürgermeisters.

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