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OB-Wahl in Frankfurt Eskandari-Grünberg tritt zur OB-Wahl an

Nargess Eskandari-Grünberg, die frühere Frankfurter Integrationsdezerntin, tritt im März 2018 für die Grünen als OB-Kandidatin an. Sie will die erste Migrantin werden, die dieses Amt bekleidet.

Nargess Eskandari-Grünberg
Will die erste Frankfurter Oberbürgermeisterin mit Migrationsgeschichte werden: Nargess Eskandari-Grünberg. Foto: Christoph Boeckheler

„Ich will die erste Migrantin sein, die in dieser Stadt zur Oberbürgermeisterin gewählt wird.“ Sehr selbstbewusst hat Nargess Eskandari-Grünberg am Donnerstag bekannt gegeben, dass sie für die Frankfurter Grünen bei der OB-Wahl im März 2018 antreten wird. Die 52-Jährige, die im Iran geboren wurde, kennt sich im Römer bestens aus. Bis zum vergangenen Sommer führte sie das Integrationsdezernat.

Den Ort für die Bekanntgabe hatten die Grünen mit Bedacht gewählt. Die Journalisten wurden in eine Lounge am Hauptbahnhof eingeladen. Dort war es zwar ebenso laut wie ungemütlich, doch der Bahnhof hat für Eskandari-Grünberg eben eine herausragende Bedeutung. An Heiligabend 1985 kam sie an Gleis 7 an, ihre zweijährige Tochter auf dem Arm. Sie war aus dem Iran geflohen, weil sie vom islamischen Regime verfolgt wurde. An diesem Abend, an dem die Menschen in Frankfurt Weihnachten feierten, habe sie nur eine Frage gehabt: „Wo bekomme ich jetzt noch für meine Tochter und für mich etwas zu essen, da doch alle Läden und Restaurants geschlossen sind?“

Mehr als 30 Jahre später, im Januar 2017, sprachen Marina Ploghaus und Bastian Bergerhoff die promovierte Psychotherapeutin an, um sie zur OB-Kandidatur zu bewegen. „Dass wir eine Frau als Kandidatin vorschlagen würden, stand immer außer Frage“, sagte Ploghaus, die wie Bergerhoff an der Spitze des Kreisverbandes der Grünen steht. Frankfurt könne mit der Wahl von Eskandari-Grünberg „ein klares Zeichen setzen“, sagte Bergerhoff. Die Kandidatin sei „eine Frau, eine Migrantin, eine Ankommerin – und zugleich eine Integrationsfigur.“

Die heiße Phase des OB-Wahlkampfs werde voraussichtlich erst nach der Bundestagswahl im September beginnen, sagte Eskandari-Grünberg. Dann gehe es darum, Menschen zu überzeugen, „die bislang nicht das klassische grüne Klientel sind“. Dabei setze sie vor allem auf Sozial-, Wohnungsbau- und Umweltpolitik.

Sozialpolitisch sehe sie sich „eher als Linke“. Frankfurt gehe es wirtschaftlich gut. Das gelte aber nicht für alle Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt habe die Mittel, um gegenzusteuern, um „Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe“ zu ermöglichen. Dafür müsse Frankfurt aber ein starker Wirtschaftsstandort bleiben.

Soziale Fragen spielten auch bei Klima- und Lärmschutz eine Rolle. Ärmere Menschen lebten oft an Hauptstraßen mit schlechter Luft und viel Krach. „Wir brauchen auch für diese Menschen ein Lärmschutzkonzept, auch sie haben ein Recht auf Nachtruhe.“

Zugleich wurde am Donnerstag deutlich, dass die Grünen Eskandari-Grünberg ausgewählt haben, um ein Zeichen gegen Rechtspopulismus zu setzen. Als Integrationsdezernentin war die Politikerin oft angeeckt, weil sie kompromisslos für die Rechte von Migranten stritt.

Im November 2007 – der Streit um den Bau einer Moschee in Hausen war in vollem Gange – eskalierte die Auseinandersetzung. Im Integrationsausschuss im Römer sagte sie zu Bürgern aus Hausen: „Migration ist in Frankfurt eine Tatsache. Wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie woanders hinziehen.“ Die Angesprochenen werteten das als Aufforderung zum Auswandern und antworteten mit wüsten Beschimpfungen. Die Sitzung musste unterbrochen werden. Hinterher sagte Eskandari-Grünberg, sie sei bedroht worden.

Am 29. März müssen die Mitglieder der Frankfurter Grünen der Kandidatur noch zustimmen. Das gilt als Formsache. Zumindest die Ortsbeiräte und Sprecher der Stadtteilgruppen seien vom Vorschlag des Vorstands begeistert, sagte Bergerhoff. Und auch die hessischen Grünen äußerten sich angetan. „Frankfurt hat eine Oberbürgermeisterin verdient, die zu dieser weltoffenen, vielfältigen und modernen Stadt passt“, hieß es vom Vorstand.

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