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OB-Wahl in Frankfurt Cohn-Bendit übt harsche Kritik an Grünen-Funktionären

Daniel Cohn-Bendit bleibt bei seiner Wahlempfehlung für OB Peter Feldmann. Das Grünen-Urgestein übt harsche Kritik an den Funktionären seiner Partei. Er nennt sie „borniert“.

Peter Feldmann trifft Daniel Cohn-Bendit
Zwei, die sich verstehen: Peter Feldmann und Daniel Cohn-Bendit im Café Rotlint. Foto: peter-juelich.com

Irgendwann ist Peter Feldmann so weit, dass er die Grünen verteidigt. 2012, als der SPD-Politiker zum Oberbürgermeister gewählt wurde, hätte die Partei in der Stichwahl nicht für ihn aufrufen können, weil sie in einer Koalition mit der CDU war. Das müsse man verstehen. Zwischen ihn und die grüne Umweltdezernentin Rosemarie Heilig passe inhaltlich kein Blatt Papier. Und von einem grundsätzlichen Bedeutungsverlust der Grünen will Feldmann schon mal gar nicht sprechen, trotz zuletzt mäßiger Resultate. Wenn Leute wie Tom Koenigs oder Daniel Cohn-Bendit aufträten, seien die Säle immer noch voll.

Mit jenem Cohn-Bendit, Urgestein der Grünen, sitzt Feldmann am Dienstagnachmittag im Café Rotlint, mitten in der grünen Hochburg Nordend. Die beiden unterhalten sich vor Journalisten über die OB-Stichwahl am Sonntag.

Dabei hat der Amtsinhaber die Wahlempfehlung von Cohn-Bendit längst sicher. Der Kreisverband der Grünen hingegen hatte sich ausdrücklich gegen eine Wahlempfehlung ausgesprochen, was Cohn-Bendit als großen Fehler bezeichnet. Überhaupt geht der 72-Jährige mit den grünen Funktionären in Frankfurt hart ins Gericht, einmal fällt sogar das Wort „borniert“. Und dass Nargess Eskandari-Grünberg die richtige OB-Kandidatin gewesen sei, könne er auch nicht sagen. Schließlich habe sie die Wahl verloren.

Warum also sollen die Leute am Sonntag Feldmann wählen? Das hat für Cohn-Bendit viel mit der Herausforderin Bernadette Weyland (CDU) zu tun. Sie habe sich vielen Diskussionen einfach nicht gestellt. „Und wenn jemand nicht zur Kommunalen Ausländervertretung geht, ist es für mich vorbei.“

Ein Automatismus sei der Aufruf für Feldmann aber nicht. Wäre die CDU etwa mit Udo Corts angetreten, dem früheren Kreisvorsitzenden und hessischen Wissenschaftsminister, wäre er ins Grübeln gekommen.

Dann sprechen Cohn-Bendit und Feldmann über die aktuelle Politik. Am Riedberg sei viel Platz verschenkt worden, findet der Grüne. Ab der Stadtgrenze müsse Frankfurt „städtisch“, also viergeschossig bauen. So weit will Feldmann nicht gehen. Er wirbt vor allem für eine gemeinsame Wohnungspolitik mit der Region. Frankfurt werde nicht länger als arrogant wahrgenommen.

Dass etwa der Bürgermeister von Steinbach ihm persönlich typische Frankfurt-Arroganz vorwirft, sagt Feldmann nicht.

Sein Treffen mit Cohn-Bendit habe keine taktischen Gründe, betont der Oberbürgermeister noch. Auch der Aufruf zum ökologischen Handeln auf den neuen Wahlplakaten habe nicht den Zweck, die Grünen zu umgarnen. Seit jeher habe er sich geweigert, auf Kosten der Umwelt Politik zu machen. Und sein Motto „Bauen, bauen, bauen“ heiße in Langform: „Nachhaltig und ökologisch bauen.“

Daniel Cohn-Bendit sagt dazu nichts, sondern gibt die Marschroute für Sonntag vor: „Erst wird der Peter gewählt, und um 19.45 Uhr hat die Eintracht in Dortmund gewonnen.“

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