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OB-Wahl in Frankfurt Cohn-Bendit nervt Grünen-Spitze

Die OB-Wahlempfehlung von Daniel Cohn-Bendit für SPD-Mann Feldmann empfinden viele Grüne in Frankfurt als Provokation. Besonders Fraktionschef Manuel Stock hält wenig von dem OB.

Daniel Cohn-Bendit unterstützt den bisherigen OB Peter Feldmann. Foto: Christoph Boeckheler

Er hat es wieder getan. Schon seit langem nervt Daniel Cohn-Bendit, der internationale Star der Grünen, seine Frankfurter Basis mit seinen Interventionen. Das war schon 2012 so. Da trat Cohn-Bendit allen Ernstes an der Seite des OB-Kandidaten der SPD, eines gewissen Peter Feldmann, auf. Während die grüne Führung der Stadt verzweifelt um eine Haltung zum umstrittenen OB-Bewerber der CDU, Boris Rhein, rang.

Das Ergebnis ist bekannt: Die grüne Basis wählte Feldmann und strafte einzelne Spitzenpolitiker der Grünen ab, die allen Ernstes Rhein empfohlen hatten. Am gestrigen Montag nun traf Cohn-Bendits Empfehlung, für Feldmann in der Stichwahl am 11. März zu votieren, die grüne Führung in Frankfurt ganz empfindlich. Denn die muss damit fertig werden, dass ihre OB-Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg ein desolates Ergebnis hingelegt hat. In grünen Hochburgen wie dem Nordend lag die Bewerberin sogar noch hinter der Linken Janine Wissler.

Der Grünen-Spitzenpolitiker Manuel Stock, Fraktionsvorsitzender im Römer, ist Feldmann in herzlicher Abneigung verbunden. Stock hält den Sozialdemokraten für einen Mann, der sowohl mit der Kultur wie auch der Ökologie fremdelt – und da ist ja auch was dran.

Stock wie auch Grünen-Sprecher Bastian Bergerhoff wollen deshalb auf keinen Fall eine Wahlempfehlung ihrer Partei für Feldmann. Cohn-Bendits Plädoyer für den OB sei „eine einzelne Stimme“, so Bergerhoff prompt.

Nein, die grüne Kreisspitze denkt stattdessen darüber nach, Feldmann und CDU-Bewerberin Bernadette Weyland zu einer Kreisversammlung am morgigen Mittwochabend ins Gallus-Theater einzuladen. Dort sollen beide ihre Positionen der Basis darlegen. „Feldmann hat bisher nur wenig über eine Wende in der Verkehrspolitik gesprochen – wir wollen wissen, was er davon hält“, so Bergerhoff. Das sei nur ein Beispiel für Fragen, die der OB beantworten müsse.

Unklar ist freilich, ob der Sozialdemokrat und die Christdemokratin überhaupt der Einladung folgen werden. „Ich würde Ihnen nicht raten, nicht zu kommen“, sagt Stock. „Feldmann und Weyland sollten ein Interesse daran haben, gewählt zu werden“, so Bergerhoff. Da schwingt ein Unterton der Drohung mit.

Dagegen urteilt Cohn-Bendit: „Ich würde verstehen, wenn Feldmann und Weyland das nicht machen.“ Darauf Stock sauer: „Dany wollte 2012 sehr wohl noch die Kandidaten einladen.“ Am Montagabend tritt der Kreisvorstand der Grünen zur Sitzung zusammen. Beraten werden soll über die Einladung für Feldmann und Weyland. Und es geht um die politische Analyse: Warum hat Eskandari-Grünberg so schlecht abgeschnitten?

Es scheint so, als ob die ehemalige Integrationsdezernentin auch von grünen Stammwählern nicht als Antwort auf die wachsenden sozialen Probleme in der Stadt angesehen wurde. Feldmann scheint dagegen mit seinen Themen bei Teilen der grünen Basis gut anzukommen. Die Grünen könnten in der Sozialpolitik eine offene Flanke haben.

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