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OB-Wahl Frankfurt Speeddating mit OB-Kandidaten

Fünf OB-Kandidaten haben sich mit Schülern zum Speeddating getroffen. Nicht jeder Schüler weiß danach, wen er nun wählen würde.

Schultoiletten, Wohnraummangel, ÖPNV - die Schüler sprachen viele Themen bei Nargess Eskandari-Grünberg und den anderen OB-Kandidaten an. Foto: christoph boeckheler 0049.1702932067 mail@boeckheler.com

Beim Speeddating geht es in der Regel darum, jemanden kennenzulernen – und vielleicht sogar die große Liebe zu finden. Ein paar Fragen, ein paar Antworten und dann sagt der Bauch: Er oder sie passt zu mir. Dann geht es an den nächsten Tisch. Gleiches Spiel. Kontakte im Minutentakt. Und am Ende ist dann vielleicht einer dabei, den man wählen würde. Als Flirtpartner. Als Beziehungspartner. Oder als Oberbürgermeister.

Denn fünf OB-Kandidaten stellten sich am Mittwoch einem solchen Speeddating im Haus der Jugend. Der Stadtschülerrat und der Frankfurter Jugendring hatten eingeladen, an die 300 Schüler wollten die Kandidaten von SPD, CDU, Grüne, Linke und der Partei kennenlernen. Und herausfinden, wer von welcher Partei nun eigentlich zu einem selber passt. Ein bisschen warten mussten die Schüler schon, bis sie an der Reihe waren. Für sie war es eher ein Slowdating. Schließlich mussten sich 300 Schüler bei fünf Bewerbern anstellen. Und so scharten sich die Schüler in Trauben um die Tische der Kandidaten, bis sie ihre Fragen loswerden konnten.

Kontakt im Minutentakt

Für die OB-Kandidaten war es aber durchaus ein Speeddating, Kontakt im Minutentakt eben. Etwa bei Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD). Wann gibt es WLAN an Schulen? Es gibt ein neues Programm mit Pilotschulen, wenn das abgeschlossen ist, dann bekommen alle Schulen WLAN. Händeschütteln. Nächster. Ich muss an der Klingerschule manche Hausaufgaben ausgedruckt mitbringen, aber ich habe keinen Drucker. Antwort: Wir können nicht jedem Schüler einen eigenen Drucker zur Verfügung stellen, aber jede Schule sollte einige haben, die von Schülern genutzt werden können. Händeschütteln – und so weiter und so fort.

Am Tisch nebenan diskutiert Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) mit Jugendlichen die Frage, ob nicht der Umwelt zuliebe autofreie Sonntage eingeführt werden sollten. Da hat die Grüne nichts dagegen, aber „wir müssen vor allem Alternativen zum Auto schaffen“. Deshalb setze sie sich für ein 365-Euro-Jahresticket für öffentliche Verkehrsmittel ein. „Dann ist der ÖPNV so günstig, dass die Menschen lieber damit fahren.“

Tim gefällt das Konzept des Speeddatings. „Einen solchen Zugang hat man sonst nicht zu Politikern“, sagt der 15-jährige Wöhlerschüler. So lerne man die Kandidaten persönlich kennen, erfahre mehr über ihre Hintergründe und Ansichten. „Das ist sehr hilfreich.“ Wählen könne er zwar noch nicht, aber der Tag werde schließlich irgendwann kommen.

Bernadette Weyland (CDU) versichert Schülern an ihrem Tisch, dass an der Bildung nicht gespart werde, sie eine Milliarde in Schulen investieren will und das auch schon mit dem Kämmerer abgesprochen sei. „Bildung ist das Wichtigste.“ Und bei Janine Wissler (Linke) will ein Schüler wissen, wie denn nun die immer höhere Zahl an Schülern in Frankfurt untergebracht werden soll. Für Wissler müssen auf jeden Fall neue Schulen gebaut werden, dafür seien Flächen nötig. „Und da müssen wir darüber reden, ob wir immer mehr Bürotürme brauchen“, sagte sie. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft AGB verscherble aber Grundstücke an Investoren „und damit muss Schluss sein“. Bei Nico Wehnemann (Die Partei) erfahren die Schüler, dass er der erste fehlerfreie Oberbürgermeister sein werde, denn „wer nichts macht, macht auch keine Fehler“.

Einige Schüler sind nach so viel Speeddating ein wenig durcheinander. „Die einen sagen, der neue Stadtteil ist die Lösung für das Problem mit dem Wohnraum, die anderen sagen nein“, erzählt Gustav von der Ernst-Reuter-Schule. „Ich bin jetzt verwirrt.“ Seine Schulkameradin Emma hat dagegen festgestellt, dass „viele Kandidaten ähnliche Ziele haben“. Fahrpreise senken, in Schulen und Kitas investieren – „so weiß man auch nicht, was man wählen soll“.

Die beiden sind 14. Wie sehr viele, die an dem Tag dabei sind, noch gar nicht wahlberechtigt. Ob also nun einer an diesem Mittag die große Liebe zu einer Partei gefunden hat – das wird sich in drei oder vier Jahren dann auf einem Wahlzettel zeigen.

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