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OB-Wahl Feldmanns Fremdeln mit der Kultur lässt nach

Frankfurts OB Peter Feldmann hat sich der Kultur-Szene angenähert und findet teils Lob. Beide Seiten haben sich aneinander gewöhnt und wissen, was sie voneinander zu halten haben.

Eva Demski
Eva Demski (links) urteilt milder über Peter Feldmann. Foto: Renate Hoyer

Sie gilt als die offene politische Flanke des Frankfurter Oberbürgermeisters: die Kulturszene. Nachdem Peter Feldmann am 1. Juli 2012 sein Amt angetreten hatte, brach bei Künstlern und Theaterleuten, bei Schriftstellern und Verlegern ein allgemeines Wehklagen aus. Es ging um die große Leerstelle, die der Sozialdemokrat in der Kultur hinterließ im Vergleich zu seiner Vorgängerin Petra Roth (CDU). Der Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke erinnert sich: „Feldmann wollte sich absetzen von Roth, die überall dort war, wo es wichtig war – also ging er nirgendwo hin, wo es wichtig war.“

Feldmann ging nicht zur Saisoneröffnung von Oper und Schauspiel, nicht zur Vernissage wichtiger Ausstellungen, nicht zur Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises. Er sehe sich „nicht als repräsentierender, sondern als arbeitender OB“, pflegte der Sozialdemokrat seinen Kritikern entgegenzuhalten. Er setzte Zeichen lieber dadurch, dass er streikende Bauarbeiter aufsuchte, die keinen Lohn erhalten hatten. Er werde nicht daran gemessen, wie viele Premieren er besucht habe, ließ der OB wissen, „sondern wie viele bezahlbare Wohnungen entstanden sind“.

Michel Friedman sieht positive Entwicklung beim OB

Das Publikum bei Kulturveranstaltungen reagierte bald mit Gelächter, wenn verkündet wurde, der Oberbürgermeister habe leider nicht kommen können. Fünfeinhalb Jahre später scheint die Entfremdung zwischen der Kulturszene und dem Stadtoberhaupt nicht mehr ganz so groß: Beide Seiten haben sich aneinander gewöhnt und wissen, was sie voneinander zu halten haben.

„Ich vermisse den Oberbürgermeister noch immer bei Ausstellungseröffnungen“, sagt die Videokünstlerin Helke Bayrle. „Feldmann ist auf Distanz zur Kunstszene“, urteilt auch ihr Ehemann Thomas Bayrle, der zu den bekanntesten bildenden Künstlern in Deutschland zählt. Dafür agiere aber Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sehr kompetent und werde in der Szene anerkannt.

Dennoch will Thomas Bayrle nicht völlig den Stab brechen über das Stadtoberhaupt. „Er darf nur nicht die Balance aus dem Auge verlieren zwischen der expandierenden Wirtschaftsmetropole und der Kulturstadt.“

Die Schriftstellerin Eva Demski zählte anfangs zu den schärfsten Kritikerinnen Feldmanns. Heute urteilt sie milder über den Sozialdemokraten. „Er hat sich entwickelt und macht in letzter Zeit auch nicht mehr so viele Fehler“, sagt die Autorin. Die Stadt Frankfurt verändere eben jeden. Und Feldmann vorzuwerfen, dass er nicht in die Oper gehe, sei „läppisch“.

Auch der Publizist Michel Friedman sieht beim OB eine positive Entwicklung. „Ich finde, er ist souveräner geworden.“ Auch thematisch sei er „breiter aufgestellt als am Anfang“. Feldmann verstehe „die Pluralität der Stadt besser“ und er mache zum Glück „nicht den Fehler, das Soziale gegen die Kultur auszuspielen“.

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