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Nargess Eskandari-Grünberg Vielfalt statt Ordnung

Die grüne OB-Kandidatin Eskandari-Grünberg lädt zum Austausch über das Bahnhofsviertel ein. Viele Anwohner sind von der aktuellen Sicherheits-Debatte genervt.

Diskussionsrunde der Frankfurter Grünen
Nargess Eskandari-Grünberg (Bildmitte) diskutiert mit Anwohnern und Unternehmern über das Bahnhofsviertel. Foto: Rolf Oeser

In einem wird sich die Runde schnell einig: Der vorherrschende Blick auf das Bahnhofsviertel, im OB-Wahlkampf und in der medialen Debatte sowieso, sei verkürzt und verzerrt. Wenn nur über Drogen, Kriminalität und Dreck gesprochen werde, gerieten die liebenswerten Seiten des Stadtteils aus dem Blick – und das gute soziale Miteinander der Anwohner. Das Bahnhofsviertel sei der einzig wirklich urbane Teil Frankfurts, sagt Jakob Sturm vom Künstlerhaus „Basis“. „Das finde ich das Reizvolle am Bahnhofsviertel.“

Einen anderen Blick auf das Bahnhofsviertel werfen, das haben sich die Frankfurter Grünen an diesem Montagabend vorgenommen. Gemeinsam mit ihrer OB-Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg hat die Partei Anwohner, Gewerbetreibende und Drogenhelfer aus dem Viertel zu einem Austausch eingeladen, um ihre Perspektiven zu hören. Bisher habe man sich in der Diskussion zurückgehalten, sagt Beatrix Baumann, Vorstandssprecherin der Frankfurter Grünen. Aber je mehr in schrillem Wahlkampfton von der „No-Go-Area Bahnhofsviertel“ gesprochen und Ordnung um jeden Preis gefordert werde, desto wichtiger werde ein differenzierter Blick.

Keine einfachen Lösungen

Und den bekommt Eskandari-Grünberg dann auch zur Genüge zu hören. Andi Bakker, Betreiber der St. Tropez Bar und seit 1998 Anwohner, findet, das Bahnhofsviertel sei südlich der Kaiserstraße ruhig und schick geworden, in Richtung Taunustraße sei die Lage aber „ein bisschen aus dem Ruder gelaufen“. Beim Anblick der Drogenabhängigen dort fühle er sich zunehmend unwohl.

Die Lage in der Drogenszene habe sich gar nicht verschlechtert, entgegnet Gabi Becker vom Druckraum in der Niddastraße. Trotz der „Skandalisierung der Zustände“ durch manches Boulevardmedium gehe es dort zu wie eh und je. Das Problem sei, dass die Abhängigen durch den Zuzug und die Aufwertung mancher Straßenzüge in bestimmte Ecken verdrängt würden. „Es gibt keine Rückzugsräume mehr“, klagt Becker. Und manche Probleme, wie der Müll und das Wildpinkeln, hätten eher mit den vielen Freiern und Touristen zu tun als mit ihren Klienten.

Das sieht auch Radu Rosetti so, der die Bar „Walon&Rosetti“ in der Moselstraße betreibt. Mit Drogenabhängigen habe er gar kein Problem. Er wundere sich vielmehr, warum ständig Kioske im Viertel eröffneten, aber keine öffentlichen Toiletten installiert würden. Neben der Stadt seien da auch die Unternehmer vor Ort gefragt, findet Rosetti. Wenn man gemeinsam nach Lösungen suche und eine Art Gesellschaftsvertrag für das Miteinander aushandle, anstatt über die Presse zu kommunizieren, sei man schon einen Schritt weiter.

Jakob Sturm vom Atelierhaus „Basis“ beklagt, dass im Römer immer noch die Vorstellung herrsche, man könne für einen widersprüchlichen Ort wie das Bahnhofsviertel einen Masterplan erfinden und durchsetzen. Diese restriktive Denke sei fatal, so Sturm. Auch Peter Lindner, Geografieprofessor und Viertelbewohner, findet, man könne für die komplexen Probleme vor Ort keine „platten Lösungen“ finden. Und er erinnert daran, dass kaufkräftige Schichten im Viertel Wohnungen kauften – und dann ihre Idee einer ruhigen, sauberen Wohnlage mitbrächten.

Nargess Eskandari-Grünberg hört aufmerksam zu. Umgang mit Dealern, Toiletten, mehr Dialog und der Erhalt des öffentlichen Raums für alle, diese Punkte werde sie sich merken, verspricht die OB-Kandidatin. Sie selbst sei viel im Viertel und sehe vor Ort auch viel Gutes, sagt sie dann. „Hier ist das Leben.“

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