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Oberbürgermeisterwahl Frankfurt Feldmann triumphiert in Frankfurt

Peter Feldmann (SPD) wird als Oberbürgermeister Nachfolger von Petra Roth (CDU). Der Sozialdemokrat gewinnt die Stichwahl überraschend deutlich - und zieht mit jubelndem Anhang in den Römer ein.

25.03.2012 22:28
Felix Helbig
Peter Feldmann (SPD) hat's geschafft: Er ist Frankfurts neuer Oberbürgermeister.

Das Frankfurter Rathaus ist an lauen Frühlingsabenden ein bei Touristen außerordentlich beliebtes Fotomotiv. Manchmal drehen sich die Touristen dann um und fotografieren in die andere Richtung, den Krönungsweg entlang zum Dom. Und ganz selten einmal kommt dann tatsächlich ein frisch gekröntes Haupt ins Bild gelaufen, man merkt es erst nicht vor lauter Menschen, die „Peter, Peter“ rufen. Aber dann, ob man nun aus Honduras angereist ist oder nur aus Heldenbergen, hat man plötzlich den neuen Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann vor der Linse.


Frankfurt hat an diesem lauen Frühlingsabend viel Unerwartetes zu bieten, weniger weil Peter Feldmann zum neuen OB gewählt worden ist. Sondern weil Peter Feldmann ganz deutlich zum neuen OB gewählt worden ist.
Gute 90 Minuten bevor der als Außenseiter angetretene SPD-Kandidat triumphal in den Römer einzieht, beginnt der Abend mit einem Raunen in den Reihen der Reporter. Sie stehen dicht gedrängt vor einem Bildschirm in der Wandelhalle, der die ersten Ergebnisse anzeigt und dabei vor allem etwas, womit niemand gerechnet hätte: Nach ausgezählten Stimmen in nur 40 von 461 Wahlbezirken liegt Peter Feldmann früh mit 58,9 Prozent vor Boris Rhein, der als Wunschkandidat von Petra Roth und damit haushoher Favorit für die CDU in diese Wahl gegangen war und am Ende geschlagen hinauskommt.


Am Ergebnis wird sich den ganzen Abend nur noch wenig ändern, am Ende sind 57,4 Prozent für Feldmann. Auch wenn in den nächsten Stunden viele sagen werden, dass es wohl vor allem 57,4 Prozent gegen Rhein seien.

Vor dem Haus am Dom steht kurz nach Bekanntgabe des Endergebnisses der junge SPD-Stadtverordnete Mike Josef in einer johlenden Menge, er hat feuchte Augen, auch seine Analyse schimmert sepiarot. „Es ist herausragend, dass wir diese Wahl mit linken sozialdemokratischen Themen gewonnen haben, mit sozialer Gerechtigkeit, mit Bildung, mit Kinderarmut. Die Menschen hat das angesprochen“, sagt Josef. Das hat es lange nicht mehr gegeben. Er sei deshalb eher pessimistisch gewesen, „aber dann sind Siege ja am schönsten“.


Hinter Josef steht Thorsten Schäfer-Gümbel, der SPD-Fraktionschef im Landtag, er ruft, „der Peter“ werde gleich da sein. Aber dann läuft er selbst los, dem Peter entgegen, es folgt eine Umarmung, an deren Ende der, den sie TSG nennen, vom neuen OB kräftig ins Ohr gekniffen bekommt. Vor dem Haus am Dom steigt Peter Feldmann schließlich auf einen Stuhl, ihm fehlt seit Tagen schon die Stimme, nun fehlten ihm auch die Worte, krächzt er. Vor zwei Wochen habe er nach dem ersten Ergebnis gesagt, es sei „der Hammer“, nun sei es ein „absoluter Hammer“. Damit habe niemand gerechnet, „ich auch nicht“.

Betrübte Gesichter in der Koalition

Immerhin das teilt Peter Feldmann schon einmal mit den Akteuren der schwarz-grünen Koalition, sie stehen etwas verloren im Römer herum wie CDU-Fraktionsvize Michael zu Löwenstein oder in betrübten Grüppchen an der Seite wie die neue Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) – damit hätten sie nicht gerechnet. Sie sei „enttäuscht“, sagt Sorge, „für die Zusammenarbeit im Magistrat hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht“. Michael zu Löwenstein spricht davon, dass Feldmann den Magistrat ja nur „konstruktiv begleiten“ könne, ein paar „Akzente einbringen“ vielleicht. „Ich glaube nicht, dass die Koalition in Gefahr ist.“


Als Feldmann dann mit jubelndem Anhang in den Römer eingelaufen kommt, geschieht noch etwas Unerwartetes. Er trifft dort schon auf der Treppe auf Boris Rhein, der tut, was er den ganzen Wahlkampf hindurch getan hat: er lächelt. Feldmann aber strahlt.

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