Lade Inhalte...

„Nur Gott kann mich richten“ Böse Buben

Dieser Film musste in Frankfurt spielen, sagt Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu über das Unterwelt-Drama „Nur Gott kann mich richten“. Bei der Premiere posiert er mit Gangsta-Rapper Xatar und Eintracht-Star Boateng.

Filmpremiere
Moritz Bleibtreu mit den Rappern Xatar (rechts) und SSIO. Foto: Rolf Oeser

Moritz Bleibtreu wirft in seinem schnieken grauen Anzug Luftküsschen in Richtung Kinozuschauer und ruft: „Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Film.“ Ein paar Sekunden später ist der 46-jährige Schauspieler auf der Leinwand in schwarzer Lederjacke als Ex-Knacki Ricky in dem in Frankfurt und Offenbach abgedrehten Gangsterdrama „Nur Gott kann mich richten“ zu sehen.

Bleibtreu bleibt an diesem Montagabend bei der Hessen-Premiere des Streifens, der am Donnerstag offiziell anläuft,  nicht wie sein Kollege Kida Khodr Ramadan im Saal sitzen. Für die nächsten 100 Minuten verlässt er den Saal 5 des Metropolis, denn wie er vorab auf dem roten Teppich verrät: „Ich sehe mir meine Filme nur einmal an. Warum soll ich mir beim Spielen zusehen? Das bin ja ich. Das ist nichts, wobei ich mich entspannt zurücklehnen kann.“ Wirklich entspannt kann man sein Popcorn sowieso nicht kauen, wenn man „Nur Gott kann mich richten“ als Zuschauer verfolgt.

Die Handlung: Ricky, der nach einem gescheiterten Überfall für seinen Bruder Rafael (Edin Hasanovic) und Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan) den Kopf hinhält. Als er aus dem Knast kommt, will Laif sich für Rickys Gefängniszeit revanchieren. Mit einem scheinbar letzten sicheren Ding. Doch dann taucht die Polizisten Diana (Birgit Minichmayr) auf. Und es fließt sehr viel Schweiß und Blut.

Bleibtreu und seine Kollegen beherrschen die „Digga“- und „Brudi“-Sprache perfekt.  Die Schauspieler – besonders  Bleibtreu- spielen sich die Seele aus dem Leib. Grandios und stellenweise auch sehr komisch sind die Dialoge, vor allem zwischen Bleibtreu und dem grandiosen Theaterschauspieler Peter Simonischek („Toni Erdmann“), der seinen dementen Vater mimt.

Die meisten Zuschauer an dem Abend sind geladene Gäste, nur wenige Tickets gab es zu kaufen. Die Outfits der Premierengäste sind stylemäßig sehr unterschiedlich: So mischen sich Jungs in roten Trainingsanzügen mit Frauen in Abend-Glitzerkleid.

350 000 Euro Förderung gab es von HessenFilm und Medien. Das Gangsterdrama gewann noch vor seiner Veröffentlichung als bester Film beim Hessischen Filmpreis. „Wir wollten unbedingt, dass die Geschichte in Frankfurt spielt, denn es gibt in Deutschland keine andere Stadt, die eine so kalte urbane Welt rüber bringen kann“, sagt Bleibtreu, der auch Ko-Produzent ist.

Regisseur und Drehbuchautor Özgür Yildirim sagt: „Frankfurt ist auch noch jungfräulich, was das Genre Gangsterfilm angeht.“ Viele Szenen spielen unweit der Konstablerwache in einer Shisha-Bar, ansonsten ist das Bahnhofsviertel zu sehen:  Es gibt einen Schwenk auf die echte Drogenszene, aber auch der Stripclub Pure Platinum in der Taunusstraße ist Teil der Story. „Das Bahnhofsviertel erinnert mich an das St. Georg der 80er. In dem Hamburger Bahnhofsviertel bin ich aufgewachsen, und da sah es vor meiner Haustür genauso aus. Mittlerweile ist es durch die Gentrifizierung ein Szeneviertel. Der Unterweltanteil ist da verschwunden“, erzählt Bleibtreu. Ansonsten treiben sich die bösen Jungs in vielen Hinterhöfen rum.   

Während der Drehzeit im Herbst 2016 hat Bleibtreu privat Frankfurt als  „urgemütliches Pflaster“ mit seinen Ebbelwoi-Kneipen kennengelernt.  Sein Kollege Kida Khodr Ramadan schwärmt derweil von der Berger Straße und davon, dass die Arbeit mit Bleibtreu wie „Wellness“ sei, weil es so viel Spaß mache.

Der Film und die Premiere führt die unterschiedlichsten Welten zusammen. Oder wie es Bleibtreu nach dem Abschluss-Applaus formuliert:  „Ich bin irre stolz, dass wir es geschafft haben Leute aus den verschiedensten gesellschaftlichen Milieus zusammenzuführen.“

So posiert Gangster-Rapper Xatar, der schon im echten Leben wegen eines Goldtransporter-Überfalls im Gefängnis saß, na klar, mit fetter Goldkette auf dem roten Teppich. Er und Rapper SSIO spielen bei ihrem Cameo-Auftritt  böse Jungs - und liefern den Soundtrack. Auf dem ist  auch die Frankfurter Rapperin Schwesta Ewa zu hören. Auch die 33-Jährige posiert auf dem roten Teppich. Vergangenes Jahr war sie wegen Körperverletzung, Steuerhinterziehung und sexueller Verführung Minderjähriger zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden -  und will nun in Revision gehen.

Kein Teil des Films, aber ein bekennender Bleibtreu-Fan ist Eintracht-Star Kevin-Prince Boateng. Der 30-Jährige trägt wie Bleibtreu an dem Abend einen schnieken grauen Anzug. „Bleibtreu spielt jede Rolle einfach überragend. Ich hätte auch gerne in dem Film mitgespielt. Schauspielerei passt zu mir. Vielleicht klappt es irgendwann.“ Dann läuft er zu Bleibtreu. Na klar, für ein paar Selfies. Ganz böse-bube-mäßig streckt er dabei die Zunge raus. Ob er später am Abend bei der Premieren-Feier im Velvet Club mit Bleibtreu und Xatar weiterfeierte, ist nicht überliefert.

 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum