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NSA Protest High Noon in der Nacht

Zwei Künstler wollen mit einer Lichtkanone den Schriftzug "United Stasi of America" auf die Fassade des US-Konsulats projizieren. Doch die Kunstaktion misslingt und führt zu einem dramatischen Polizeieinsatz.

Das Vorbild für die Frankfurter Künstler: Projektion auf der US-Botschaft in Berlin. Foto: afp

Wenn alles geklappt hätte, wären bestimmt aufsehenerregende Bilder entstanden. Der Schriftzug „United Stasi of America“ projiziert auf das Gebäude des US-Generalkonsulats an der Gießener Straße. Die Aufnahmen wären sicherlich so oft gesendet worden wie das Video, das in der Woche zuvor bei einer ganz ähnlich Aktion an der US-Botschaft in Berlin entstanden ist. Allerdings klappte in Frankfurt so gut wie gar nichts. Deshalb gibt es von dem Protest gegen die Methoden des US-Geheimdienstes NSA auch keine Bilder. Dafür haben die Aktivisten und diejenigen, die über sie berichten wollten, jetzt jede Menge Ärger mit der Polizei.

Maskierte mit Lichtkanonen

In der Nacht auf Montag wollten zwei Künstler mit Lichtkanonen und einem Generator ihr Werk an die Fassade des Gebäudes werfen. Dafür hielten sie mit einem Lieferwagen vor dem Haupteingang. Vor die Gesichter hatten sie sich die aus der Occupy-Bewegung bekannten Anonymous-Masken gezogen. Ein Amateurfilmer, der gemeinsam mit einem Journalisten der Berliner Videonachrichtenagentur „Ruptly TV“ die Aktion aufnehmen wollte, hielt sich auf der anderen Straßenseite auf. Die beiden Reporter stellten fest, dass es die Aktivisten nicht schafften, den Generator anzuwerfen. Die Lichtinstallation ließ sich deshalb nicht auf die Fassade des Konsulats projizieren. Doch das sollte in dieser Nacht das kleinste Problem der vier Männer bleiben. Wie die Polizei mitteilt, hatte nämlich ein 32 Jahre alter Zeuge das Geschehen mitbekommen. Ein Lieferwagen mitten in der Nacht direkt vor dem US-Konsulat, zwei maskierte Männer, zwei andere die sich im Hintergrund aufhalten und filmen, die Maskierten tragen Lichtkanonen, die Granatwerfern nicht unähnlich sehen … Der Mann bekam es gehörig mit der Angst zu tun. Er informierte den Sicherheitsdienst am Konsulat, der rief die Polizei.

Mit dem Schlimmsten gerechnet

Nach acht Minuten, so erzählt es der Amateurfilmer, traf der erste Streifenwagen ein. Und dann wurde es hektisch an der Gießener Straße. Die Polizisten stiegen mit gezogenen Waffen aus, was die Aktivisten und die Journalisten als maßlos überzogen empfanden. Polizeisprecher Rüdiger Reges sagt hingegen ganz klar: Weil die Beamten mit dem Schlimmsten rechnen mussten, also mit einem bevorstehenden Anschlag, sei „ein Einschreiten unter größtmöglicher Eigensicherung erforderlich“ gewesen.
Die Polizisten nahmen die Personalien der Männer auf und beschlagnahmten die Kameras der Reporter. Für die Occupy-Bewegung, die den Fall öffentlich gemacht hat, eine „beispiellose Missachtung der Pressefreiheit“. Doch auch diesen Vorwurf kontert Reges: „Zur polizeilichen Ermittlung, ob es sich bei der Aktion um die Vorbereitungshandlung einer Straftat handelte, war die Sicherstellung der beiden Kameras mit Speichermedien erforderlich.“ Mittlerweile seien die Kameras zurückgegeben worden. Für die Beteiligten könnte die Nacht vor dem Konsulat noch ganz schön teuer werden. Laut Reges prüft die Polizei, ob die Männer die Kosten für den Einsatz tragen müssen.

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