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NS-Zeit in Frankfurt Mahntafel für NS-Einrichtung

Stadtteilpolitiker aus dem Westend wollen an das „Institut zur Erforschung der Judenfrage“ erinnern, das während des Zweiten Weltkriegs in der Bockenheimer Landstraße beheimatet war. Es war eine Propaganda-Institution und eine Sammelstelle für geraubte Bücher aus jüdischem Besitz.

Feierlich Eröffnung des Instituts 1941 im Römer mit OB Friedrich Krebs (3. v. r). Foto: Institut für Stadtgeschichte

Unscheinbar ist das Gebäude an der Bockenheimer Landstraße 68 bis 70. Ein einfaches fünfgeschossiges Wohnhaus mit Balkons, der Vorhof ist bis auf zwei mit Randsteinen eingefasste Grünflächen zugepflastert. Bäume und Büsche sind dort gepflanzt. Dazwischen, inmitten des Grüns, könnte bald eine Schrifttafel stehen. Zur mahnenden Erinnerung an das Institut, das in dieser Stelle während des Zweiten Weltkriegs beheimatet war. Das „Institut zur Erforschung der Judenfrage“, eine Institution antisemitischer Selbstrechtfertigung und Sammelstelle jüdischen Raubguts des NS-Regimes.
Als „verbrecherischen Thinktank“, bezeichnet Moritz Andrick das Institut. Er ist Mitglied der Grünen im Ortsbeirat 2. Einstimmig hat das Gremium in der vergangenen Woche seinen Antrag an den Magistrat für die Schrifttafel verabschiedet, nachdem die Jüdische Gemeinde nichts dagegen einzuwenden hatte. Es sei notwendig, sagt Andrick, die Erinnerung an das Institut wachzuhalten, es gehöre zur „geschichtlichen Erblast“.

Dass dieses unrühmliche Teilkapitel Frankfurter Geschichte überhaupt dokumentiert ist, muss vorrangig Dieter Schiefelbein zugeschrieben werden. Der Inhaber des Buchladens „Land in Sicht“ schrieb in den 90er Jahren eine wissenschaftliche Abhandlung darüber. „In Frankfurt kannte es damals kein Mensch“, erinnert er sich. Allerdings sei es auch keine große NS-Institution gewesen. „Es wurde nicht so wahnsinnig viel publiziert“, sagt Schiefelbein, das damalige Institutsgebäude, eine Westend-Villa, sei vor allem eine Sammelstelle für geraubte Bücher aus jüdischem Besitz gewesen.

Festakt im Römer

Am 26. März 1941 eröffneten die Nazis mit einem Festakt im Römer die neue Propaganda-Institution. Jahrelang hatte sich der damalige Oberbürgermeister Friedrich Krebs dafür eingesetzt. Er wollte die Stadt nach eigenen Worten zum „Mittelpunkt der gegen das Judentum gerichteten Forschung“ machen. Grundlage dafür sollte die Frankfurter Judaica- und Hebraica-Sammlung mit mehr als 40.000 Bänden sein. Geraubte Bibliotheksbestände kamen im Verlauf des Krieges hinzu, etwa aus der Pariser Bibliothek der jüdischen Kulturorganisation Alliance Israélite Universelle.

Rund 30 Mitarbeiter arbeiteten im Gebäude an der Bockenheimer Landstraße. Beschäftigt gewesen seien sie vor allem mit der Katalogisierung der Bestände, berichtet Schiefelbein. Daneben produzierten sie die antisemitische Zeitschrift „Der Weltkampf“. Wirklich wichtig waren die vom Institut herausgegebenen Publikationen für die Propagandamaschine des NS-Regimes aber nicht, sagt Schiefelbein.

In der Nacht vom 22. auf den 23. März 1944 brannte das Institutsgebäude nach einem Bombenangriff aus. Ein großer Teil der Bücherbestände im Keller blieb jedoch erhalten. Krebs ließ die Bestände sichern und brüstete sich nach dem Krieg vor Gericht, er habe sie gerettet. Er wurde als „minderbelastet“ eingestuft.

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