Lade Inhalte...

NS-Opfer 110 neue Stolpersteine

In Frankfurt werden in den nächsten Tagen viele neue Stolpersteine für NS-Opfer verlegt.

Stolpersteine
Gunter Demnig verlegt Stolpersteine gegen das Vergessen - zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialimus. Foto: Renate Hoyer

Gunter Demnigs Auftritte sind kurz. Sein Wagen fährt vor, er und ein Assistent steigen aus. In der rechten Hand hält er einen Eimer. Darin: Hammer, Meißel, Kelle – alles, was er für seine Arbeit braucht. Kurz grüßt er die Zuschauer, dann geht es ohne weitere Verzögerung ans Verlegen. Fünf Minuten etwa dauert es, dann erinnert ein weiterer Stolperstein in einem Frankfurter Bürgersteig an eines der unzähligen Opfer des Nationalsozialismus.

51 Steine sind es, die Demnig allein an diesem Donnerstag verlegt. Am heutigen Freitag sollen 41 weitere dazu kommen. Am morgigen Samstag schließlich werden noch einige Stolpersteine enthüllt, die nicht persönlich von Demnig verlegt werden konnten. Insgesamt kommen so 110 neue Stolpersteine hinzu. Damit wächst die Gesamtzahl der in Frankfurt verlegten Miniaturmahnmale auf 1126.

Nachfahren der Opfer sind dabei

Zwischen 9 und 16 Uhr ist Demnig am Donnerstag unterwegs. Auf dem Plan stehen Stationen in Bockenheim, dem Bahnhofsviertel, der Innenstadt, dem Ostend, Niederrad und Bornheim. Eine Tour de Force, bei der er von den ehrenamtlichen Helfern der Frankfurter Stolpersteininitiative begleitet und vor Ort oft von Nachfahren der Opfer sowie interessierten Gästen erwartet wird.

In der Breubergstraße in Niederrad etwa sind es an die 50 Menschen, die dort gegen 14.30 Uhr zusammenkommen. Vor der Hausnummer 26 wird künftig ein Stolperstein an Ludwig Eichhorn erinnern, der 1937 vom NS-Staat ins KZ Buchenwald gesteckt wurde. Als Zeuge Jehovas hatte er konsequent sowohl den Hitlergruß als auch den Wehrdienst verweigert und auch nach dem Verbot seiner Religionsgemeinschaft im Untergrund seine Glaubenslehre verbreitet. Es sind vor allem Anhänger der Zeugen Jehovas, die an diesem Nachmittag nach Niederrad gekommen sind, um der Verlegung des Stolpersteins beizuwohnen – darunter Ludwig Eichhorns Sohn Lothar.

Ludwig Eichhorn überlebte das KZ – im Gegensatz zu den meisten Menschen, für die dieser Tage ein Stolperstein gesetzt wird: Juden, kommunistische Widerstandskämpfer, vermeintliche Asoziale. Alles was dem Regime als verdammens- und vernichtenswert galt. „Es ist keine aufdringliche Form der Erinnerung. Sie holt sich den Betrachter selbst, wenn er will“, sagt Hartmut Schmidt von der Initiative Stolpersteine Frankfurt.

60 000 Stolpersteine sind mittlerweile in Europa verlegt worden. Nicht ansatzweise genug für alle Opfer.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen