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Novemberpogrome in Frankfurt Gedenken in Frankfurt an jüdische Soldaten

In Frankfurt wird der jüdischen Soldaten gedacht, die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallen sind. Rabbiner Jonathan Wittenberg spricht dabei von „gefährlichen populistischen Zeiten“.

Gedenken an Novemberpogrome in Frankfurt
Der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung ist Schirmherr der Gedenkveranstaltung. Foto: peter-juelich.com

Noch heute, 80 Jahre danach, sind die Spuren der Novemberpogrome von 1938 auf dem Ehrenmal zu sehen: Die oberste Steinreihe hat mehrere Lücken, von Schändern mit Spitzhacken verursacht. Dort, wo ein ganzer Stein fehlt, brennt eine rote Kerze. Damit sie nicht gleich wieder ausgeht, steht sie in einem Glaskasten. Mit diesem ewigen Licht erinnern Juden an die Allgegenwärtigkeit Gottes.

Das Entzünden der Kerze ist Teil der diesjährigen Ehrung jüdischer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite ums Leben kamen. Gedacht wird auch ihrer in der Schoah ermordeten Angehörigen. Rund 80 Menschen sind auf den Jüdischen Friedhof an der Rat-Beil-Straße gekommen, in Stille haben sie sich um das Ehrenmal versammelt. Es ist halbrund als steinerne Ruhebank gestaltet. Seitlich davon der Soldatenfriedhof mit 50 Grabsteinen.

Überwiegend sind dort Mitglieder der ehemaligen Israelitischen Gemeinde Frankfurts begraben. Seit 1932 wurde ihrer 76 Jahre lang nicht mehr offiziell gedacht – eine viel zu lange Zeit für den Autor und Journalisten Armin H. Flesch. 2008 initiierte er deshalb die Wiederaufnahme des Gedenkens, indem er sich kurzfristig an Franz Josef Jung wandte. Im Gegensatz zum lokalen Bundeswehrstandort reagierte der damalige Verteidigungsminister prompt und schickte noch im selben Jahr Soldaten für eine Zeremonie. „Heute bekennen sich Bundeswehr und Öffentlichkeit wieder zu den Gefallenen“, sagt Jung zehn Jahre später.

Großvater als Feldrabbiner an der Westfront

Aus London ist Rabbiner Jonathan Wittenberg angereist. Er erzählt von seinem Großvater Georg Salzberger, der das Ehrenmal 1925 miteröffnete. Als Feldrabbiner an der Westfront übte er zuvor „Seelsorge in erster Reihe“ aus. Dabei war es ihm völlig egal, wer Jude und wer Christ war. Überhaupt hoffte er wie viele Juden auf ein Ende der uralten Feindlichkeit ihnen gegenüber – schließlich kämpften Soldaten beider Religionen Seite an Seite. 

Doch noch mitten im Krieg wurde eine Zählung jüdischer Soldaten angeordnet, um ihre vermeintliche „Drückebergerei“ vor der Armee beweisen zu können. „Wie dünn doch das Fundament, auf dem diese Hoffnung aufgesetzt war“, sagt Bürgermeister Uwe Becker.

Genauso wie die anderen Redner betont er die „Verantwortung für unser Handeln, heute im Hier und Jetzt“. Wittenberg spricht von „gefährlichen populistischen Zeiten“, in denen sich „Rassismus und Hass öffentlich zeigen“. Sein Großvater hoffte auf ein weltweites Vaterland, in dem alle Völker friedlich zusammenleben können. „Davon sind wir heute weit entfernt.“

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