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Notfall-Übung Helfer senden vom Unfallort

Der Rettungsdienst simuliert eine Explosion in der U-Bahn. Die Daten der Verletzten gehen direkt an die Klinik.

Gemeinsame Rettungsdienstübung
Ein Kameramann schickt Livebilder ins Lagezentrum. Foto: Rolf Oeser

Zweimal knallt es laut am Samstagvormittag auf dem Außengelände des Rettungs- und Trainingscenters der Berufsfeuerwehr. Dann steigt Rauch auf, und eine U-Bahn rollt aus einem Tunnel. Hilfeschreie sind aus dem Innern zu hören. Dutzende sogenannte „Patientendarsteller“, teils mit Kunstblut im Gesicht, krümmen sich am Boden des originalgetreuen Frankfurter U-Bahn-Waggons, der auf Gleisen von Helfern ins Freie geschoben wurde. Es wird der Ernstfall unter dem Titel „Sogro 2018“ geprobt. Die Abkürzung steht für „Sofortrettung-Großschadensfall“.

Rund 100 Rettungskräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz sind im Einsatz. Sie demonstrieren bei der gemeinsamen Übung ein neues, digitales Hilfsmittel. Nachdem die Retter am Unfallort eingetroffen sind, informieren sie die umliegenden Krankenhäuser innerhalb kürzester Zeit über das Ausmaß der Explosion. Denn statt Zettel und Stift zur Dokumentation der Verletzungen wie bislang halten einige der Ersthelfer Tablets in den Händen, während sich andere um die Versorgung der vermeintlich Verletzten kümmern. Über das Softwaresystem „Ivena eHealth“ werden die eingegebenen Daten vom Unfallort sofort an Kliniken in der Umgebung gesendet, damit diese sich auf die ankommenden Patienten vorbereiten können.

Eine Frau kommt einer Retterin entgegen und zeigt auf eine weitere Passagierin: „Hilfe, die Frau ist schwanger“, ruft sie in verzweifeltem Tonfall. Die Sanitäterin des Roten Kreuzes eilt zu der Frau. Ein Feuerwehrmann daneben, der wie alle Uniformierten blaue Gummihandschuhe über die Hände gezogen hat, tippt mit einem Touchpen als Eingabehilfe auf ein Tablet. Auf einem Bildschirm abseits des Geschehens können die Zuschauer ablesen, was nach der simulierten Explosion bereits notiert worden ist. Dort ist beispielsweise zu lesen: „40, weiblich, Extremitäten offen“ oder „50, männlich, Becken stumpf/geschlossen“.

„Von der Unfallstelle bis ins Krankenhaus gibt es im Halbminutentakt eine schnelle Gesamtübersicht der Lage, daran krankte es bisher“, sagt Leo Latasch, ehemaliger Leiter des ärztlichen Rettungsdienstes des Gesundheitsamtes, der das Projekt im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bildungsministeriums gemeinsam mit dem Roten Kreuz und weiteren Institutionen entwickelt hat. „Wenn wir mehr als zehn Verletzte haben, wird das Modul aktiviert“, sagt der Mediziner. Erstmals erprobt worden sei das Programm vor acht Jahren bei einer Großübung am Frankfurter Flughafen sowie zwei Jahre später bei einer Übung in der Fraport-Arena. „Das Programm geht in absehbarer Zeit in Dienst“, sagt Latasch am Samstag. Bis Ende dieses Jahres sollen Rettungskräfte in Frankfurt mit „60 bis 70 Tablets“ und der entsprechenden Software ausgestattet sein, um bei Großeinsätzen erste Einschätzungen der Lage weiterleiten zu können.

„Bisher wurden die Vorsichtungen händisch auf Papier erfasst“, berichtet Andreas Ruhs, Branddirektor der Frankfurter Berufsfeuerwehr, am Rande der Vorführung. Den Verletzten seien Karten umgehängt worden, auf denen die Art der Verletzungen und die Transportfähigkeit notiert worden sei. „Diese Daten gehen nun sofort ins Zielkrankenhaus“, sagt Ruhs, der hervorhebt, dass die Geräte für die Rettungskräfte „nach kurzer Schulung intuitiv bedienbar“ seien. Latasch sagt: „Die Klinik kann sich genau vorbereiten und hat eine gewisse Vorlaufzeit.“ Außerdem ermögliche die neue Software eine Aufteilung der Patienten, je nach Art ihrer Verletzung und nach Kapazitäten der Krankenhäuser.

Feuerwehrdezernent und Stadtrat Markus Frank (CDU), der wie Bundeskanzleramtsminister Helge Braun (CDU) zur Vorführung gekommen ist, sagte, es sei wichtig, in solchen Fällen nicht nur Einsatzstellen, sondern auch Krankenhäuser zu informieren.

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