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Not gemeinsam lindern Psychisch krank nach Mobbing im Job

Peter R. wurde mit 58 Jahren dauerhaft arbeitsunfähig – heute ist deshalb die Rente zu klein.

Was in der Wohnung von Peter R. sofort auffällt, sind die vielen Bilder an den Wänden. Den Großteil von ihnen habe er selbst gemalt, erzählt der 75-Jährige. Da komme er wohl etwas nach dem Onkel, der es in Nordrhein-Westfalen zu etwas Ansehen geschafft hatte.

Auch R. stammt aus Westfalen und wurde in einem kleinen Dorf im Münsterland geboren. Gemeinsam mit einem jüngeren Bruder wuchs er auf einem Bauernhof auf.

„Streng katholisch“, erinnert sich der 75-Jährige. Peter R. besuchte die Volksschule und erlernte anschließend das Bäckerhandwerk. Nach zwei Gesellenjahren ging es dann 1963 zur Bundeswehr. Das Beförderungsschreiben zum Unteroffizier besitzt er bis heute. Nach dem Wehrdienst kehrte er zurück auf den elterlichen Hof, doch nach drei Jahren musste der verkauft werden, um die Schulden zu begleichen.

Peter R. bekannte sich damals zu seiner Homosexualität und zog mit seinem damaligen Freund nach Hamburg und später dann nach Marburg. Er holte sein Abitur an einem Abendgymnasium nach und jobbte nebenher in einem Restaurant sowie aushilfsweise in einem Büro. Als sein Partner 1977 starb, zog es Peter R. weiter nach Frankfurt. Hier begann er dann später sein Studium der Kunstgeschichte.

Sein damaliger langjähriger Partner unterstützte ihn in seinem Vorhaben, das Studium zu vollenden. Auch dieser Freund verstarb, hinterließ R. aber mit seinem Testament etwas Geld. Die Mutter des Freundes klagte dagegen und bekam letztendlich Recht. Ohne finanzielle Mittel musste der junge Mann aber das Studium unvollendet beenden. Er ging wieder auf Jobsuche und landete bei einer Spedition, die eine Filiale in Frankfurt hatte.

Acht Jahre war er im Betrieb, dann gründeten die Arbeitnehmer einen Betriebsrat. „Die Löhne wurden ohne Begründung ständig unpünktlich ausgezahlt“, sagt R. Als er schließlich Betriebsratsvorsitzender wurde, habe er den Zorn der Inhaber auf sich gezogen. „Das war damals Psychoterror“, sagt der 75-Jährige heute. Es habe telefonische Drohungen, Abmahnungen und versuchte Strafversetzungen gegen ihn gegeben. Den Höhepunkt hätten die Schikanierungen erreicht, als zweimal Schläger bei ihm zu Hause vorbei kamen. Die Prügel habe aber ein Nachbar abbekommen, der R. sehr ähnlich sah.

Peter R. aber erlitt schlussendlich einen psychischen sowie körperlichen Zusammenbruch und wurde schon mit 58 Jahren arbeitsunfähig. Wegen des Alters und der Schmerzen in Schulter und Rücken fand er keine Anstellung mehr – die sieben Jahre würden ihm heute bei der Rente fehlen. R. bezieht deswegen Grundsicherung. Wenn die Miete bezahlt ist, bleiben ihm monatlich noch 280 Euro zum Leben. Seit 2009 bekommt R. auch FR-Altenhilfe. In diesem Jahr möchte er das Weihnachtsgeld für die Nachzahlung seiner Gasrechnung nutzen. In den vergangenen Jahren hat er mit dem Geld seine Zahnsanierung bezahlt.

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