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Nordend Sorge ums Grün

Freizeitgärtner organisieren Protest gegen das geplante Innovationsquartier. Unter anderem werden Aufkleber mit der Aufschrift „Schützt die Lunge Frankfurts!“ verteilt.

Wird auch bebaut: Betriebsgelände neben den Gärten. Foto: Andreas Arnold

Eine Fuchsfamilie habe er neulich nahe seines Freizeitgartens gesehen, sagt Friedrich Giesemann. Ein Stück wilde Natur sei das, mitten in der Stadt und nur wenige Steinwürfe von der vielbefahrenen Friedberger Landstraße entfernt. Giesemann erzählt am Donnerstag in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats 3 von den Füchsen und seiner Familie: Er will den Garten behalten, der schon lange von seiner Sippe bewirtschaftet werde. Der hagere Rentner hat gar Kopien eines Pachtvertrags aus dem Jahr 1918 mitgebracht.

Die Gärten und die Autohäuser, Büros und Lagerhallen zwischen Friedberger Land- und Dortelweiler Straße sollen zu großen Teilen dem sogenannten Innovationsquartier weichen – dem westlichsten Teil des geplanten Ernst-May-Viertels, das einmal vom Hauptfriedhof über die eingehauste A 661 hinweg bis nach Seckbach reichen soll.

Östlich der Friedberger Landstraße sei ein „besonders nachhaltiges“ und „vorbildliches Quartier“ geplant, sagt der Sprecher von Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne), Mark Gellert. „Energieeffizienz“ und „Mobilität“ nennt er als Schlagworte. Es sei eine große Chance für die Stadt, an dieser Stelle bauen zu können.

Bislang war das allerdings auch: Zukunftsmusik. Ein Antrag der FDP im Ortsbeirat hat nun die Gärtner aufgeschreckt. Die Freidemokraten fordern, sich mit den Planungen zu beeilen, da Wohnraum geschaffen werden müsse – in der Tat soll das Innovationsquartier früher gebaut werden als der Osten des Viertels, wo derzeit noch oberirdisch die Autobahn verläuft. Der Ortsbeirat hat den FDP-Antrag auch einstimmig beschlossen – unter der Maßgabe, dass der Planungsstand vorgestellt werden soll.

Bewegung in die Pläne für das Quartier hat die Entscheidung des Bundes gebracht, das Projekt Alleentunnel fallen zu lassen. Für den Tunnel hat die Stadt über Jahrzehnte eine Trasse zwischen A 661 und Hauptfriedhof freigehalten – auf diesem Stück befinden sich heute einige der Grünflächen, um die es geht.

Kleine Welt bricht zusammen

Den Gärtnern bereitet das Sorgen. Deshalb sind sie beim Ortsbeirat vorstellig geworden. „Die Gärten sind wegen der Taunusluft für ganz Frankfurt wichtig“, sagt Juli Wünsch. Die Gärtnerin hat durch den Bürgerentscheid zur Rennbahn Mut gefasst. Sie hofft, dass sich die Bebauung zwischen Wasser- und Günthersburgpark vielleicht noch eindämmen lasse. Deshalb verteilt Wünsch nun Aufkleber – „Schützt die Lunge Frankfurts!“, ist darauf zu lesen.

„Man kann doch nicht noch die letzten grünen Ecken der Stadt mit Beton zukleistern“, beschwert sich Peter Beckmann. Und Christian Hübener sagt, dass ohne den Garten für ihn „eine kleine Welt zusammenbrechen“ werde. „Die Vielfältigkeit dieser Stadt geht nach und nach vor die Hunde“, sagt ein anderer Gärtner.

„Es ist bekannt, dass die Gärten von den Planungen betroffen sind“, sagt Cunitz-Sprecher Gellert. Man werde neue Flächen suchen, doch sei abzusehen, dass man „nicht allen in unmittelbarer Nähe Ersatz bieten“ könne. Man müsse stadtweit suchen. Auch der Abenteuerspielplatz Günthersburgpark muss wohl umziehen – auch wenn der genaue Zuschnitt des Quartiers noch nicht feststeht. Abenteuerspielplatz-Chef Michael Paris nimmt es gelassen: Die Planungen seien noch „abstrakt“, die „Oase im dichtbesiedelten Nordend“ bleibe den Kindern noch eine Weile erhalten.

Doch die Gärtner organisieren sich und wollen vielleicht eine Bürgerinitiative gründen. Das haben sie am Donnerstag beschlossen. „Die Freizeitgärten sollten in die Planungen integriert werden, ihr müsst das jetzt in die Hand nehmen und Forderungen stellen“, rät ihnen Ortsbeiratsmitglied Manfred Zieran (Ökolinx).

Zunächst gilt es jedoch etwas anderes zu regeln: Durch den Wegzug der Werkstatt des Grünflächenamts vom Nordend ins Gallus, könnte den Gärtnern das Wasser abgestellt werden. Eine Entscheidung darüber soll bis Ende des Jahres getroffen werden, teilte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) mit.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Rennbahn

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