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Nordend Lobbyistin für die Jüngsten

Ulrike Grzimek ist neue Kinderbeauftragte und setzt sich für Rückzugsorte ein. Derzeit ist sie dabei, an Schulen, Kitas und anderen Kindereinrichtungen vorstellig zu werden.

Ulrike Grzimek hat selbst drei kleine Kinder. Foto: peter-juelich.com

Der Kletterbaum im Holzhausenpark muss bleiben. Zumindest, wenn es nach der Tochter von Ulrike Grzimek geht. Den Auftrag hat die Kinderbeauftragte von ihrem eigenen Nachwuchs bekommen. Doch um die Bedeutsamkeit weiß auch die Juristin: „Kinder brauchen einen Rückzugsort in der Natur, wo sie auch mal unbeobachtet hinter Hecken und auf Bäumen toben und ihre Fantasie ausleben können“, sagt sie. Dieser Raum sei für Großstadtkinder ohnehin rar, deshalb sind Parks und deren Interieur wie eben Kletterbäume so wichtig. „Parks und Spielplätze sind der Ersatz für Garten und Hof.“

Der Holzhausenpark ist ohnehin die erste große Baustelle der 42-Jährigen, die im November vom Magistrat zur Kinderbeauftragten des Nordends ernannt wurde. Fußballspieler haben dort mit Stollenschuhen den Rasen zerstört, der neue Boden soll laut Grzimek daher leicht wellig werden, sodass Kicken nicht mehr möglich ist. „Ballspielen muss dort erlaubt sein, alles andere ist nicht im Interesse von Familien“, sagt sie.

Ulrike Grzimek lebt im Nordend, hat drei Kinder im Alter von zwei, sechs und acht Jahren und leitet das Referat Familien- und Kinderrechte im hessischen Sozialministerium. Im Herbst fragten Parteikollegen von der CDU, ob sie das Amt übernehmen wolle. „Ich finde es wichtig, sich einzubringen und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten“, sagt sie. Ihre Kinder müssten hin und wieder zurückstecken, „aber das kann ich ihnen erklären – und ich möchte ihnen auch Vorbild sein“.

Ansprechpartner für Kinder, Eltern und Lehrer

Derzeit ist sie dabei, an Schulen, Kitas und anderen Kindereinrichtungen vorstellig zu werden. Sie möchte Ansprechpartner für Kinder, Eltern und Lehrer sein. „Aber ehe sie Wünsche äußern können, müssen erst einmal alle wissen, dass es mich gibt“, sagt sie. Sie denkt etwa an Kummerkästen an Schulen. Über die Fraktionen im Ortsbeirat möchte sie Anträge einbringen. Doch zunächst einmal muss der neue Ortsbeirat sie im Amt bestätigen. „Auch wenn es ein Risiko war, das Ehrenamt so kurz vor der Wahl zu übernehmen, wollte ich die Arbeit schon mal aufnehmen. Ich hoffe, dass ich das langfristig machen kann.“ Durch ihre eigenen Kinder nimmt Grzimek, die mit dem Großneffen des berühmten Frankfurter Forschers verheiratet ist, wahr, dass das Nordend schon eine gute Infrastruktur mit Spielplätzen und Freizeitangeboten habe. Doch die müsse einerseits gepflegt werden, andererseits gebe es auch zahlreiche Probleme mit der Infrastruktur.

Grzimek war schon bei Ortsbegehungen zur Schulwegsicherung dabei. Überall im Stadtteil stellen falsch parkende Autos eine Gefahr für Schulkinder dar. „Ein sicherer Schulweg ist für die Selbstständigkeit der Kinder enorm wichtig“, sagt sie. Deshalb sei immer wieder Bedarf für Zebrastreifen, Hindernisse für Autos und zusätzliche Verkehrszeichen.

„Die Dichte im Nordend macht es notwendig, dass sich jemand für die Kinderrechte einsetzt“, sagt die 42-Jährige, die sich als parteiunabhängige Vertreterin von Kinderrechten sieht. „Wenn viele für eigene Interessen kämpfen, brauchen die Kinder als schwächere Gesellschaftsmitglieder eine starke Lobby.“ Sie will sich etwa dafür einsetzen, das Kinderrechtemobil vom Kinderbüro in den Stadtteil zu holen.

Ihr sei es ein Anliegen, dass die rund 6000 Kinder im Nordend glücklich und unbeschwert aufwachsen können, sagt Grzimek. Und da sie selbst nur einen Teil wahrnehmen könne, sei es wichtig, dass sich andere Familien und Kinder mit ihren Eindrücken und Perspektiven melden. Im Gegensatz zu manch anderem der 42 Frankfurter Kinderbeauftragten möchte sie daher auf Dauer auch eine Kinder-Sprechstunde etablieren.

Die Kinderbeauftragte Ulrike Grzimek nimmt Anregungen und Wünsche per Mail entgegen: nordend@ kinderbeauftragte-frankfurt.de

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