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Norden von Frankfurt Bürgerinitiative gegen geplanten neuen Stadtteil

Die Initiative „Heimatboden Frankfurt“ kämpft für den Erhalt von Natur und landwirtschaftlichen Flächen.

Bau- und Umweltausschuss
Protestaktion auf dem Oberurseler Rathausplatz. Foto: Michael Schick

Wenn Planungsdezernent Mike Josef (SPD) dieser Tage in den Hochtaunuskreis kommt, sind die Mitglieder der Initiative „Heimatboden Frankfurt“ nicht weit. Auf ihren Transparenten fordern sie „Feld statt Beton“ und protestieren damit gegen das Vorhaben der Römerkoalition, im Frankfurter Nordwesten einen neuen Stadtteil auszuweisen – die „Josefstadt“, wie die Gruppe das Projekt nennt.

Ihnen gehe es vor allem um den Erhalt von Natur und landwirtschaftlichen Flächen, sagt Sprecher Karl-Josef Rühl. Deswegen auch der Name „Heimatboden“. Den habe man einer Initiative aus München entlehnt. Keineswegs wolle man damit am rechten politischen Rand fischen, versichert Rühl.

Bauer soll lieber eine Eventscheune einrichten

Noch sind sie allerdings eine recht übersichtliche Gruppe. Der „harte Kern“ besteht aus zehn Personen, allesamt aus dem Oberurseler Stadtteil Weißkirchen – darunter mehrere Landwirte, die direkt von dem neuen Stadtteil betroffen wären. Etwa Richard Bickert, der in der Region durch sein Maislabyrinth bekannt ist. Sein Hof würde ein Viertel seiner Ackerfläche verlieren, sollten die Stadtteilpläne Wirklichkeit werden, schildert er. „Mein Sohn hat schon gesagt, er hört komplett auf, wenn das so kommt“, sagt Bickert. Andere Landwirte seien sogar noch stärker betroffen. Einem Kollegen hätten Mitarbeiter der Frankfurter Verwaltung nahegelegt, eine Eventscheune einzurichten. Bickert kann da nur mit dem Kopf schütteln.

Dass es im Rhein-Main-Gebiet Bedarf für zusätzliche Wohnungen gibt, streite man gar nicht ab, sagt Gregor Maibach. Doch solle man dazu erst einmal die Flächen nutzen, die dafür im Flächennutzungsplan des Regionalverbandes ausgewiesen sind. Außerdem müsse Nachverdichtung vor der Ausweisung neuer Flächen gehen, ergänzt Karl-Josef Rühl.

Ihm macht vor allem der Verlust des guten Ackerbodens Sorge. Schon am Riedberg sei viel wertvolles Land zubetoniert worden. Gerade mit Blick auf den Klimawandel sei es wichtig, auch stadtnahe Anbaugebiete zu erhalten. „Am Ende pflügen die Frankfurter ihren Grüngürtel um, damit sie wenigstens noch ein bisschen Nahversorgung haben.“ Überhaupt nicht nachvollziehen kann er, dass auch die Frankfurter Grünen den neuen Stadtteil unterstützen.

Unterschriften-Aktion und Online-Petition geplant

Mit der Resonanz auf ihre bisherigen Aktivitäten ist die Gruppe zufrieden. „Wir haben ja erst Ende Juni angefangen“, sagt Karl-Josef Rühl. Zunächst sei es darum gegangen, Informationen zu sammeln. Aber es gebe schon Pläne für eine Unterschriften-Aktion und eine Online-Petition, berichtet Uta Vetter, die sich um den Facebook-Auftritt kümmert. Außerdem bekomme die Initiative regelmäßig Zuschriften von Leuten, die sich beteiligen wollen, auch aus den betroffenen Frankfurter Stadtteilen.

Viele seien stinksauer über manche Äußerung aus der Politik. „Die Stimmung ist kurz vor Randale, sagt Uta Vetter. Kaum jemand glaube, dass in dem neuen Stadtteil tatsächlich bezahlbare Wohnungen entstehen. Und auf den Lärmschutz an der Autobahn warte man bereits seit den 70er Jahren.

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