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Nidda-Wehre Ein Fluss für die Fische

Immer wieder wurde die Nidda gestaut und begradigt. Seit den 1990er Jahren wird der Fluss renaturiert. Eine neue Serie der FR zieht Zwischenbilanz. Im ersten Teil geht es um die sechs Frankfurter Wehre.

Das Höchster Wehr ist das älteste der sechs Frankfurter Wehre. Die Brücke und eines der Häuschen werden in diesem Jahr abgebaut. Foto: Chris Hartung

Immer wieder wurde die Nidda gestaut und begradigt. Seit den 1990er Jahren wird der Fluss renaturiert. Eine neue Serie der FR zieht Zwischenbilanz. Im ersten Teil geht es um die sechs Frankfurter Wehre.

Zwei Häuschen mit Spitzgiebeln stehen an den grünen Ufern, eine Brücke führt über den Fluss. Darunter stürzt ein kleiner Wasserfall herab. Am Ufer steht ein Mann, der per Fernsteuerung ein Modellboot über das Wasser jagt, während Radfahrer und Fußgänger die Brücke nutzen.
Eigentlich eine Idylle. Doch ein Stück weiter flussaufwärts sieht man bereits, dass es mit diesem Bild bald vorbei ist. Oberhalb der Sulzbachmündung entsteht seit kurzem eine neue Brücke, drei Meter breit, barrierefrei und für Fußgänger und Radfahrer ausgelegt. Die alte Brücke sowie eines der beiden Häuschen, die Pfeiler, die das Höchster Nidda-Wehr bilden, werden bald verschwinden. In diesem Sommer wird es abgerissen. Eines der Häuschen wird zur Aussichtsplattform.

Das Wehr in Höchst, erbaut 1925, ist das älteste der sechs Nidda-Wehre in Frankfurt, daneben gibt es noch jeweils eins in Eschersheim, Praunheim, Hausen, Rödelheim und Sossenheim. Gebaut worden sind sie in den 1920er Jahren, um die Anwohner der Nidda vor Hochwasser zu schützen. Doch seit den 1990er Jahren bemüht sich die Stadt, die begradigte Nidda wieder natürlicher zu machen, um den Fluss zu einem Lebensraum für Pflanzen und Tiere werden zu lassen. Deshalb werden die Wehre nun abgebaut oder, wenn das nicht möglich ist, umgangen.

Ein Meilenstein in Höchst

Der Umbau am Höchster Nidda-Wehr in diesem Jahr ist ein Meilenstein auf diesem Weg. Er soll durch ein 75-Meter langes Streichwehr ersetzt werden, das im Gegensatz zum alten Wehr nicht in der Höhe reguliert werden kann. Eine Umgehungsrinne soll es Fischen wieder ermöglichen, den Fluss hinauf zu wandern. Zwischen dem Hauptfluss und der Rinne entsteht eine Insel. 3,7 Millionen Euro lässt sich die Stadt den Bau kosten.

In Rödelheim ist der Umbau an der Nidda bereits seit zwei Jahren beendet. Dort besteht das Wehr am Petrihäuschen im Brentanopark weiterhin – aus Platzgründen konnte es nicht abgerissen werden. Stattdessen wurde dort eine Umleitung in dem bestehenden Mühlbach gelegt. Dieser zweigt vor dem Wehr ab, führt zwischen Kleingärten und Solmspark zur Mündung vor dem Blauen Steg. Nebenbei wurden auch die Reste der 1966 abgerissenen alten Mühle geborgen und der Treppenabgang zum Mühlgraben rekonstruiert. Drei alte Mühlsteine im Solmspark zeugen von den damaligen Zeiten.

Bleiben noch vier Wehre. Für Hausen gibt es Überlegungen, einen Altarm der Nidda wieder anzubinden. Noch ist die Finanzierung offen. Das Geld für die übrigen drei Wehre ist dagegen gesichert, wenn auch noch nicht verfügbar: Das Sossenheimer Wehr könnte als nächstes verschwinden. Dort soll der Grillsche Altarm auf der linken Nidda-Seite als Umgehungsrinne dienen. Bislang ist dieser nur mit einer Rohrleitung, die nicht für die Fischwanderung geeignet ist, an den Fluss angeschlossen.

Durchgängigkeit herstellen

Bei dem Umbau wird ein Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet nötig: „Teilweise müssen Bäume entfernt und die Ufer umgestaltet werden“, sagt Roland Kammerer, Leiter der Abteilung Abwasserableitung und Gewässer in der Stadtentwässerung, einem Eigenbetrieb der Stadt.
„Doch der Gewinn ist höher, da man so eine Durchgängigkeit erreicht“, bekräftigt Kammerer. Der Umbau ist eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Riederwaldtunnels, was die Finanzierung sicherstellt. Die Umbauarbeiten an den Wehren in Eschersheim und Praunheim dienen als Ausgleich für den Ausbau der Main-Weser-Bahn von zwei auf vier Gleise. Doch solange der Planfeststellungsbeschluss nicht rechtskräftig ist, geht die Planung vorerst nicht weiter.

Das Wehr am Eschersheimer Freibad bleibt erhalten. Der nahe gelegene Urselbach könnte als Umleitung genutzt werden. Das Praunheimer Wehr soll abgebaut und durch ein Streichwehr ersetzt werden, ein Altarm dient als Umgehungsrinne.
Die Arbeiten am Höchster Wehr verlaufen laut Stadtentwässerung bisher nach Plan. Bis zum Sommer soll die neue Brücke fertig sein, anschließend werden Wehrhäuschen und Wehrsteg abgerissen.

Klagen von Anwohnern

„Beim Abbau der Wehre müssen wir zwei schwierige Vorgaben erfüllen“, sagt Werner Kristeller, technischer Betriebsleiter der Stadtentwässerung. „Wir wollen den Hochwasserschutz nicht beeinträchtigen und den Grundwasserspiegel nicht verändern.“

Nicht alle sind für das Projekt. Gegen den Abbau der Wehre haben Anwohner geklagt, weil sie eine Absenkung des Grundwasserspiegels und damit Schäden an den Häusern befürchteten. Doch das Frankfurter Verwaltungsgericht hat die Klage zurück gewiesen.

Im nächsten Teil der Nidda-Serie wird erzählt, wie der Fluss begradigt wurde.

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