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Nidda In den Flüssen ist zu viel Dreck

Das Forschungsprojekt „NiddaMan“ zeigt, wie sehr wir unsere Gewässer vernachlässigen - nur acht Prozent sind sauber, und die Grenzwerte reichen nicht aus. Dabei gäbe es Lösungsmöglichkeiten.

Nidda
Renaturierung, wie hier die der Nidda nahe Karben, reicht nicht, solange weiter Schadstoffe in den Fluss eingetragen werden. Foto: Renate Hoyer

Die Studierenden partizipierten besonders: Sage und schreibe 25 Masterarbeiten, acht Doktor- und 13 Bachelorarbeiten sind entstanden – alle im Zusammenhang mit „NiddaMan“. Nicht alle in Frankfurt, sondern genauso verteilt über die Republik wie auch die Ergebnisse gültig sind für all die anderen Flussregionen.

Universal gültig also, dass wie im System Nidda hinter der Kläranlage eine hohe Konzentration an Medikamentenrückständen im Wasser ist, Diclofenac zum Beispiel. „Durchaus kritisch“, sagt Arne Wick von der Bundesanstalt für Gewässerkunde zu den Messwerten. Pestizide, Biozide, ein Vulkanisationsbeschleuniger im Niddazufluss Horloff. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir das reduzieren“, sagt Wick. Und fügt hinzu, was alle denken: Weniger Abwasser, besser klären.“

Die gesetzlichen Grenzwerte bieten keinen ausreichenden Schutz, das ist an diesem Tag unentwegt zu hören. 50 Prozent der Bachflohkrebse und Zuckmücken sterben hinter den Zuläufen aus Kläranlagen und Fabriken.

Und wir Menschen? Müssen wir Angst haben? „Um das Trinkwasser brauchen wir uns keine Sorgen zu machen“, sagt Jörg Oehlmann. „Aber die Ökologie ist das große Problem. Die Natur muss damit zurechtkommen.“ Etwas anderes wäre es, wenn die Menschen verlangen würden, ihre Flüsse wieder zum Baden zu nutzen. Undenkbar? I wo – eine Frage des Geldes. Eine Frage, auf die es auch eine Antwort gibt: die sogenannte vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen. Damit würden Mikroschadstoffe wie Medikamente, Hormone und Industriechemie wirksam entfernt. Aber die Kosten, heißt es oft. „Die Schweiz ist schon so weit, dass sie Stufe vier für die relevanten Kläranlagen eingeführt hat“, sagt Oehlmann, „die Kosten belaufen sich auf neun Franken pro Person und Jahr.“ Die Werbekampagne dort habe als Gegenwert „drei Burger“ angegeben.

Auch in Deutschland, ist Ulrike Schulte-Oehlmann sicher, würden die Kosten für diese zusätzliche Reinigungsstufe „im Grundrauschen untergehen“. Das Regierungspräsidium Darmstadt erwäge bereits, angeregt durch „NiddaMan“, eine Gesamtsanierung der Horloff – mit einer hochmodernen Kläranlage samt Stufe vier. Und Michael Denk vom Umweltministerium sagt: „Zu Ende gedacht, heißt das, wir müssen unsere ganzen Kläranlagen aufrüsten. Wir werden uns in den nächsten Wochen zusammensetzen und die nötigen Schlüsse ziehen. ‚NiddaMan‘ wird Konsequenzen haben für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.“

Damit ist „NiddaMan“ abgeschlossen. Wenn es ein Nachfolgeprojekt gäbe, sagt die Koordinatorin, „dann würde ich es ‚NiddaWoMan‘ nennen“.

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