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Neujahrsempfang in Frankfurt Stadt Frankfurt lädt zum Neujahrsempfang

Umweltforscher Thomas Kluge fordert Frankfurt beim Neujahrsempfang der Stadt zum Handeln auf.

Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt
Das Publikum sammelt sich im Kaisersaal. In der Mitte OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU) im Gespräch mit Salomon Korn, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. Foto: Monika Müller

Es ist ein Auftritt, der tatsächlich zum Tag passt. Und der zugleich weit über den Tag hinausweist. Denn der Umweltforscher Thomas Kluge spricht beim Neujahrsempfang sehr konkret darüber, wie die Stadt die Herausforderungen des Klimawandels bewältigen kann. Draußen vor dem Frankfurter Römer demonstriert derweil das Sturmtief „Friederike“, wie sich das Wetter in einer Großstadt wandelt.

Und genau in den Städten finde sich die Antwort auf diese Krise von globalem Ausmaß, sagt der 69-Jährige. Die Städte litten unter Starkregen und Hitzeperioden. Die Kommunen könnten aber auch „gegensteuern“. Unter dem Beifall der Gäste im Kaisersaal urteilt der Mitbegründer des Instituts für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt: „Städte sind „d i e Akteure.“

Auf der lokalen Ebene müssten Strategien entwickelt werden, wie eine nachhaltige Stadtentwicklung aussehen könnte. Wie der Konflikt zwischen sozialen Erfordernissen wie dem Wohnungsbau und der Ökologie bewältigt werden kann. Der Forscher weiß: „Es regt sich Widerstand, überall und gerade auch da, wo die Stadt in Form von Innenverdichtung Neubauten errichten möchte.“

Und Kluge, der sich über Jahrzehnte insbesondere mit der Ressource Wasser beschäftigt hat, macht auch konkrete Vorschläge. So dürfe die Stadt in Zukunft wichtige Konversionsflächen wie alte Bahngelände und frühere Gewerbegrundstücke „nicht der Fantasielosigkeit von Großinvestoren überlassen“. Die Stadt müsse wieder selbst gestalten – und die Bürgerinnen und Bürger dabei „in ganz neuer Weise einbeziehen“.

Statt ständig das Grundwasser im Vogelsberg und im Hessischen Ried anzuzapfen, müsse Frankfurt Wasserkreisläufe in neuen Gebäuden einführen, insbesondere in den Hochhäusern. Das lasse sich etwa von der Partnerstadt Yokohama lernen. Das Frischwasser aus Duschen und Waschmaschinen müsse als Toiletten-Spülwasser Verwendung finden, Brauchwasser zum Gießen der Grünflächen eingesetzt werden.

In neuen Wohnquartieren brauche es Grünschneisen mit Verbindung zum Grüngürtel.

Kluge fordert die Politiker auf, in der Stadtplanung aktiver zu werden. Die Gestaltunghoheit dürfe nicht an private Investoren delegiert werden. Von Bauherren 30 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen einzufordern, wie es die Kommune tut, sei zu wenig.

Frankfurt müsse sich endlich von der „Autogerechtigkeit“ lösen. Kluge kritisiert, dass die Planungsabläufe in den einzelnen Ressorts der Stadtregierung nicht integriert sind. Ansätze dazu, wie das integrierte Stadtentwicklungskonzept 2030 aussieht, stünden erst am Anfang und kämen „nur mühsam“ voran. Der Wissenschaftler fordert die Stadt auf, sich nicht erst durch Gerichte zum Handeln in Sachen Umwelt drängen zu lassen, wie das etwa in Stuttgart geschehe. Es brauche jetzt Fahrradschnellwege und Tangentialverbindungen im öffentlichen Nahverkehr.

Die engagierte Rede wird nur an wenigen Stellen von spärlichem Beifall begleitet. Am Ende zitiert der Forscher den Soziologen Ulrich Beck, der in Zeiten der Globalisierung zur Zusammenarbeit gemahnt habe: „Wer die Kooperation verweigert, wird untergehen.“

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lobt in seinem Grußwort Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) für ihre gute Arbeit – und die Stadträtin steht auf und winkt in die Menge, eine durchaus ungewöhnliche Szene für einen Neujahrsempfang. Der OB merkt an, die Frankfurter Klimaziele seien ambitionierter als die des Bundes und Europas. Und das müssten sie auch sein: Es häuften sich die Hitzesommer in der Stadt.

Der Sozialdemokrat verspricht: „Wir werden das Wachstums unseres Frankfurts ökologisch vernünftig gestalten.“ Es werde kein Wachstum der Stadt auf Kosten der Umwelt geben.

Feldmann warnt davor, in der Politik Realitäten zu ignorieren. Unter ausdrücklichem Bezug auf US-Präsident Donald Trump urteilt der OB, wer die Wirklichkeit leugne, werde sich nicht lange halten.

Da setzt es dann größeren Beifall im Kaisersaal.

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