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Neuer Stadtteil Wohnen beiderseits der Autobahn

Die Römer-Koalition einigt sich auf einen neuen Stadtteil für Frankfurt. Er soll im Norden der Stadt beiderseits der Autobahn A5 entstehen.

Stadtentwicklung in Frankfurt
Immer mehr Menschen wollen in Frankfurt wohnen. Deshalb soll ein neuer Stadtteil für 25.000 Menschen entstehen. Foto: Boris Roessler (dpa)

Die Römer-Koalition hat am Freitag einen Beschluss gefasst, der Frankfurts städtebauliche Entwicklung im nächsten Vierteljahrhundert prägen wird. Ein neuer Stadtteil soll entstehen für bis zu 25.000 Menschen. Knapp 550 Hektar groß ist das Entwicklungsgebiet beidseits der Autobahn A 5 im Norden Frankfurts. Südöstlich der Autobahn wachsen die Stadtteile Niederursel und Praunheim, im Westen jenseits der A 5 dehnt sich Frankfurt dann bis zur Grenze zum nahen Steinbach aus.

Damit ist der neue Stadtteil der noch keinen Namen hat, größer als Riedberg, der bis zu 17.000 Menschen umfasst. Zwischen 8550 und 12000 Wohnungen will man beidseits der Autobahn errichten. Das größte noch ungelöste Problem ist dabei die Trennwirkung der vielbefahrenen A 5, die den neuen Stadtteil durchschneiden wird. Hier müsse man sowohl oberirdische wie unterirdische Lösungen finden, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Um sie zu finanzieren, hofft die Stadt auch auf Zuschüsse des Bundes.

Die Koalition von CDU, SPD und Grünen war mit Oberbürgermeister Peter Feldmann an der Spitze bei der Pressekonferenz geschlossen vertreten, um Einigkeit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Der neue Stadtteil soll durch einen Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes erschlossen werden. So ist an eine Verlängerung der U-Bahn-Linie U6 Richtung Steinbach gedacht sowie an eine neue Station der S-Bahn-Linie S5. Die geplante Regionaltangente West der Bahn führt durch das Gebiet.

Zur A 5 hin sind umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen geplant. Die Autobahn wird nach einem geplanten Ausbau achtspurig sein, also eine erhebliche Trennwirkung entfalten.

Der größte Vorteil des neuen Stadtteils: Der nötige Baugrund findet sich etwa zur Hälfte direkt in städtischem Besitz oder er gehört stadtnahen Stiftungen. 6000 bis 7000 Wohnungen werden südöstlich der Autobahn entwickelt, 4000 bis 5000 jenseits der A 5 nach Steinbach hin.
Der Planungsdezernent versprach den Menschen, dass, „bevor die erste Wohnung entsteht“ zunächst Kitas, Schulen und Straßen gebaut werden. Hier will die Koalition aus den Fehlern lernen, die bei der Entwicklung des Stadtteils Riedberg in der Vergangenheit gemacht worden sind.

Josef versicherte, dass den Belangen der Ökologie Rechnung getragen werde. So wollen die Planer in jedem Fall die Aue des Steinbachs freihalten. Der nördliche Teil des neuen Plangebiets ist rechtlich gesehen Landschaftsschutzgebiet II. Es gibt keinen Eingriff in den geschützten Grüngürtel. Heute ist das Gebiet überwiegend landwirtschaftlich genutzt.

Die Grünen tragen die vorgesehenen Einschränkungen politisch mit. „Es gibt in Frankfurt keine Flächen mehr, die ökologisch unbedenklich sind“, sagte der frühere Verkehrsdezernent und heutige Personaldezernent Stefan Majer. Wichtig sei den Grünen, dass die Stadt organisch „weitergebaut“ werde. Planungsdezernent Josef hob hervor, dass Grünzüge und Parkanlagen zu den neuen Quartieren gehören werden. „Fahrradwege zur Innenstadt“ sind vorgesehen. In der kommenden Woche wird der formale Beschluss für eine sogenannte vorgezogene städtebauliche Entwicklungsmaßnahme gefasst. Von da an sind die Bodenpreise eingefroren, um eine Spekulation in großem Stil zu verhindern.

Die Politiker der Römer-Koalition gingen vor den Journalisten betont freundschaftlich miteinander um. Bürgermeister Uwe Becker (CDU), Josef und Majer duzten sich. Rivalität war alleine noch zwischen Becker und OB Feldmann zu spüren. So hob der Oberbürgermeister hervor, dass der von ihm vorgeschlagene neue Stadtteil auf dem Pfingstberg zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach auf der politischen Agenda bleibe. Nach der nächsten Kommunalwahl 2021 werde sich hier etwas tun, sagte Feldmann. Becker widersprach sofort und machte deutlich, dass aus seiner Sicht das Thema Pfingstberg vom Tisch sei. Der Bürgermeister betonte, dass die Römer-Koalition den neuen Stadtteil an der Autobahn A 5 „gemeinsam“ entwickele. Der CDU-Politiker widmete sich auch den ablehnenden Reaktionen in Nachbarstädten wie Steinbach. „Die Sorgen der Region sind verständlich“, sagte Becker, fügte aber demonstrativ hinzu: „Wir reichen der Region die Hand.“ Planungsdezernent Josef machte deutlich, dass der rasch wachsenden Stadt Frankfurt kein anderer Weg bleibe als den neuen Stadtteil zu entwickeln. Bis zum Jahre 2030 werde sich die Einwohnerzahl von derzeit 735 000 Menschen um noch einmal 100 000 vergrößern. Die Fläche der Stadt umfasse aber nur 248 Quadratkilometer. „Wir sind also vom Gebiet her kleiner als Münster, haben aber mehr als doppelt so viel Einwohner.“

Der Oberbürgermeister versicherte, der neue Stadtteil sei sowohl für Bänker gedacht wie auch „für Familien, die sich Wohnraum in Frankfurt kaum noch leisten können.“ Feldmann nannte explizit „die Verkäuferin, den jungen Polizisten und den Grundschullehrer.“

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