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Neue Entwürfe Ein Hochhaus fürs alte Polizeipräsidium

Noch verhandelt das Land Hessen über den Verkauf des alten Frankfurter Polizeipräsidiums. Architekten arbeiten aber schon an der künftigen Bebauung des Geländes: Ein Stadtquartier mit Hochhaus, Wohnungen, Büros und Hotel könnte dort entstehen.

Blick voraus am Platz der Republik: Ein Doppelturm könnte das alte Präsidium überragen. Foto: Büro Franzke

Über dem Eingang sind noch, in Metall gehämmert, die Worte „Polizei Praesidium“ zu lesen. Doch die Tür ist verrammelt, in der Fensterscheibe klafft ein großes Loch. Alle Rollläden im Erdgeschoss heruntergezogen, Stacheldraht ringelt sich über eine zweite Tür. Seit 2002, seit dem Umzug der Polizeibehörden in den Neubau an der Adickesallee, liegt das alte Präsidium, Friedrich-Ebert-Anlage 11, verlassen – zeitweilig gab es eine Nutzung als Club („Praesidium 19 11“).

Seit neun Jahren unternimmt das Land Hessen als Grundstückseigentümer geradezu verzweifelte Anstrengungen, das riesige Gelände zu verkaufen – doch alle interessierten Immobilienfirmen sprangen wegen der überzogenen Preisforderungen der Landesregierung am Ende ab. Die Stadt Frankfurt verfügt längst über einen rechtskräftigen Bebauungsplan, wie Mark Gellert versichert, der Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU).

Ein neues Stadtquartier lässt dieser Plan zu: Wohnungen, Büros, Hotel, ein Hochhaus bis zu 145 Metern Höhe. Jetzt ließ Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) mit der Äußerung aufhorchen, sein Haus werde 70 Millionen Euro durch den Verkauf einnehmen – es liefen erfolgversprechende Verhandlungen. Und tatsächlich: Wer sich in der Immobilienszene umhört, stößt auf gedämpften Optimismus.

Areal rottet vor sich hin

Der 40-jährige Projektentwickler Götz Hufenbach, der mit dem Land verhandelt, ist mit seiner Benchmark Real Estate Development GmbH noch ein rechter Neuling auf dem Markt. Er hat bisher nur eine Flugzeughalle auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn verwirklicht und arbeitet am Projekt eines Studentenwohnheims in Bockenheim. Die Verhandlungen, die seit einem halben Jahr andauern, könnten allerdings die schwierige Finanzlage des Landes Hessen begünstigen – Minister Schäfer ist dringend auf erfolgreiche Grundstücksgeschäfte angewiesen. Während die Partner über die laufenden Gespräche schweigen, hofft der Frankfurter Architekt Jo Franzke auf einen Durchbruch. Er arbeitet mit seinem Büro am Hauptbahnhof, nur wenige hundert Meter entfernt vom alten Polizeipräsidium. Im Auftrag des Landes hat er eine Konzeptstudie zur Zukunft des Geländes erarbeitet. Franzke warnt: „Das Areal rottet vor sich hin.“

Tatsächlich: Im gepflasterten Hinterhof, von der Ebert-Anlage aus zu sehen, wuchern hohe Farne. 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, bezog die Polizei das Hauptgebäude. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde es 1953 wieder Präsidium. Heute ist der langgestreckte Bau denkmalgeschützt. An seiner Fassade hängen, halb herabgefetzt, Plakate aus der jüngeren Demonstrationsgeschichte. „Gegen die Zurichtung durch Staat, Nation und Kapital“ – ein Aufruf gegen die Innenministerkonferenz vom 2. Juni. Oder die Parole „Schluss!“, die zur großen Demo gegen Atomkraft am 28. Mai aufruft. Die Seitenwände sind über und über mit Graffiti bedeckt. Dort, in diesem denkmalgeschützten Bauteil, will Architekt Franzke „ein Fünf-Sterne-Hotel“ unterbringen. Das schöne alte Treppenhaus des Präsidiums, mit seinen Granitsäulen und Kapitellen, soll dabei in jedem Fall erhalten werden.

Franzke will mit seinem Entwurf das Gallusviertel und die City verbinden. Deshalb hat er ein Doppelhochhaus entworfen: „Es steht mit einem Bein im Gallusviertel und wagt mit dem anderen Bein auch physisch den Schritt zur Innenstadt.“ Dieser Büroturm stünde hinter dem Hauptgebäude, im Inneren des Areals. Hochhaus und Hotel besitzen im Entwurf ein gemeinsames, glasüberdachtes Foyer. Im Inneren des Quartiers finden sich auf 14000 Quadratmetern Wohnraum. Das könnten, je nach Zuschnitt, bis zu 200 Wohnungen sein. „Das Nebeneinander verschiedener Nutzungen sorgt für eine Belebung“, argumentiert Franzke. Insgesamt umfasst sein Plan eine Bruttogeschossfläche von 98000 Quadratmetern. Doch es könnte ein steiniger Weg werden.

Der Architekt hat „schon gehört“ von professionellen Ablöse-Jägern: Sie haben angeblich Gebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft an der Mainzer Landstraße aufgekauft – um sich ihre rechtlich notwendige Zustimmung zur Neubebauung dann teuer abhandeln zu lassen.

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