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Neue Altstadt in Frankfurt Drohnen-Show mit Wermutstropfen

2. UpdateTausende kommen am Wochenende auf den Römerberg und an den Main, um die neue Altstadt von Frankfurt zu feiern. Die Drohnen-Show begeistert die Menschen - eine Sache aber stört dabei manche Gäste.

Neue Frankfurt Altstadt wird eröffnet
Die Drohnen-Show ist ein Highlight der Eröffnung der Altstadt. Foto: dpa

Sie ist das absolute Highlight der Feier zur offiziellen Eröffnung der neuen Altstadt von Frankfurt: die Drohnen-Show zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke. Menschenmassen säumen das Mainufer auf beiden Seiten. Ein erstes Raunen zieht durch die Menge, als am Samstag um 21.44 Uhr die Laternenbeleuchtung ausgeschaltet wird. Gespanntes Warten auf die 110 Quadrocopter, die Sternenbilder in den Himmel malen sollen. Und dann   geht es los mit Lichtstrahlen, die Brücken über den Main zeichnen. Elektronische Musik erklingt – und eine Zeitreise durch die Frankfurter Geschichte beginnt.

Während von den Krönungen die Rede ist, leuchtet eine gelbe Krone aus Drohnen über dem Main. Goethes Antlitz wird in den Himmel gemalt, Rauten, U-Bahn-Symbole, der Main die Waage vom Gerechtigkeitsbrunnen, der Struwwelpeter sind zu erkennen. Und so richtig Applaus gibt es, als vom gewonnenen DfB-Pokal der Eintracht die Rede ist: Ein weißer Drohnen-Adler flattert durch den Nachthimmel.

Nach 17 Minuten ist es fast vorbei.  Die neue Altstadt wird in vielen verschiedenen Sprachen willkommen geheißen. Bienvenue, powitanie, dobrodošli, bienvenida  – und das letzte Wort hat natürlich der Frankfurter: ei Gude. Frankfurt hat seine neue Mitte begrüßt. Die Menschen sind vom Drohnenballett begeistert. „Das ist besser als jedes Feuerwerk“, sagt Caroline Müller. Auch ein Oberurseler Paar möchte in Zukunft  lieber Drohnen-Shows als Feuerwerke bei Veranstaltungen sehen. „Der Spannungsbogen war gut, es hätte ruhig länger gehen können“, sagt sie.

Er fand die Show auch super, hat aber ein klein wenig Kritik zu üben: „Die Sponsoren wurden ein bisschen zu prominent platziert.“ Denn begann die Drohnen-Performance mit den Worten: „Wenn ich an Frankfurt denke, denke ich an Goethe, Apfelwein, Römer, glitzernde Skyline, die Altstadt, die neue Altstadt“ – so sollte der Frankfurter  offenbar auch an Lufthansa, Mainova, und VGF denken. Die bekamen zumindest auch ihre Sternenbilder. Fand auch Caroline Müller übertrieben, „aber irgendwie muss das ja bezahlt werden“. Schließlich hat das gesamte Fest 1,5 Millionen Euro gekostet, etwa 300.000 bis 400.000 Euro davon  wurden  in die Drohnen-Show gesteckt.

Der Kaiser in der Neuen Altstadt Frankfurt

Der Samstag beginnt am Morgen mit prominentem Besuch: Der Kaiser ist da. Frisch gekrönt steht er vor dem Dom, im roten Samtmantel mit Zepter und Reichsapfel. Gefolge hat er im Schlepptau und das Volk ist auch da. Viel Volk. In Massen begleitet es ihn  über den Krönungsweg zum Römer.

Ist  am Samstag alles  nur eine Inszenierung der „Fliegenden Volksbühne“ zur Eröffnung der neuen Altstadt. Aber so ist es wohl auch damals gewesen, als die acht Kaiser und zwei Könige in Frankfurt gekrönt wurden. Oder so ähnlich. Denn für diesen Kaiser singt seine Gefolgschaft eine leicht geänderte Version des Stadion-Liedes. Und die endet mit: „Kaiser aus Frankfurt, hilf uns doch wieder, Deutscher Meister zu sein.“

Klar, wird er bestimmt tun, der Kaiser. Nichts einfacheres als das. Aber ihm zu folgen ist am Wochenende nicht ganz so einfach. Es geht nur in Trippelschritten voran, Tausende sind gekommen, um die neue Frankfurter Altstadt zu feiern.

Ein Vater erklärt seinen beiden Söhnen auf dem Krönungsweg, während sie sich an die Fersen des Kaisers heften und tapfer durch die Menge kämpfen, wie das damals alles so war bei den Kaisern. Dass sie dann nach der Krönung in den Römer gingen. „Und dann ist der da auf den komischen Balkon gegangen?“, fragt einer der Söhne. Weiß der Vater nicht so genau. „Aber es gab gegrillten Ochsen vorm Römer für das Volk“, weiß er zumindest. 

Ochsenküche wie damals  

Es riecht an diesem Samstag jedoch zunächst mal nach Popcorn und gebrannten Mandeln, als der Kaiser auf dem Römerberg eintrifft. Kartoffelpufferduft mischt sich zudem darunter. Aber wer sich nahe genug an den Römer heranschieben kann, der entdeckt an der Limpurgergasse: Es ist doch alles wie damals, es gibt auch eine Ochsenküche. Ferdinand wird da am Spieß gedreht. Zwölf Monate. 240 Kilo. Und das Volk will ran an sein Fleisch. Es steht in Schlangen vor der Ochsenküche. Wer nun aber hofft, dass wirklich alles wie damals bei Festen ist und auch Wein aus dem Brunnen auf dem Römerberg fließt, der wurde enttäuscht. Wein gibt es nicht.  

Zumindest nicht aus dem Brunnen. Aber in einem der neuen Geschäfte in der 200 Millionen Euro teuren Altstadt. In der Vinothek am Hühnermarkt. Die hat geöffnet, viele  andere Läden noch nicht. Das Wirtshaus am Hühnermarkt etwa macht im Oktober auf, die Metzgerei Ende November – wobei sie zum Fest unter dem auf Pfählen ruhenden Roten Haus schon mal Bratwurst und Frikadellen anbietet. „Aber schade, dass noch einige Läden zu sind“, sagt Besucherin Stephanie Weise. Die Frankfurterin hätte es besser gefunden, wenn schon alles geöffnet gehabt hätte zum Fest. „Die Altstadt ist aber auch so schon sehr schön.“ Ihr gefallen die 15 rekonstruierten Häuser sehr gut. „Das hätten noch ein paar mehr sein können.“

Großes Gedränge auf engem Terrain 

In der neuen Altstadt tritt man sich allerdings auf die Füße. Ist ja auch nicht wirklich groß, sind ja nur 7000 Quadratmeter, auf denen 35 neue Häuser stehen. Und gefühlt vor jedem Haus steht ein Stadtführer mit seiner Gruppe. Bei den einen geht es um die Grenzen der Altstadt, bei den anderen um den Stoltze-Brunnen, der den Krieg überstanden hat. Die nächsten sprechen über das Haus von Goethes Tante Melber und eine Führerin im historischen Kostüm intoniert vor dem Dom: „Es führt über den Main, eine Brücke aus Stein.“ Und die ganze Gruppe stimmt mit ein.

Die Altstadt ist an diesen Tagen für vieles Kulisse. Für Szenen aus Goethes Urfaust etwa, der vorm Roten Haus gespielt wird. Oder für die Geschichte über die Einquartierung eines französischen Soldaten in der Altstadt 1792 im Innenhof Hinter dem Lämmchen 6 – bei der es allerdings ein paar ratlose Gesichter gibt. „Verstehst du das?“, flüstert eine Besucherin ihrer Nachbarin zu, die dann auch nur den Kopf schüttelt. Ja, nun, ist eben Frankfodderisch, was da gesprochen wird. Kann nun nicht jeder verstehen. 

„Das ist ja ein richtiges Volksfest“

Abseits der neuen Altstadt ist am Main Gewimmel. Wie auch auf dem Römerberg gibt es eine Bühne. Zudem zahlreiche Stände. Beim Ironman kann geradelt werden, bei der Deutschen Sporthilfe darf jeder mal fechten, bei den Skyliners Körbe werfen und auf der Straße wird Tennis gespielt. „Das ist ja ein richtiges Volksfest“, ist eine Besucherin aus Bad Homburg erstaunt. „Ist schon toll, dass die Frankfurter ihre neue Altstadt so groß feiern.“ 

Gefeiert wird nicht nur am Tag, auch am Abend. Von Ferdinand ist da nur noch das Gerippe übrig, aber Laith Al-Deen singt auf der Bühne am Römer. Es ist auf dem Römerberg so voll wie beim Stadtgeläut an Heiligabend, wenn das Wetter für Dezemberverhältnisse fantastisch ist. Mit dem Unterschied, dass, nun ja, Laith Al-Deen eben da ist, und ein Teil der Leute auf Stühlen sitzt, die in vielen Reihen vor der Bühne aufgebaut sind. Eine Sitzgelegenheit müsste man beim Stadtgeläut schon selber mitbringen.

Viele Besucher sind begeistert 

Es mag lange darüber gestritten worden sein, wie der Kern Frankfurts mal aussehen soll. Nach vier Jahren Bauzeit sind die Besucher an diesem Wochenende  mit dem Ergebnis aber zufrieden.

„Ich war erst skeptisch, ob das mit der Mischung aus Rekonstruktion und neuen Häusern gut aussehen wird“, sagt ein 74 Jahre alter Frankfurter. „Aber es ist gut geworden, nicht zu kitschig.“ Die Stadt habe einen Mittelpunkt gebraucht und „der ist jetzt da“. Auch eine Besucherin aus Berlin ist begeistert. „Ich liebe so kleine Altstädte, die sind entzückend, wärmend und wohltuend“, sagt sie, während sie versucht, den Stoltze-Brunnen zu fotografieren. „Herzlichen Glückwunsch an Frankfurt – jeder Cent hat sich gelohnt.“  

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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