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Neue Altstadt Frankfurt „Städte mit historischem Kern sind beliebter“

Innenarchitektin Bensinger spricht im Interview über die Bedeutung der neuen Altstadt für Frankfurt und ihre Forderung nach weiteren Rekonstruktionen.

Cornelia Bensinger
Cornelia Bensinger hat mit ihrem Verein für die neue Altstadt gekämpft. Foto: Monika Müller

Sie setzen sich mit ihrer Initiative für die Rekonstruktion weiterer Altstadthäuser ein. Sie haben die Alte Mainzer Gasse ins Auge gefasst. 
Dort gibt es das Gebäude des Personal- und Organisationsamtes, das man schleifen könnte. Diese Fläche und die Park- und Parkplatzflächen könnten unter Berücksichtigung der alten Gassenverläufe wieder errichtet werden. Der Titel des Denkmalschutzes kann durch die Stadtverordnetenversammlung aberkannt werden. Das hat sie vor kurzem für den 50er Jahre Anbau des Kunstvereins im Steinernen Haus auch gemacht, indem auf Anfrage der Direktorin ein neuer Eingang um die Ecke trotz des Denkmalschutzes genehmigt wurde. 

Was könnte an der Alten Mainzer Gasse entstehen? 
Man könnte die historischen Gassen und die historischen Grundstücke wieder aufnehmen und in ihrer früheren Form wiederaufbauen. Das ist Wohnraumverdichtung, die gegenwärtig gefördert wird. Im Erdgeschoss entstünden wie beim Dom-Römer-Areal Geschäfte, Flächen für Freiberufler, Gaststätten und Cafés, in den oberen Etagen Wohnungen. Das würde für eine Wiederbelebung des Viertels sorgen. Heute ist es leblos. 

Es gibt auch Bestrebungen, am Willy-Brandt-Platz statt der baulich maroden Theater-Doppelanlage das alte Schauspielhaus von 1904 wieder zu rekonstruieren. 
Das wäre eine Veredelung des Standortes. Mit der Alten Oper zusammen hätten wir zwei Perlen für Frankfurt. Es entstünde eine Achse historischer Bauten von der Alten Oper, Schauspielhaus, Nizza über den Main zum Städel. Touristen würden dadurch vielleicht die wunderschöne Taunusanlage entdecken. 

Sie sind ja selbst Architektin....
....Innenarchitektin. Die Architekten würden darauf bestehen, weil wir keine Häuser bauen. 

Aber ich frage Sie: Woher kommt denn das Misstrauen gegenüber der modernen Architektur? 
Die Menschen lieben einfach klassischen Fassadenschmuck, zum Beispiel die Schwedenhäuser und die nordamerikanischen Holzhäuser sind sehr beliebt. Wir von Pro-Altstadt sind nicht per se gegen moderne Architektur. Uns geht es um die Aufwertung und Wiederbelebung des Stadtzentrums. Die Bürger brauchen den Altstadtwiederaufbau für ihre Identifikation mit der Stadt. Da führt kein Weg daran vorbei. Städte mit einem historischen Kern sind beliebter. 

Die Theater-Doppelanlage war mal eine Ikone der Nachkriegsarchitektur, galt als demokratisch, hell, licht und offen, ist das kein Wert, den man erhalten sollte?
Schön ist der Blick nachts von Innen nach Außen. Aber der Außenanblick gefällt nicht. Die Bürger haben das Glasfoyer bis heute nicht angenommen. Wir haben mit den Hochhäusern so viel Glasarchitektur in der Stadt, die für Helligkeit, Licht und Demokratie steht. 

Warum löst moderne Architektur keine solch positiven Gefühle aus wie die Altstadt? 
Moderne Architektur hat viel mit reduzierter, technischer Fassadengestaltung zu tun. Sie wirkt streng. Das Flachdach wird von Alters her in unserem mittel- und nordeuropäischen Raum nicht gebaut, weil Regen schneller abfließen muss. Darum wird es immer als Fremdkörper wirken. Eine Altstadt lebt von der Unregelmäßigkeit und der Enge, die als gemütlich empfunden wird. Sie strahlt Sicherheit aus. Die Materialien von Altstadthäusern sind Holz, Putz und Sandstein. Diese Oberflächen haben eine warme Ausstrahlung und das macht Menschen in unserem Kulturraum froh. 

Interview: Claus-Jürgen Göpfert 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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