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Neue Altstadt Frankfurt „Städte mit historischem Kern sind beliebter“

Innenarchitektin Bensinger spricht im Interview über die Bedeutung der neuen Altstadt für Frankfurt und ihre Forderung nach weiteren Rekonstruktionen.

Cornelia Bensinger
Cornelia Bensinger hat mit ihrem Verein für die neue Altstadt gekämpft. Foto: Monika Müller

Frau Bensinger, lassen Sie uns über Gefühle sprechen. Sie haben jahrelang mit der Initiative Pro Altstadt für den Bau der neuen Frankfurter Altstadt gekämpft. Jetzt ist sie eröffnet worden. Was sind ihre Empfindungen?
Die Altstadt tatsächlich zu erleben, ist für mich ein großes Gefühl. Noch schöner ist es für mich, die Reaktionen der Menschen zu beobachten, die auf dem Hühnermarkt stehen. Andächtig wie in der Kirche. Der Blick geht über die Ornamente und den Fassadenschmuck. Familien kommen dorthin nach einem Abendessen. Männer mit Anzug auf teuren Fahrrädern kommen direkt aus dem Büro vorbei. 

Warum löst die Altstadt solche Emotionen aus? 
Es ist eine Sensation, dass nach Jahrzehnten wieder ein Stück Altstadt entstanden ist. Der Liebreiz der reichen Fassadengestaltung macht es aus. Gerade in einer Stadt wie Frankfurt mit seiner eigenen Sozialisation. Die neue Altstadt heute ist wie eine Art mentale Heilung für die Bürger der Stadt, die sich an ihr erfreuen und stolz darauf sind. 

Frankfurt ist mit seinem städtebaulichen Erbe nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gerade pfleglich umgegangen. 
Ja, das war ganz furchtbar. Daran war auch die SPD in der Nachkriegszeit schuld. Der erste SPD-Oberbürgermeister nach dem Krieg, Walter Kolb, kam aus Düsseldorf. Ich frage mich, wie sehr er sich der Stadt Frankfurt verbunden fühlte. Dazu kam der Architektureinfluss aus den USA. Alles, was aus den USA kam, war gut. Ich war auch ein großer Fan, war mehr in den USA in Urlaub als in Europa. 

Man wollte sich damals nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Architektur bewusst von der Zeit des Nationalsozialismus und der Kaiserzeit abgrenzen. Hat man dabei überzogen? 
Die Häuser der historischen Altstadt standen mehr als 400 Jahre lang. Ich wehre mich dagegen, Architektur für Politik verantwortlich zu machen. Architektur ist gebaute Materie, dass sie zum Politikum gemacht wird, finde ich schade. Darunter leidet dann gute Architektur. 

Die Politiker schmücken sich nun mal gerne mit solchen Projekten wie der Altstadt, obwohl sie früher der Sache ablehnend gegenüberstanden. 
Ich freue mich, dass Oberbürgermeister Feldmann sich heute dafür begeistert. Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth hatte die Altstadt nicht zur Chefsache gemacht, ich muss es leider sagen. Das hätte sie tun sollen. Statt dessen hat den Kulturcampus in Bockenheim zur Chefsache gemacht. Es gibt für eine Stadt keine ehrenvollere Aufgabe als einen Teil seiner Altstadt wieder aufzubauen. 

Aber CDU und Grüne gaben sich doch sehr für die Altstadt eingesetzt. 
Aber die Grünen traten als Bremser bei den Rekonstruktionen auf. Ich habe die Zeitungsartikel der letzten zwölf Jahre aus unserem Archiv durchgearbeitet. Was Rot und Schwarz nach vorne gepuscht haben, wurde von den Grünen gebremst. Sehr viele Architekten sind heute Grüne. Das geht einher mit dem ökologischen Bauen, was ja gut ist. Doch die Architektenschaft war unser Gegner. Sie hat dafür gesorgt, dass mehr als die Hälfte der Häuser in der Altstadt Neubauten sind. 

Aber wo haben denn die Grünen gebremst? Ich habe das nicht wahrgenommen, im Gegenteil. 
Wir fingen damals an, mit einem Inserat für die Altstadt Investoren zu akquirieren. Innerhalb von vier Tagen hatten wir über 50 Interessenten und das ging so weiter. Es waren doppelt so viele Investoren da als Häuser überhaupt zum Angebot standen. Die Grünen argumentierten ab da, dass viele Häuser nicht dokumentiert sind und daher nicht aufgebaut werden könnten. Dabei ist bekannt, dass man Häuser alleine mit Fotos original wieder aufbauen kann. Das hat Architekt Peter Westrup beim Foyer der Alten Oper auch gemacht. Ist alles eine Sache der Proportionen. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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