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Neckermann Insolvenz Alles aus bei Neckermann

Wut und Enttäuschung, Tränen und Trauer bei den betroffenen 2.400 Mitarbeitern in Frankfurt. 62 Jahre nach seiner Gründung ist das Versandhaus Neckermann am Ende. Die Unternehmensführung muss die Insolvenz beantragen.

Nun muss Neckermann doch Insolvenz beantragen. Foto: dpa

Um 14 Uhr am Mittwochnachmittag traf die Nachricht für Neckermann aus Florida auf dem Stammgelände an der Hanauer Landstraße ein: Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt die benötigten 25 Millionen Euro zur Rettung der Firma nicht zur Verfügung.

Ein zuvor von Vorstand, Gewerkschaft und Betriebsräten ausgehandelter Vertrag über einen Sozialplan mit Abfindungen für 1.500 Menschen kam so nicht mehr zum Tragen. Neben der Firmenzentrale in Frankfurt sind auch ein Neckermann-Logistikzentrum im sächsischen Heideloh mit 250 Beschäftigten und ein Call-Center im türkischen Istanbul mit 200 Angestellten betroffen. Die Insolvenz gilt außerdem für weitere Neckermann-Dependancen in der Schweiz, Österreich und den Niederlanden mit mehreren Hundert Menschen.

Keine Rettung für Neckermann.de und Logistik

Die ausgehandelte Einigung hätte bedeutet, dass nur 1.500 Personen am Standort Frankfurt ihren Arbeitsplatz verloren hätten. Vereinbart waren auch zwei Transfergesellschaften für die Bereiche Neckermann de und Logistik – in ihnen hätten die Beschäftigten bis zu zehn Monate weiterarbeiten können. Dazu kommt es jetzt nicht mehr. „Wir sind überrascht und enttäuscht“, sagte Bernhard Schiederig, Landesfachbereichsleiter Handel bei der Gewerkschaft Verdi. „Wir sind an die Schmerzgrenze gegangen, um die Arbeitsplätze zu retten – wir hätten uns sehr gewünscht, den betroffenen Menschen helfen zu können.“

„Es ist sehr, sehr bitter“, sagte Sven Selle, einer von drei Sprechern von mehreren Hundert Beschäftigten, die bis zuletzt für ein Überleben der Firma gekämpft hatten. Noch am Mittwoch hatte die Initiative mehrere Hundert Unterschriften dafür gesammelt, dass Sun Capital den ausgehandelten Kompromiss annimmt – alles vergeblich.

Noch drei Monate Geld für die Mitarbeiter

Nachdem der Neckermann-Vorstand am Mittwoch Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt gestellt hat, werden die Juristen am Donnerstag einen Insolvenzverwalter für das Versandhaus benennen. Für die Männer und Frauen von Neckermann gibt es dann drei Monate Insolvenzgeld, den begonnenen Monat Juli eingerechnet. Auch der Insolvenzverwalter hat drei Monate Zeit, zumindest für Teile des Unternehmens noch eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.

Um 15.30 Uhr am Mittwoch begann auf dem Gelände an der Hanauer Landstraße eine Betriebsversammlung, bei der die Beschäftigten über das Aus informiert wurden. „Der Eigentümer des Unternehmens hält das Ergebnis der Verhandlungen nicht für tragfähig und wird keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen“, heißt es in einer Erklärung von Vorstand, Betriebsräten und Gewerkschaften, die zeitgleich verbreitet wurde. Deshalb könne Neckermann „in seiner bestehenden Form nicht fortgeführt werden.“ Die Geschäftsführung versprach, „alles daran zu setzen, das laufende Geschäft auch im vorläufigen Insolvenzverfahren aufrechtzuerhalten und alle Möglichkeiten zu prüfen, die sich zur Fortführung des Geschäfts ergeben.“

Wirtschaftsdezernent Frank will weiter kämpfen

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) warf dem Eigentümer Sun Capital vor, sich der Verantwortung zu entziehen, die in der sozialen Marktwirtschaft gelte. Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sah „gute Chancen, einen Unternehmenskern zu retten“. Ein modernes Internet-Versandhaus Neckermann de sei überlebensfähig. „Wir finden uns nicht mit der Entwicklung ab, wir kämpfen weiter“, sagte der Stadtrat.

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