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Naturforschung 200 Jahre Senckenberg

Das Jubiläumsjahr beginnt – die Forscher blicken ein wenig zurück und am liebsten voraus in die Zukunft.

Präparator Christian Kopp 1934 mit einem Elchkopf. Foto: Senckenberg

Konzerte, Partys, Wettbewerbe, Ausstellungen – mit großem Programm geht die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in ihr Jubiläumsjahr. Von der Stadt gibt es dazu ein symbolisches Präsent: Die U-Bahnstation Bockenheimer Warte erhält zusätzlich den Namen Senckenberg. Im kommenden November jährt sich zum 200. Mal der Gründungstag. Was bis dahin geplant ist, und auch, was die Wissenschaftler schon erreicht haben, darüber gaben sie am Montag Auskunft im Naturmuseum.

Ein würdiger Auftakt braucht einen würdigen Ehrengast. Zum offiziellen Start ins Senckenberg-Jubiläumsjahr sind am Montag gleich zwei gekommen: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) – und Johann Christian Senckenberg höchstpersönlich. Na gut, fast persönlich. Der Uni-Dozent und Biologe Helmut Wicht, erfahrener Senckenberg-Mime, ist wieder mal ins Kostüm aus der Zeit des großen Naturwissenschaftlers, Stifters und Namenspatrons (1707–1772) geschlüpft.

Er sei selbst schon „ein Fossil“ gewesen, als die „Naturforschende Gemeinschaft“ 1817 auf seinen Namen gegründet wurde, gesteht Senckenberg alias Wicht – ein Fossil, so wie die Saurier. Den Anstoß zur Gründung durch 32 Frankfurter Bürger hatte ein anderer großer Sohn der Stadt gegeben: Johann Wolfgang Goethe, den Senckenberg zu Lebzeiten einen „grünen Jungen“ nannte – wofür sich der Dichter mit einem „Zappelgreis“ revanchiert haben soll.

Goethe: „Zappelgreis“

Immerhin, Goethe mahnte schließlich 1815, endlich etwas aus Senckenbergs Vermächtnis zu machen. Und so geschah es. Dass die Gesellschaft bald auch augenzwinkernd die „Nassforschende“ genannt wurde, lag an den nass eingelegten Sammlungsstücken in Formalin. Senckenberg selbst sah nie das Meer – doch erforschte die Wissenschaft in seinem Namen die Weltmeere. 1821 eröffnete das „Senckenbergianum“ am Eschenheimer Tor, 1907 bezog das Naturmuseum seinen heutigen Standort an der Senckenberganlage und erhielt als Startgeschenk aus Amerika das Originalskelett des großen Sauriers Diplodocus longus. Jeder kennt es. Aber: „Heute geht es nicht mehr nur um Saurierknochen“, zieht Senckenberg/Wicht seine Zwischenbilanz, „heute geht es ums Ganze.“

Was das ist, das Ganze, erklärt Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger. „Heute wollen wir die Natur nicht mehr entdecken, sondern verstehen“, sagt er. „Wie muss ich das Erdsystem managen, wie eine Medizin der Erde gestalten?“, das seien Fragen, denen sich die Wissenschaft stellen müsse angesichts Ressourcenverbrauch, Lebensraumschwund und Klimawandel. Und: „Die Vermittlung dieser Erkenntnisse ist besonders bedeutend in Zeiten von Fake News“, also in Zeiten gefälschter Nachrichten.

Senckenberg, eine der fünf größten naturforschenden Einrichtungen der Welt, hat zwei zentrale Ziele im Jubiläumsjahr: Dank sagen an die vielen Wegbegleiter und vorausblicken, eine Aufbruchstimmung erzeugen, kündigt Mosbrugger an. „Naturforschung ist extrem wichtig – wir erhoffen uns neue Impulse.“ Und natürlich auch weitere Gönner, denn der Museumsausbau, 56 Millionen Euro teuer, will finanziert sein. 20 Millionen, berichtete Senckenberg-Präsidentin Beate Heraeus, seien schon zusammen.

Feldmann: Die Welt verstehen

Geld hat OB Feldmann nicht zu bieten – aber eine U-Bahnstation. Die Umbenennung der Haltestelle Bockenheimer Warte sei zwar noch nicht vom Parlament beschlossen, im Verkehrsdezernat jedoch auf einem guten Weg, berichtet der Rathauschef. Senckenberg sei für ihn „etwas sehr speziell Frankfurterisches“, betont Feldmann. Einst mit dem Vater, heute sehr regelmäßig mit der eigenen Tochter komme er ins Museum, denn: „Was man hier sieht, hilft, die Welt zu verstehen.“

Teil eins des laufenden Senckenberg-Umbaus, das Forschungsinstitut, wird von Bund und Land finanziert, und ist Heraeus zufolge weit gediehen. Wenn es 2018/2019 fertig ist, folgt das Museum als „Masterplan 2“. Die Welt als Ganzes zu verstehen, frei nach Alexander von Humboldt, darin sieht die Unternehmerin und Wirtschaftswissenschaftlerin ein Hauptanliegen Senckenbergs, und dafür wünscht sie sich noch mehr Unterstützung gerade aus der Wirtschaft. „Wir haben viel zu sagen, aber unsere Erkenntnisse müssen auch ankommen, in den Schulen und in den Unternehmen“, plädiert die Präsidentin. Das neue Museum solle ein anderes werden, ein neues Konzept transportieren, schildert sie leidenschaftlich: „Es soll uns eine Zukunft zeigen – und dabei denke ich an unsere Enkel.“ Passend zum Senckenberg Slogan fürs Jubiläumsjahr: „Senckenberg forscht für IHR Leben gern.“

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