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Natur in Frankfurt Auenlandschaft in der Stadt

Auf einer Tour durch den Frankfurter Osten stellt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig fünf Artenschutzprojekte vor. An vielen Stellen glaubt man nicht, in der Mainmetropole Frankfurt zu sein.

Die Stadt wird zum Refugium für Pflanzen und Tiere, sagt Heilig. Foto: christoph boeckheler*

Wer den Fechenheimer Mainbogen entlangradelt, glaubt nicht, in der Großstadt zu sein. Am Ufer wird geangelt, kleine Sandstrände laden zum Verweilen ein. Und dieses Stückchen Land, abgeschirmt von Industrie und dem Stadtteil Alt-Fechenheim, soll noch schöner werden: Mit einem Durchstich zum Main werden in den nächsten zehn Jahren ein Altarm und eine Auenlandschaft entstehen. Das große Vorbild: der Kühkopf am Rhein.

„Die Städte werden zu Rückzugsgebieten für Pflanzen und Tiere“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die am Mittwoch auf einer Radtour durch den Frankfurter Osten fünf Projekte des Artenschutzes vorstellt: Die geplante Auenlandschaft ist das ehrgeizigste. Als erster Schritt wurden drei kleine Teiche angelegt – und sich selbst überlassen. Es werde bewusst nichts gepflanzt, erläutern Volker Rothenburger und Christa Mehl-Rouschal von der Unteren Naturschutzbehörde. Wer hier regelmäßig vorbeikommt, soll auch den „Entwicklungszyklus erleben“ können – und schon summt eine Libelle vorbei.

Die Natur explodiert

Artenschutz und das Bedürfnis nach Erholung sind kein Widerspruch, macht diese Radtour deutlich. Rothenburger und Mehl-Rouschal sind zuversichtlich, dass die Renaturierung des Mainbogens funktioniert: „Storch und Biber werden kommen.“ Denn „da, wo renaturiert wird, explodiert die Natur“. In absehbarer Zeit könnten die Menschen im Fechenheimer Bogen so viel Natur erleben, für die sie jetzt „50 Kilometer rausfahren“. Noch aber steht das Storchennest, das dort errichtet wurde, verlassen da. Für die Naturschützer ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis der Weißstorch auch in Frankfurt wieder brütet. Das letzte Paar wurde 1968 gesichtet. Die Population ist landesweit auf 150 Brutpaare angestiegen – die meisten davon haben sich in der Wetterau und im Raum Groß-Gerau niedergelassen und fühlen sich dort inzwischen auch immer öfter im Winter wohl.

In Bonames, wo auch eines der insgesamt fünf Frankfurter Storchennester steht, ließen sich im Frühjahr immerhin zwei Exemplare blicken, die aber bald wieder verschwunden waren. „Störche sind sehr wählerisch“, sagen Rothenburger und Mehl-Rouschal. Jungstörche ließen sich oft „zwei, drei Jahre“ Zeit, bevor sie sich für ein Nest entschieden.

 Das Storchennest im Mainbogen ist, wenn man so will, eine freiwillige Leistung der Stadt. Oft aber profitieren Projekte für den Artenschutz von der Gesetzgebung. So soll ein Gewässer nicht nur sauber sein, sondern auch so fließen, dass sich Fische und Pflanzen wohlfühlen, besagt eine EU-Rahmenrichtlinie. Dieser Vorgabe folgen nun die Planungen für die Auenlandschaft in Fechenheim. Dabei ist die Stadt bemüht, auch andere Investoren mit ins Boot zu holen. So wird die Bahn im nächsten Jahr einen eigenen Teich anlegen – als Ausgleich für den Bau der nordmainischen

S-Bahn. Immer, wenn gebaut werde, müsse ein ökologischer Ausgleich geschaffen werden, erläutert Heilig.

Der Teich, der vor zwei Jahren im Enkheimer Wald entstanden ist, wurde als Ausgleich für die Verlängerung der Ferdinand-Happ-Straße, die parallel zur Hanauer Landstraße verläuft, geschaffen. Als Heilig hier das letzte Mal war, stand dort noch der Bagger. Jetzt haben sich Binsen angesiedelt und in drei Jahren dürfte der Schilfgürtel stehen.

 Wie gut Artenschutz mitten in der Stadt funktioniert, zeigt der Riederwald. Eingezingelt von der Autobahn 661 und der Siedlung Riederwald gibt es hier ein ganz einzigartiges Biotop: die Baumhöhlen mit ihren Fledermäusen. Mitten im Wald hängt eine große Fledermaus-Attrappe. Es wurden Bänke aufgestellt, auf denen man sich zurücklehnen kann oder man legt sich lang und richtet den Blick nach oben. Wahlweise kann man sich auch an einer Reckstange mit dem Kopf nach unten und den Kniekehlen an der Stange aufhängen, um auszuprobieren, wie einem diese Ruhestellung der Fledermaus gefällt.

Vögel lieben den Riederwald

Doch dann, wenn die Dämmerung einsetzt, sollte man hoch zu den Baumhöhlen schauen, denn das ist die Zeit für die kleinen Säugetiere, um auszuschwärmen und sich auf die Insektenjagd zu begeben. 2006 wurde der Fledermausbestand im Riederwald und in den Frankfurter Stadtteilen von der Unteren Naturschutzbehörde erfasst. Neun Arten wurden im Riederwald entdeckt, 15 in der Stadt insgesamt. Auch die Vögel lieben den Riederwald: 31 Arten sind es, von der Amsel bis zum Zaunkönig.

 In den Baumhöhlen ziehen die Fledermaus-Weibchen in sogenannten Wochenstuben gemeinsam ihre Jungen auf. Der große und der kleine Abendsegler kommen eigens aus Südschweden angeflogen, um in den Höhlen zu überwintern. Die werden vor allem von Spechten in den Stamm geschlagen und später von anderen Tierarten besiedelt. Viele alte Bäume gibt es hier und jede Menge abgestorbene Äste. Um zu verhindern, dass sie jemanden verletzen, wurden Trampelpfade zurückgebaut. Quergelegte Stammteile signalisieren: Wer hier herumspaziert, tut es auf eigene Gefahr.

 Begonnen hatte die Rundfahrt weiter im Norden an der ehemaligen städtischen Baumschule. Dort leben jetzt die Zauneidechsen, die vom Baugebiet Leuchte in Bergen-Enkheim umgesiedelt werden mussten – weil das bei streng geschützten Tierarten gesetzlich vorgeschrieben ist. Für die Eiablage wurden Wälle mit Sandboden angelegt, Totholz- und Steinhaufen gehören ebenfalls zum Mobilar. Hier ist nun für bis zu tausend Eidechsen Platz. Erste Kontrollen haben gezeigt, dass dort schon Jungtiere geboren wurden. Auch die Eltern sind scheue Tiere: Sie ließen sich allesamt nicht blicken.

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