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Nahverkehr in Frankfurt und Rhein-Main Weniger Gewalt, mehr Roheit

Hessens Innenminister Rhein sieht die Sicherheit in S- und U-Bahn-Stationen gewährleistet. BKA-Chef Jörg Ziercke betonte auf einer Tagung zur Sicherheit im ÖPNV die Bedeutung der Vorfeld-Ermittlung.

23.11.2010 23:40
Von Jürgen Schultheis
Bundespolizist im Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: dpa

Züge und S-Bahnen in Deutschland sind ein mögliches Ziel für einen Terroranschlag. So sieht das Volker Zintel, ehemaliger Generalbevollmächtigter für Sicherheit beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport. Die Gefahr im Luftverkehr sei geringer, sagte Zintel am Dienstag beim Nahverkehrsforum der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft im Frankfurter Steigenberger-Hotel. „Safety and Security im ÖPNV“ lautete der Titel der Tagung.

Vor Beginn der Tagung am Frankfurter Hauptbahnhof war am Regionalbahnhof des Flughafens ein herrenloses Gepäckstück gefunden worden. Spezialisten durchsuchten den schwarzen Rucksack und fanden eine Weste und zwei Trinkflaschen. Der Bahnhof musste für eine halbe Stunde gesperrt werden, die S-Bahnen wurden über den Fernbahnhof umgeleitet.

Zintel warnte aber vor Hysterie. Deutschland sei eines der sichersten Länder der Welt. Es sei aber realitätsfremd, zu suggerieren, dass es eine hundertprozentige Sicherheit gebe. „Jeder Mensch muss sich über ein Restrisiko im klaren sein.“

Die Gesellschaft müsse sich die Frage stellen, welches Risiko sie akzeptieren wolle. Sicherheit könne nicht allein von Polizei und Sicherheitsbehörden gewährleistet werden. Das Ziel sei, „vor die Lage zu kommen“, zitierte Zintel einen Satz von BKA-Chef Jörg Ziercke. Das bedeute, informiert und handlungsfähig zu sein, bevor die Tat begangen wird. „Die enorme Bedeutung der Vorfeld-Ermittlung bestätigt sich“, sagte der Experte. Der Kampf gegen den Terrorismus werde nicht an den Sicherheitskontrollen des Flughafens gewonnen.

Daten auf Vorrat speichern

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sprach sich bei der Tagung dafür aus, Daten auf Vorrat zu speichern: „Wir dürfen das nicht länger verschlafen.“ Nur durch verfügbare Daten sei es etwa möglich gewesen, die sogenannte Sauerland-Gruppe hochzunehmen. Rhein forderte, einen Ausbildungsberuf Sicherheit und Ordnung im ÖPNV zu schaffen. „Es gibt genügend Anforderungen für einen solchen Beruf.“ Das flächendeckende Installieren von Video-Überwachungskameras lehnte der Innenminister aber ab. Rhein betonte, dass der ÖPNV für die Polizei kein Brennpunkt sei. „Die Zahlen in der Statistik sind nicht besorgniserregend“; ein Anschlag von Al Qaida auf den Nahverkehr stehe nicht bevor. Bahn, RMV und Polizei hätten vor allem mit Kleinkriminalität, Vandalismus, Beleidigungen und Gewaltdelikten zu tun.

Zwischen 2008 und 2010 sei die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen aber gesunken, die der Sachbeschädigungen um minus 1,5 Prozent. Die meisten derartigen Taten werden laut Boris Rhein im Rhein-Main-Gebiet verübt, wobei der Frankfurter Hauptbahnhof die Hauptrolle spiele. Zwischen September 2009 und September 2010 sei die Zahl solcher Beschädigungen in der Region aber um mehr als die Hälfte zurückgegangen, Schäden durch Graffiti um minus 28 Prozent. Die Zahl der Gewaltdelikte sei um neun Prozent rückläufig. „Das ist ein enormer Wert.“ Die Zahlen deckten sich aber nicht mit der öffentlichen Wahrnehmung und der Berichterstattung.

Laut Rhein verändern sich Konflikte, es gebe immer mehr Roheitsdelikte, die in der Regel bei oder nach Alkoholgenuss verübt würden .Er sprach von sozialer Verwahrlosung. Fahrgäste fühlten sich von Pöbeleien und „rumlungernden Jugendlichen“ bedroht. „Das erschüttert unser Sicherheitsempfinden.“ Deshalb gebe es einen deutlichen Ruf nach mehr öffentlicher Präsenz der Polizei. Die Videoüberwachung, die von der VGF vorbildlich praktiziert werde, sei „außergewöhnlich hilfreich“. Damit werde die Beweisführung enorm vereinfacht.

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