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Nahverkehr in Frankfurt Streit um E-Busse

Normalerweise zoffen sich Grüne und SPD im Römer hinter verschlossenen Türen. Nicht aber, wenn es um Elektromobilität geht.

Ein Elektrobus. Allerdings aus Bad Homburg. Foto: Rolf Oeser

Ein wenig war es wie früher, als die Rollen im Römer noch klar verteilt waren. Als die SPD Opposition war und die schwarz-grüne Stadtregierung vor sich her trieb. Klaus Oesterling (SPD), mittlerweile Verkehrsdezernent, spottete am Donnerstagabend über die Grünen. Und die Grünen, mittlerweile Koalitionspartner der SPD, spotteten zurück und kommentierten Oesterlings Rede mit Zwischenrufen.

In dem kleinen Koalitionsstreit ging es um Elektrobusse in Frankfurt. Die gibt es nämlich nicht. Von den genau 296 Bussen, die jeden Tag durch die Stadt fahren, ist keiner rein elektrisch. Warum eigentlich nicht, wollte Wolfgang Siefert (Grüne) in der Fragestunde des Stadtparlaments wissen. Immerhin unterstütze das Land Hessen vom kommenden Jahr an Städte und Gemeinden beim Kauf von Elektrobussen finanziell: Es übernimmt 40 Prozent der Mehrkosten eines Elektrobusses und außerdem 40 Prozent der Kosten für die Lade-Infrastruktur.

Das macht eine Menge aus. Denn ein Elektrobus kostet derzeit je nach Hersteller noch zwei bis drei Mal so viel wie ein Dieselbus. Der schlägt mit etwa 250 000 Euro zu Buche. „Endlich werden Elektrobusse bezahlbar“, meinte Siefert zur Förderung.

Alle anderen hessischen Städte griffen bei dem Angebot zu, sagte Siefert. Die Stadt Frankfurt hingegen zögere. Geplant sei der Kauf von Bussen mit Brennstoffzellen-Technologie. „Auf die setzt niemand mehr einen Pfifferling“, betonte der Grüne.

Oesterling reagierte pikiert. Es gebe noch überhaupt keine Entscheidung für oder gegen Elektrobusse. Dazu müsse erst ein Gutachten vorliegen, was im Januar der Fall sein werde. Die Verkehrsgesellschaft Traffiq hatte diese Studie im Juni angekündigt. Seitdem war davon nichts mehr zu hören.

Traffiq setzt auf Alternative

Dafür teilte Traffiq mit, man werde von 2018 an drei Solobusse mit Brennstoffzellen-Technologie einsetzen, die vor allem zum Industriepark Höchst fahren sollen. Doch das ist laut Oesterling keine Entscheidung gegen Elektrobusse. Er wundere sich aber, dass die Grünen plötzlich Traffiq kritisierten. Jahrelang habe es freundschaftliche Beziehungen zwischen Grünen und der Verkehrsgesellschaft gegeben, scherzte der Stadtrat. Darauf reagierte wiederum Siefert patzig. Er habe von Klaus Oesterling „viel Luft gehört“.

FDP-Fraktionschefin Annette Rinn nannte die Debatte „einen Schuss in den Ofen“ für die Grünen. Die Fraktion könne jetzt nicht die Verkehrspolitik kritisieren, nachdem die Grünen zehn Jahre lang das Verkehrsdezernat innehatten.

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