Lade Inhalte...

Närrische Ausstellung Frankfurter Fastnachtsmuseum eröffnet

Der Prinz trägt sein Kostüm heutzutage enger, die Prinzessin bevorzugt leichtere Stoffe: In Frankfurts neuem Fastnachtsmuseum in der Nordweststadt werden Uniformen, Kappen, Zepter und unzählige Orden aus der närrischen Vergangenheit gezeigt.

04.02.2012 20:51
Laura Wagner
Auch Prinzessin Ingrid und Prinz Markus sind angetan. Foto: A. Arnold (3)

Die Ränder sind ausgefranst, die Farben verblasst. Doch die weiß-rot-goldene Karnevalskappe von 1925 ist für Werner Schmidt etwas ganz Besonderes. „Diese Kappen sind heute sehr selten.“ Deshalb ist sie auch sein Lieblingsstück im Frankfurter Fastnachtsmuseum. Das eröffnete am Donnerstagabend im Titus-Forum Nordwestzentrum.

Zugegeben, Museum ist vielleicht etwas übertrieben. Doch es sind immerhin rund 250 Exponate, die den neugierigen Besuchern in Vitrinen zur Schau gestellt werden. „Wir leben von der Tradition, aber leben für die Zukunft“, sagt Klaus Fischer, Präsident des Großen Rates, der das „Kulturgut“ allen Bürgern zugänglich machen will. Uniformen, Kappen, Zepter und unzählige Orden aus der närrischen Vergangenheit zeigt die Ausstellung. Aber auch Liederhefte, Eintrittskarten und Fastnachtszeitungen erinnern an das alte Brauchtum.

Die Idee kam Museumsdirektor Schmidt Ende der 80er Jahre. „Es kamen immer so viele Leute auf uns zu, die nach alten Kostümen fragten.“ Zuerst organisierte Schmidt kleine Ausstellungen des 1. Sindlinger Karnevalvereins. „Da dachte ich mir, das geht doch auch in groß.“ Und so machte der heute 86-Jährige sich an den Aufbau der Ausstellung, die am 15. November 1991 im Bürgerhaus Sindlingen eröffnet wurde. Nach zehn Jahren zog sie in die Stadthalle Bergen. Die wird nun saniert und ein neuer Standort für die alten Stücke musste her.

„Es ist die beste Ausstellung, die wir je hatten“, sagt Schmidt. Auch das diesjährige Prinzenpaar ist ganz hingerissen von der Dauerausstellung. „Ich kenne noch den alten Standort in der Stadthalle Bergen. Hier ist es schöner“, sagt Prinz Markus I. In Bergen standen die Vitrinen nämlich „unpassenderweise“ neben den Toiletten. „Hier wird der Karneval angemessen repräsentiert.“

Tausend Exponate sind noch im Lager

Das älteste Stück der Ausstellung ist eine Vereinsfahne des Karnevalsvereins Pierette von 1898, die entfernt an eine Patchwork-Decke erinnert. Die kleinen braunen Quadrate sind zerschlissen und zerfressen. „Die musste erst mal gegen Motten imprägniert werden“, sagt Museumsdirektor Schmidt, der besonders stolz auf die weiß-blaue Fahne des Nauener Karnevalsvereins 1964 aus der ehemaligen DDR ist. „Wir wollen zeigen, dass Karneval in ganz Deutschland verbreitet war.“

Längst nicht alles, was die Narren gesammelt haben, ist in der Ausstellung zu sehen. Rund tausend Exponate sind noch im Lager, alle drei bis sechs Monate will Schmidt die Ausstellung neu bestücken. „Wir haben so viel zu zeigen.“ Die wechselnden Ausstellungen sollen nach Themen gestaltet werden. Fischer hat schon einiges im Sinn, etwa die Ordenskultur oder die Entwicklung der Kostüme. Die haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Der Prinz trägt sein Kostüm heute enger. „Noch in den 50er Jahren erinnerte die Kleidung des Prinzen an ein Wams für Landsknechte“, sagt Fischer. Heute seien meist nur noch die Ärmel stärker gepufft.

Die Prinzessinnen bevorzugten leichtere Stoffe, die Kleider sind aber wieder aufwendiger gestaltet als noch vor ein paar Jahren. „Es verändert sich immer weiter.“ Fischer und Schmidt sammeln fleißig aktuelle Orden, Kappen und andere Karnevalsobjekte. Um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum