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Nadia Doukali Kreativ fürs friedliche Miteinander

Nadia Doukali hat ihr Buch „Mohammed, Prophet des Friedens“ vertont. Zudem hat die Firma Brandt die Lizenz für ihren Iftarlender - eine Art Adventskalender für Muslime im Ramadan - gekauft.

29.11.2016 18:59
Timur Tinç
Goethe hat Nadia Doukali zum Schreiben inspiriert. Foto: peter-juelich.com

Am liebsten würde Nadia Doukali ihrer Kreativität mehr freien Lauf lassen. Nachdenken, Schreiben, neue Ideen und Produkte entwickeln. Das ist ihre Stärke, das macht ihr eine Riesenfreude. Im Moment hat die 45-Jährige aber viel zu organisieren und zu koordinieren – was wiederum daher rührt, dass sie eines ihrer Projekte mal wieder selbst umgesetzt hat. „Ich habe es ja so gewollt“, sagt die gebürtige Marokkanerin lachend. Nach ihrem ersten Kinderbuch, Fayzal, der Krebsfänger, hat sie nach sechs Monaten Arbeit auch ihr zweites Werk: Mohammed, Prophet des Friedens, vertont. Anhand des kleinen Jungens Shams, erzählt Doukali, was für ein Mensch Mohammed war, ehe er nach muslimischen Glauben zum Propheten erkoren wurde.

Herausgekommen ist eine Mischung aus Hörbuch und Hörspiel, an der Menschen mit den unterschiedlichsten Glaubens- und Lebensvorstellungen mitgewirkt haben. „Es gibt mehr Frieden und Liebe da draußen, als erzählt wird“, sagt die Mutter dreier Söhne hoffnungsvoll. Ängste abbauen, Menschen zusammenbringen, das hat sich Doukali zur Aufgabe gemacht, selbst wenn es mal Rückschläge gibt. „Mein Verlag, der Rombach-Verlag, wollte das Hörbuch nicht produzieren“, sagt sie enttäuscht.

Von so etwas lässt sich die Powerfrau aber nicht unterkriegen. Wie es der Zufall so will, saß sie im Sommer mit Alexander Laios, alias DJ Release zusammen, um ein paar Lieder zu komponieren. Für ihre Laune Productions, die Comedy-Shows im Gibson Club veranstaltet – noch so eines ihrer Projekte – bis Matthias Raue plötzlich im Tonstudio auftauchte. Als Laios ihr erzählte, dass Raue der Komponist der Titelmusik der Kindersendung Löwenzahn ist, begannen Doukalis Augen zu leuchten. „Ich habe Matthias von meiner Idee erzählt und er hat gesagt: Mach ich sofort“, erzählt Doukali. Natürlich war Alexander Laios auch dabei.

Bevor sie ins Tonstudio ging, musste sie als Ko-Produzentin und Regisseurin eine gewaltige Menge Respekt ablegen. Schließlich galt es zu klären: wie vertont man Mohammed? Denn im Islam ist es verboten, Abbilder von Propheten, sei es mit Bild oder Stimme, darzustellen. „Wir lassen Mohammed nur in der dritten Person sprechen, bis er vom Erzengel Gabriel die Prophetenschaft aufgebürdet bekommt. Danach kommt er nicht mehr zu Wort“, sagt Doukali. Am 11. Dezember feiert Doukali mit den Sprechern und Produzenten die Premiere im Kinosaal von Orfeos Erben. „Das Hörbuch sitzt tief, wenn man es fertig gehört hat“, sagt Doukali. Es sei intensiv, aber auch beruhigend. Alle Einnahmen, die als Gewinn aus dem Verkauf des Hörspiels übrig bleiben, wird Doukali an das Violence Prevention Network spenden, die sich um die Deradikalisierung von Jugendlichen kümmert.

Danach geht es für Nadia Doukali auch schon gleich mit ihrem nächsten Projekt weiter – dem Iftarlender. Eine Art Adventskalender für den Fastenmonat Ramadan, der 30 Tage hat. Dementsprechend gibt es 30 Türchen, auf denen ein religiöser, moralischer Begriff steht, der die Spiritualität stärken soll, wenn Muslime am Abend nach einem Tag der Enthaltsamkeit wieder Essen und Trinken dürfen. In diesem Jahr hatte Doukali auf eigene Faust 1000 Stück der Iftarlender mit Schokolade und Dattelstückchen produzieren lassen und war von dem Erfolg überwältigt.

Deutschlandweit im Ramadan

„Ich habe damit nie gerechnet“, sagt sie. Nun hat sie es sogar geschafft, dass die Firma Brandt aus Landshut ihr die Lizenz abgekauft hat und für den nächsten Ramadan (27. Mai bis 24. Juni) den Iftarlender produzieren wird. Es fehlt nur noch der Vertriebspartner, der in den kommenden Wochen unterschreiben und den Iftarlender nach Ostern in das Sortiment seiner Märkte aufnehmen soll. Deutschlandweit. „Es geht mir um das Bewusstsein, dass Muslime und ihre Produkte zur Normalität in Deutschland dazugehören“, sagt Doukali. „Ich bin stolz darauf, wenn ich das anschubsen kann.“ Der neue Iftarlender ist etwas größer und wird in den Türchen eine Dattel beinhalten, die von einer speziell kreierte Schokolade umhüllt ist. „Im Sommer habe ich viele Bestellungen von Leuten gehabt, die ihren muslimischen Freunden, Nachbarn oder Arbeitskollegen eine Freude damit machen wollen“, erzählt Doukali. Genau wegen solchen positiven Nachrichten des friedlichen Miteinanders wird sie weiter kreativ bleiben.

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