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Nachruf Tod eines Startbahn-West-Veteranen

Alexander Schubart, Führungsfigur im Kampf gegen die Startbahn 18 West, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Er musste bis zuletzt erleben, dass das Wachstum des Flughafens ungebrochen anhält.

Alexander Schubart im Jahr 1981. Foto: Walter Keber

Er kam aus dem Zentrum der etablierten Politik und wurde zur Führungsfigur des außerparlamentarischen Widerstands. Alexander Schubart ist diesen Weg gegangen. Der Magistratsdirektor aus dem städtischen Rechtsamt in Frankfurt stieg zum Sprecher der breiten Bürgerbewegung auf, die Anfang der 1980er Jahre im Rhein-Main-Gebiet gegen den Bau der Startbahn 18 West des Flughafens kämpfte. Jetzt ist der frühere Sozialdemokrat im Alter von 85 Jahren gestorben.

Er musste bis zuletzt erleben, dass das Wachstum des Flughafens ungebrochen anhält. Gegen diese kapitalistische Wachstumspolitik hatte der Jurist schon bei den SPD-Parteitagen in Frankfurt in den 1970er Jahren vehement protestiert. Er verließ die Sozialdemokraten wegen dieses Wachstumskurses.

1978 gehörte „Aschu“ zu den Mitbegründern einer neuen politischen Kraft, die aus der Umweltbewegung entstand und sich bei der Landtagswahl am 8. Oktober 1978 als Grüne Liste Hessen bewarb. Schubart war Spitzenkandidat der GLH. Doch die Grüne Liste erhielt landesweit nur 1,1 Prozent. Lediglich im Frankfurter Nordend bekam sie 5,5 Prozent – seither ist das Viertel eine Hochburg der Grünen, die sich 1980 bundesweit als Partei gründeten.

Schubart konzentrierte sich auf den Kampf gegen die Startbahn 18 West, der in den Jahren 1980/81 seinen Höhepunkt erreichte. Am 2. November 1981 räumte ein großes Aufgebot der Polizei das Hüttendorf der Startbahngegner im Flörsheimer Wald. Am 14. November sammelten sich 150 000 Menschen zum friedlichen Protest in der Landeshauptstadt Wiesbaden. Die Bürgerinitiativen mit Schubart an der Spitze übergaben im Landtag 220 000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Startbahn.

Für den Tag darauf rief Schubart zu Blockadeaktionen rund um den Flughafen auf. Die Autobahn und die Zufahrten zum Flughafen wurden kurzzeitig blockiert, es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Deshalb wurde Schubart 1983 wegen Landfriedensbruch und Nötigung von Verfassungsorganen zu 24 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Stadt Frankfurt suspendierte ihn vom Dienst. In der zweiten Instanz wurde das Urteil auf acht Monate Haft auf Bewährung reduziert, eine von ihm angestrengte Verfassungsbeschwerde scheiterte.

Das Bürgerbegehren war schon 1982 von der hessischen Landesregierung abgewiesen worden, 1984 wurde die Startbahn 18 West eröffnet.

Der frühere Frankfurter SPD-Vorsitzende Martin Wentz würdigte Schubart am Mittwoch als „ganz aufrechten Menschen, der seine Grundsätze hatte und dafür gelebt und gekämpft hat.“ Schubart sei „unbeugsam“ gewesen und habe „Respekt vor den Menschen“ besessen.

Wentz hatte als Jungsozialist gemeinsam mit Schubart gegen die Startbahn 18 West gekämpft.

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