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Nachruf Helmut Joos - der Mann, der Frankfurt prägte

Der im Alter von 82 Jahren verstorbene Architekt Helmut Joos hat Frankfurt jahrzehntelang geprägt. Sein vielleicht bekanntestes Projekt aber wurde nie verwirklicht. Ein Nachruf.

The Squaire
Das 660 Meter lange „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen gilt als größtes Bürogebäude Deutschlands. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Kaum ein Architekt hat Frankfurt in den vergangenen Jahrzehnten so geprägt wie Helmut Joos. Mit seinem seit vielen Jahren sehr erfolgreichen Büro JSK, das inzwischen seine Tochter Andrea leitet, hat der gebürtige Schwarzwälder, der vergangene Woche im Alter von 82 Jahren starb, gleich mehrere sehr große Gebäude gebaut, die selbst Menschen, die in Frankfurt nur geschäftlich zu tun haben oder gar nur in der Stadt umsteigen, auffallen.

Wer sich etwa auf der Autobahn 3 von Westen der Skyline nähert, fährt am riesigen gläsernen Komplex „The Squaire“ vorbei, einem UFO-artigen Gebäude, das in extremster Lage über dem Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens und direkt zwischen Autobahn und Bundesstraße 43 entstand. Noch heute gilt der 2011 fertiggestellte 600 Meter lange Riegel, in dem unter anderem die Wirtschaftsprüfer von KPMG arbeiten, als größtes Bürogebäude Deutschlands. Nicht weit davon entfernt stehen das Sheraton-Hotel am Terminal 1 und das 1994 eröffnete Terminal 2, die ebenfalls nach Plänen des Flughafenspezialisten Joos gebaut wurden.

Joos großer Erfolg als Architekt, weit über Frankfurt und die deutschen Grenzen hinaus, mit einem Schwerpunkt in Polen, war nicht eben vorgezeichnet. „Meine Mutter starb bei einem schweren Bombenangriff auf Pforzheim, mein Vater war in Russland als Soldat gefallen“, erzählte er im Jahr 2010, als er mit seinem Team für den internationalen Hochhauspreis für den „Tornado Tower“ in Doha, der Hauptstadt von Katar, nominiert war, der Frankfurter Rundschau. Trotz Abitur entschied er sich zunächst für das Handwerk, lernte Maurer und Zimmermann, bevor er in Karlsruhe und Mainz Architektur studierte und schließlich 1961 nach Frankfurt kam.

Der Schüler von Egon Eiermann gründete hier sein eigenes Architekturbüro, entwarf als erstes größeres Projekt ein Terrassenhaus in der Ulmenstraße im Westend. Schon in den 1960er Jahren baute er für den Frankfurter Kaufmann Josef Buchmann das erste Hochhaus, das Rhein-Main-Center an der Bockenheimer Landstraße. Viele das Stadtbild verändernde Gebäude sollten folgten, darunter „Die Welle“ in der Nähe der Alten Oper und der 153 Meter hohe Büroturm „Skyper“ an der Taunusanlage.

Allzu gern hätte Joos einen noch deutlich höheren Wolkenkratzer realisiert, den Turm „Campanile“, der südlich des Hauptbahnhofs 250 Meter in den Himmel wachsen sollte. Doch das Projekt scheiterte Ende der 80er Jahre am Widerspruch einer Nachbarin und dem politischen Widerstand von Grünen und Sozialdemokraten.

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