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Nachruf Gewitzter Kämpfer

Wolfgang Lauinger starb mit 99 Jahren. Der Frankfurter kämpfte für Homosexuelle, die wie er selbst wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden.

Lauinger
Wolfgang Lauinger gab Zeit seines Lebens nicht auf. Er kämpfte für die vollständige Rehabilitierung von Homosexuellen. Am 19. Dezember 2017 starb Lauinger im Alter von 99 Jahren. Foto: Andreas Arnold

Er war ein amüsanter Gesprächspartner, auch noch im hohen Alter. Wolfgang Lauinger hatte stets einen gewitzten Spruch auf Lager, auch wenn er über schwere Zeiten berichtete, über seine Verfolgung als aufmüpfiger Jugendlicher im Nazi-Deutschland oder seine Inhaftierung wegen des Homosexuellen-Paragrafen in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit.

Am Dienstag ist Wolfgang Lauinger gestorben, mit 99 Jahren, wie seine Freundin und Biografin Bettina Leder mitteilte. „Ich bin sehr traurig und auch wütend, weil er selbst nicht mehr erlebt hat, wofür er gekämpft hat“, sagte sie der FR.

Gekämpft hatte Lauinger für die Rehabilitierung von Menschen wie ihm – für Homosexuelle, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. Im Sommer schien er am Ziel zu sein, als in Berlin das Rehabilitierungsgesetz verabschiedet wurde. Doch Lauingers Antrag wurde abgelehnt – weil er „nur“ monatelang in Untersuchungshaft gesessen hatte, aber nie verurteilt worden war.

Ist das Gerechtigkeit?

In einem Brief an Justizminister Heiko Maas (SPD) fragte Lauinger: „Ist das Gerechtigkeit?“ Den FR-Artikel darüber in der vergangenen Woche hat Lauinger noch mitbekommen. „Hoffentlich passiert jetzt was“, sagte er im Krankenhaus zu Bettina Leder.

Bis ins hohe Alter trat der Mann mit den weißen Haaren in Schulen auf. In markantem Frankfurterisch erzählte er von seiner Jugend in seiner Heimatstadt während der Nazizeit. Er war Mitglied der rebellischen „Swing-Jugend“ gewesen, wurde von der Gestapo verhaftet.

Sein Vater war der jüdische Journalist Artur Lauinger; die Nazis verschleppten ihn ins Konzentrationslager Buchenwald. Die bewegende Geschichte der Familie hat Bettina Leder in ihrem Buch „Lauingers – Eine Familiengeschichte aus Deutschland“ aufgeschrieben.

Hessens Staatssekretär für Antidiskriminierung, Kai Klose, zeigte sich am Mittwoch tief betroffen von Lauingers Tod. „Es beschämt mich, dass es dem Rechtsstaat trotz des endlich beschlossenen Gesetzes nicht gelungen ist, ihn vor seinem Tod zu rehabilitieren und für seine Untersuchungshaft zu entschädigen“, sagte der Grünen-Politiker. Lauingers „persönlicher Mut, seine Widerstandskraft, sein feiner Humor und seine ausgeprägte Menschenfreundlichkeit“ hätten viele Menschen sehr beeindruckt.

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