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Nachruf Ahmad Taheri - der Mittler

Der Frankfurter Journalist und Autor Ahmad Taheri ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Bis zum Schluss hatte er gehofft, dass sich das persische Volk gegen die Herrschaft der Mullahs erhebt.

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Am 30. April 1969 demonstrierten Hunderte von Studenten an der Universität für Taheri. Foto: Harald Meisert

Sein größter Wunsch ist am Ende unerfüllt geblieben. Dass das persische Volk sich erheben und die Herrschaft der Mullahs abschütteln werde. Der Autor und Journalist Ahmad Taheri ist jetzt in seiner langjährigen Heimatstadt Frankfurt am Main gestorben. Er wurde 77 Jahre alt – möglicherweise, denn sein genaues Alter hat er nie so gerne verraten.

Vor fünfzig Jahren war der damalige Soziologiestudent eines der Gesichter der 68er-Revolte in Frankfurt. Er, der Sohn eines iranischen Großgrundbesitzers, war einst in die Stadt am Main gekommen, um hier die Freiheit zu genießen, die das diktatorische Regime des Schahs von Persien seiner Generation verweigerte. Am 29. März 1969 begann eine Geschichte, die Taheri über Deutschland hinaus bekanntmachen sollte. Vor dem Walter-Kolb-Studentenheim am Beethovenplatz geriet er mit dem intellektuellen Kopf der Frankfurter 68er, Hans-Jürgen Krahl, in eine Schlägerei mit einer Zivilstreife der Polizei.

Von der Abschiebung bedroht

Beide wurden verhaftet. Krahl kam nach wenigen Stunden wieder frei. Taheri aber saß elf Tage im Untersuchungsgefängnis Hammelsgasse – und sollte dann nach Persien abgeschoben werden. 300 Studenten stürmten das Rollfeld des Rhein-Main-Flughafens, Taheri schnitt sich in der Wachstube des Bundesgrenzschutzes die Pulsadern auf. Er durfte in Frankfurt bleiben.

Später wurde er, der seine Deutschkenntnisse an den Klassikern wie Goethe schulte, zu einem wichtigen Berichterstatter, der den Deutschen die muslimische Welt nahebrachte und vermittelte. Er bereiste von Frankfurt aus Afghanistan, Pakistan, den Irak, seine alte Heimat Iran oder den Senegal. Er schrieb für die Frankfurter Rundschau, die „FAZ“, die „taz“. Er konnte sich dort bewegen, wo Journalisten, die in den Ländern des Westens geboren waren, oft nicht hinkamen.

2009 schöpfte er noch einmal Hoffnung, als die „Grüne Revolution“ den Iran erschütterte. Er kehrte sogar vorübergehend in seine Geburtsstadt Mashhad im Nordosten des Irans zurück. Doch das Regime der Mullahs stürzte nicht. Ahmed Taheri war ein leiser und zurückhaltender Mann, der nicht gerne über sich selbst sprach. Die Nachricht von seinem Tod ist bei seinen vielen Freunden und Weggefährten mit Erschütterung aufgenommen worden.

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