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Nachkriegsjahre in Frankfurt Der Soldat und die Mädchen

Ein Foto aus dem Sommer 1946: Ein dunkelhäutiger US-Soldat plaudert mit zwei Mädchen in der Frankfurter Gallusanlage. Das Historische Museum fragt: "Wer erkennt sich hier wieder?" Denn das Museum arbeitet gerade an einer Ausstellung zur Besatzungszeit in Frankfurt und untersucht, wie die Stadt nach 1945 schwarze Besatzer aufgenommen hat.

Zeitzeugen gesucht! Sommer 1946, Gallusanlage, wer erkennt sich? Foto: Fred Kochmann/ Institut für Stadtgeschichte

Ein Foto aus dem Sommer 1946: Ein dunkelhäutiger US-Soldat plaudert mit zwei Mädchen in der Frankfurter Gallusanlage. Das Historische Museum fragt: "Wer erkennt sich hier wieder?" Denn das Museum arbeitet gerade an einer Ausstellung zur Besatzungszeit in Frankfurt und untersucht, wie die Stadt nach 1945 schwarze Besatzer aufgenommen hat.

Im Jahr 1946 ist der von Bomben beschädigte Frankfurter Dom nicht mehr zum Himmel hin offen; über dem Kirchenschiff zeichnet sich bereits wieder ein hölzerner Dachstuhl ab.

In einem Nachen am Sachsenhäuser Ufer sitzen dicht an dicht Fahrgäste, die von einem Fährmann mit langer Stange zur Altstadt übergesetzt werden wollen; die Frauen tragen Haarknoten über den langen dunklen Mänteln, die Männer haben Hüte auf.

Am Eschersheimer Bahnhof zieht eine schwer beladene Menschenkarawane nach einer Hamsterfahrt vom Bahnsteig die Treppe nach oben; die Bündel auf ihren Rücken sind dick, rund und mehrfach verschnürt.

Das alles war 1946, als Oberbürgermeister Walter Kolb in Frankfurt seine Regierungszeit begann. Der Fotograf Fred Kochmann, der 1941 in die Stadt gekommen war, hat das so beschwerliche wie erleichterte Leben der Zeit dokumentiert. Die Stadt war besetzt, aber die Menschen sollten wieder frei sein, von dem Wahnsinn des Krieges und der Diktatur.

Doch wer waren die Befreier, die seit dem Einmarsch am 29. März 1945 unter dem Kommando der alliierten Militärregierung Frankfurt besetzten? Sie waren Amerikaner – es waren weiße Soldaten und es waren schwarze Soldaten. Benedikt Burkard, der gerade als Kurator für das Historische Museum eine Ausstellung über die Besatzungszeit in Frankfurt erarbeitet, hat jedoch den Eindruck: „Leute mit anderer Hautfarbe wurden ausgeblendet.“ Auf Fotos hat er fast nur weiße Soldaten entdeckt, er vermutet Rassismus dahinter. Umso mehr interessieren ihn die beiden Mädchen, die Fred Kochmann damals „in der Nähe des Theaters“ auf dem Rasen der grünen Gallusanlage angetroffen hat. Es ist August 1946 und die Kinder mit langen Zöpfen und Trägerrock sind in das Gespräch mit einem farbigen Soldaten vertieft. Zugleich zutraulich und abwartend hören sie ihm zu – obwohl die drei Menschen in diesem Moment mit Sicherheit nicht dieselbe Sprache sprechen. Eher haben sie gerade nach einer gemeinsamen Sprache gesucht.

Neue Schau im Museum

Kurator Burkard sieht die Herkunft des Soldaten „möglicherweise aus Puerto Rico“. Er startet für das Museum den Aufruf: „Zeitzeugen gesucht!“ Er fragt: „Wer sind diese Mädchen? Wer ist der Soldat? Wer erkennt sich hier wieder? Wer kann davon berichten?“

Die Geschichte soll in der Frankfurt-Abteilung einer Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ erzählt werden. Ab 27. September klärt die Schau darüber auf, dass der Weltkrieg auch weite Teile von Asien, Afrika und Ozeanien verwüstete – und dass Millionen Soldaten der Kolonialländer „auch in Europa in vorderster Front kämpften“. Oder den Frieden brachten, wie der Soldat aus der Gallusanlage.

Wer Hinweise oder andere Infos zu dem Thema geben kann, meldet sich unter Tel. 212-71397 oder 0171 32 90 301.

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