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Nachhaltigkeit Kein Essen für die Tonne

Beim erstem Wandeltag präsentieren Initiativen ihre Ideen für eine nachhaltige Zukunft. Es werden Lebensmittel gerettet, Kameras gebaut und Dienstleistungen getauscht.

Im Blauen Haus wird getauscht, gehandelt und gefeiert. Foto: Rolf Oeser

Das Sägen und Hämmern ist schon von der Straße am Niederräder Ufer aus zu hören. Mayra und Tana stehen an der Werkbank hinter dem Blauen Haus am Mainufer. Tana nagelt eine schmale Holzleiste auf ein Brett. Ihre Schwester bearbeitet das Holz mit der Stichsäge. Niko Neuwirth vom Kunstverein assistiert ihnen.

Aus den Holzresten soll ein Blumenkasten entstehen. Während der Regen auf den Pavillon prasselt und der Main in Grau- und Brauntönen trübe vorbeizieht, lassen sich die neun- und elfjährigen Mädchen beim ersten „Wandeltag“ vom schlechten Wetter nicht die Laune verderben. Feldsalat und Kräuter möchten sie in dem Pflanzkübel züchten.

Auch viele andere Besucher erlebten am Sonntag, wie sich die vier Frankfurter Initiativen, die den Wandeltag organisierten, Ideen für eine nachhaltige Zukunft vorstellen. Da gibt es einen Pavillon, unter dem eifrig Obst und Gemüse geschnippelt wird. In einem Topf köchelt Gemüsesuppe. Die Nahrungsmittel hat der Verein „Shout out loud“ bei Bio-Supermärkten kostenlos organisiert.

„Unter dem Motto: Kein Essen für die Tonne retten wir Lebensmittel“, berichtet Kenan Bozhüyük. Das gekochte Essen wird verschenkt. Spenden sind willkommen. Damit hat der Verein zuletzt einen Kühlschrank finanziert, der im Frankfurter Garten am Ostbahnhof steht und in den Leute Lebensmittel, die sie nicht mehr verwerten wollen, hineinlegen, damit andere sie mitnehmen können.

Beim Tauschen kommt es auf die Zeit an

Am Stand neben den Blumenkästen wird aus Altpapier Neues hergestellt. Über dem Keller des Blauen Hauses weist ein Pappschild den Weg ins Fotostudio, zur „Camera Obscura“, wo mit einfachen Mitteln eine Kamera gebaut, fotografiert und Aufnahmen entwickelt werden. Unter einem Nomadenzelt informiert Esther Kraenkel über den „Bockenheimer Tauschring“, der seit 14 Jahren besteht. „Wir tauschen hauptsächlich Dienstleistungen“, sagt sie. Dazu zählten Radreparaturen, Näharbeiten und Babysitten.

Man müsse aber nicht eins zu eins tauschen, stellt sie klar, weil sie das sehr oft am Sonntag gefragt werde, berichtet die 38-Jährige, die meist selbst gemachte Pralinen zum Tausch anbietet. Statt eines direkten Tausches werden für eine Stunde Zeit, die man für eine Dienstleistung benötigt, „20 Bockis“ gut geschrieben, die man an anderer Stelle einsetzen kann. Es kommt also auf die benötigte Zeit an: „Computer reparieren ist dann nicht mehr wert als Klo putzen“, so Kraenkel.

Auch beim Wandeltag gibt es eine eigene Währung. Es wird nicht mit Geld, sondern mit nummerierten Eicheln und Kastanien bezahlt, die an der Kasse getauscht werden können. Beatrix Ernst von „Transition Town“ bezeichnet das als eine Art „Regionalwährung“. Transition Town ist eine Initiative, die 2006 in England entstanden ist, weltweit agiert und seit drei Jahren in Frankfurt aktiv ist. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltige Landwirtschaft zu fördern.

So gibt es beim Wandeltag Führungen zum Urban Gardening, also Gärtnern im öffentlichen Raum, im Licht- und Luftbad und zu einem Bienenprojekt oberhalb des Blauen Hauses.

An vielen Stellen können sich die Besucher nicht nur informieren, sondern selbst mitmachen – damit sich Nachhaltigkeit besser einprägen kann.

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