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Nachhaltigkeit Frankfurt ist Weltmeister

Die nachhaltigste Stadt der Welt ist nicht Kopenhagen, auch nicht London - sondern Frankfurt. Meint jedenfalls Arcadis, eine Planungs- und Beratungsagentur aus Holland.

Gut unterwegs: Frankfurt kann auch Natur. Foto: Rolf Oeser

Was waren wir nicht schon alles: Deutscher Fußballmeister, Hauptstadt des Verbrechens, Krönungsstadt, Beinahe-Bundeshauptstadt, Goethe-Geburtsort, Bundesgartenschauplatz, Paulskirchenhelden, Euro-Heimat, und jetzt das: Frankfurt ist die nachhaltigste Stadt – der Welt.

Sagt jedenfalls eine Planungs- und Beratungsagentur aus Holland namens Arcadis. Zusammen mit einem Londoner Wirtschaftsforschungsinstitut untersuchte sie 50 Städte weltweit. Ergebnis, am Montag veröffentlicht: Frankfurt vor London und Kopenhagen.

„Wir freuen uns sehr über den ersten Platz für Frankfurt“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Die drei Erstplatzierten seien deshalb erfolgreich, „weil sie die Bürgerschaft in die Stadtentwicklung einbeziehen und Experimente fördern“.

Um die Ehrung richtig einzuordnen, habe das Umweltamt gut recherchiert, sagt Heiligs Referentin Janina Steinkrüger: „Es gibt ja viele Rankings; hier geht es aber um eine ganzheitliche Betrachtung, ökologisch, ökonomisch und sozial.“ Runde Sache. „Und darüber freuen wir uns.“

Frankfurt lag bei zwei von insgesamt drei Nachhaltigkeitskriterien ganz vorn: Umwelt und Wirtschaft. Im dritten Bereich, Menschen, kam Platz neun heraus. Im 50er-Feld landeten Städte wie New York, Tokio, Sydney, Moskau, Paris, Rio und Madrid teils weit hinter Frankfurt. Positiv wirkte sich laut Heilig die „geringe Luftverschmutzung“ und ein „gutes Abfallmanagement“ aus.

Das mag auf Anhieb verwundern. Gerade das Abfallmanagement war im vorigen Jahr Gegenstand herber Kritik durch den Landesrechnungshof wegen hoher Kosten. „Uns wundert das aber nicht“, sagt Janina Steinkrüger. „Das Frankfurter Abfallmanagement wurde schon bei unserer Bewerbung um die European Green Capital sehr gelobt.“

In der Opposition löst die Ehrung gemischte Gefühle aus. „Ich freue mich als Frankfurter“, sagt SPD-Umweltpolitiker Eugen Emmerling. „Aber es mischt sich eine gewisse Skepsis hinein – gerade, was die Lärm- und Staubemissionen angeht, haben wir noch Nachholbedarf. Da kann man sicher noch einiges besser machen.“

Carmen Thiele (Linke) geht noch weiter: „Schön, dass wir auf Platz eins liegen, aber das relativiert sich, wenn man sieht, was da bewertet wurde.“ Zum Beispiel schaffe es Frankfurt nicht, die Pendlerströme so auf den ÖPNV umzuleiten, dass die Stadt nicht täglich von Autos überrollt werde. Und: „Eine Stadt, die es zulässt, dass sich ein Flughafen immer weiter in ihren Bannwald hineinfrisst, ist kaum als nachhaltig zu bezeichnen.“ Außerdem hapere es daran, gute Lebensbedingungen für alle Menschen zu schaffen, etwa Kinderbetreuung und bezahlbaren Wohnraum.

Das sieht Referentin Steinkrüger anders. Sie stutzte zwar auch darüber, dass Frankfurt im Städteranking mit seinen Immobilienpreisen punktet. „Aber im Vergleich mit Tokio, London oder Moskau“, resümiert sie, „sind wir wohl immer noch günstig.“

www.sustainablecitiesindex.com

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