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Nach Anschlägen in Brüssel „Ein komisches Gefühl“ in Frankfurt

Nach den Terroranschlägen in Brüssel buchen Passagiere am Flughafen Frankfurt ihre Flüge um. Am Frankfurter Hauptbahnhof ist die Lage ruhig.

Die Züge Richtung Brüssel, die noch fahren, stoppen in Aachen. Foto: Andreas Arnold

Zuerst scheint es sich um eine gewöhnliche Verzögerung zu handeln. Dann erreicht die Passagiere der Lufthansa-Maschine das Update: In Brüssel kann am Dienstag nicht gelandet werden.

Wegen der Explosionen am Flughafen der belgischen Hauptstadt war der Reiseverkehr ins gesamte Land am Dienstag weitgehend lahmgelegt. Der Flug LH 1010 um 11:25 Uhr war der erste, der annulliert wurde. Die eingangs genannte Maschine hingegen kreiste lange Zeit über Brüssel-Zaventem, bevor sie schließlich zum Auftanken nach Lüttich abdrehen musste.

„Die Lufthansa hat sich hervorragend verhalten“, sagt Franz Benike, der für eine Tagung nach Belgien wollte. Die Passagiere seien rechtzeitig über ihre Möglichkeiten zur Weiterreise aufgeklärt worden. So habe es unter anderem Vouchers für öffentliche Verkehrsmittel gegeben. Trotz des guten Service sei ihm aber mulmig zumute gewesen, gibt Benike zu. Eine Kollegin, die ebenfalls auf die Tagung wollte, habe die Explosionen im U-Bahnhof nur um wenige Minuten verpasst. Jetzt sei das Wichtigste, dass es allen Reisenden gutgehe.

„Etwa 70 Passagiere sind wohl in Lüttich geblieben“, sagt Mateo Gomez. Mit seiner Schwester wollte er über Brüssel nach Madrid reisen, um seine Großmutter zu besuchen. Nach der schockierenden Nachricht entschieden sie sich jedoch, nach Frankfurt zurückzufliegen. Die Umbuchung sei schnell gegangen, jetzt gehe es am Mittwoch um 16.30 Uhr per Direktflug nach Spanien.

Die Bundespolizei hat indes ihre Präsenz am Frankfurter Flughafen verstärkt. Sprengstoffspürhunde und Maschinenpistolen begleiten die Streifen bei ihrem Dienst. Die alarmbereite Stimmung beunruhigt auch andere Reisende. „Wir haben heute morgen im Radio von den Anschlägen gehört“, sagt Bianka Erl, die gemeinsam mit Tochter Sarah und Freund Ralf Leukers einen Flug nach Cancún gebucht hatte. Beim Check-in hätten sie gesehen, wie zwei Mädchen von der Polizei kontrolliert worden seien. Die jungen Frauen hätten die Beamten zuvor mit ihren Handys fotografiert, was diesen aber verdächtig vorkam.

Eine der Explosionen in Brüssel hatte sich in der Nähe der American-Airlines-Schalter ereignet. In Frankfurt ist die Gesellschaft im Terminal 2 zu finden, das am Dienstagvormittag jedoch einen ruhigen Eindruck machte. Auch am Frankfurter Hauptbahnhof ist von Terrorangst wenig zu spüren. Die Anzeige am Gleis 19 ist gegen 12 Uhr allerdings nicht mehr aktuell. Noch steht dort das Ziel Bruxelles-Midi, dabei sind die Bahnhöfe in der belgischen Hauptstadt zu diesem Zeitpunkt längst geschlossen. Alle Züge der ICE-Linie Frankfurt - Brüssel, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn, enden bis auf Weiteres in Aachen. „Reisende können ihre Fahrkarten kostenfrei zurückzugeben“, sagt er. Auch das Service-Personal sei verstärkt worden.

Das ist deutlich zu spüren. Am Service-Point sind alle drei Schalter besetzt, die Schlange ist kurz. Bahnbedienstete mit Signalwesten und Uniformen gehen auf und ab. Eine Gruppe von ihnen steht zusammen und spricht über die Explosionen. „Dafür, dass gerade ein Terroranschlag passiert ist, gibt es erstaunlich wenig Fragen,“ sagt eine 28-jährige Mitarbeiterin, die seit drei Jahren beim Service-Personal tätig ist, „noch ist alles ruhig“.

Auch am Informationsschalter des Reisezentrums überwiegt Gelassenheit. „Es gab einige Fragen zu Brüssel“, sagt ein Mitarbeiter, „aber das war überschaubar“. Maria Elisabeth Franke, die mit Tochter Meta und Enkelin Martha auf einen ICE wartet, der in Köln Anschluss nach Brüssel haben sollte, ist froh, dass ihr Ziel nicht in Belgien liegt.

„Nach Brüssel möchte ich jetzt nicht fahren“, sagt sie, „aber wir reisen ja zu Verwandten nach Amsterdam“. Am Morgen, in der S-Bahn von Bad Vilbel, hat sie einen jungen Polizisten gesehen. „Die Beamten tun mir jetzt besonders leid“, sagt sie.

Polizisten in Sicherheitswesten sieht man zu zweit Streife gehen, ob es mehr sind als sonst, ist unklar. Die Bundespolizei gibt keine Informationen über die Sicherheitslage am Hauptbahnhof heraus. Zwei junge Polizisten kümmern sich um ein kleines Mädchen, das weinend seinen Vater sucht. „Zwei, drei Leute haben uns zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen befragt“, sagt einer von ihnen. „Schön, dass Sie da sind“, auch solche positiven Reaktionen habe er heute morgen ein paar Mal gehört.

Stephan Kasperczik hat Glück, dass er nur nach Köln muss. Der Unternehmensberater hat erst nächste Woche einen Termin in Brüssel, bis dahin dürfte sich die Lage wieder beruhigt haben, hofft er. Der Anschlag sei erschreckend; da er beruflich oft unterwegs sei, zum Teil auch in arabischen Ländern, mache ihm die Situation aber keine Angst. Gudrun De Lélée, die auf ihren Zug nach Paris wartet, hat dagegen „ein komisches Gefühl“. Eigentlich wollte die 72-Jährige schon Weihnachten zu Freunden nach Paris fahren und hat die Reise wegen der Anschläge im November verschoben. „Man weiß, dass man sich vorsehen muss“, sagt sie.

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