Lade Inhalte...

Nabu ruft zur Vogelzählung auf Amsel, Meise, Spatz und Specht

Der Nabu ruft die Menschen wieder zum Zählen auf - in der "Stunde der Wintervögel". Eine Prognose gibt es schon: Die Amsel wird es wohl nicht in die diesjährige Spitzengruppe schaffen.

Selten geworden, seit das Usutu-Virus kam: die Amsel. Foto: Monika Müller

Urs-Victor Peter wird vielleicht im Garten nachschauen. Oder im nächsten Park. Im Prinzip ist es egal, sagt der Vogelfachmann und Zweite Vorsitzende des Frankfurter Nabu: „Wenn es ums Zählen geht – das lässt sich überall machen.“

Jawohl, es geht ums Zählen. In der kommenden Woche naht wieder die „Stunde der Wintervögel“. Zum vierten Mal sind die Menschen aufgerufen, eine Stunde lang an einem beliebigen Ort die Vögel zu zählen und zu notieren, die ihnen begegnen, das Ganze irgendwann in der Zeit vom 3. bis zum 6. Januar.

Das Teilnahmeformular zur gemeinsamen Aktion des Nabu und des bayerischen Landesbunds für Vogelschutz (LBV) gibt es beispielsweise im Internet zum Herunterladen und ausdrucken. Darauf sind die zehn häufigsten Wintervögel Deutschlands bereits eingetragen – alphabetisch von der Amsel bis zum Rotkehlchen. Die Reihenfolge der am häufigsten beobachteten Tiere wird aber ziemlich sicher eine andere sein. Im vorigen Jahr hatte die Kohlmeise den Schnabel vorn, dicht gefolgt vom Haussperling, der Blaumeise, dem Feldsperling und der Amsel.

Hartes Jahr für die Amsel

„Die Amsel wird wohl in diesem Jahr nicht in der Spitzengruppe sein“, sagt Peter. Es war überhaupt kein gutes Jahr für die Amsel. Viele hat das aus Afrika eingeschleppte Usutu-Virus dahingerafft, das durch Stechmücken übertragen wird und zur Gehirnhautentzündung führen kann. Aber das Schlimmste sei wohl inzwischen überstanden, sagt der Mann vom Nabu: „Wir hoffen, dass die Zahl der Amseln jetzt wieder ansteigt.“

Ein besonderes Augenmerk gilt diesmal natürlich dem Grünspecht, Vogel des Jahres 2014. Der große schöne Specht mit dem grünen Gefieder und dem roten Kopf trommelt zwar nicht so viel an die Baumstämme wie etwa der Kollege Buntspecht. Aber er sieht mit seiner Zorro-Maske besonders verwegen aus. Auch manch Buchfink, Kleiber und eine Menge Elstern und andere Rabenkrähen dürften zu sehen sein, und das eine oder andere winzige Wintergoldhähnchen wird sich dazugesellen.

Wie aber verhindert man bloß, dass die Frankfurter in Scharen in den Ostpark pilgern, die Bad Homburger in den Schlosspark, die Groß-Gerauer zum Kühkopf – und alle zählen dieselben Vögel? „Das wollen wir doch gar nicht verhindern“, sagt Urs-Victor Peter. „Die eingehenden Zahlen werden natürlich verglichen und gefiltert. Da kristallisiert sich am Ende schon das richtige Ergebnis heraus.“ Jeder soll dahin gehen, wo es ihm am angenehmsten ist, und sei es der eigene Balkon. Schon ein Meisenknödel kann eine illustre Gesellschaft ganz unerwarteter Gäste locken.

90.000 Vogelfreunde machten im vergangenen Jahr bundesweit mit und zählten 2,7 Millionen Wintervögel. Sind in diesem Jahr Überraschungen zu erwarten, sei es durch die milde Winterwitterung, sei es durch den Klimawandel? Kaum. „Der Klimawandel hat noch nicht viel an der Vogelwelt in der Stadt verändert“, sagt der Frankfurter Nabu-Vize. Und die aktuelle Wetterlage ist angenehm für den Menschen wie für den Vogel. Es gibt im weichen Boden viel zu finden; erst der Frost macht das Winterleben richtig hart. Dann raten auch die Vogelschützer zur praktischen Hilfe.

Füttern mit dem Silo

„Für die Fütterung ist ein sogenanntes Futtersilo am besten geeignet, weil darin das Futter vor Nässe und Witterungseinflüssen geschützt ist“, sagt Gerhard Eppler, der Landesvorsitzende des Nabu Hessen. Es habe klare Vorteile gegenüber offenen Vogelhäusern, in denen auch der Kot Krankheiten übertragen könne. Körnerfutter locke beispielsweise Buchfink, Dompfaff und Spatz ans Futtersilo; und den Weichfutterfressern wie Amsel, Rotkehlchen und Heckenbraunelle könnten Haferflocken, Obststücke, Rosinen oder getrocknete Wildbeeren das Winterleben erleichtern. Ein weiterer Tipp: Äpfel in kleinen Holzgestellen feststecken.

Bleibt die Frage: Wieso eigentlich Vögel zählen? Das schafft Nähe zum Tier. Man kann auch etwas gewinnen: ein tolles Fernglas als ersten Preis, Pakete für die Vogelfütterung, Büchergutscheine, Vogelkalender und CDs.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen