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Musiktheater am Palmengarten Papageno kämpft um Spielstätte

Dringender Renovierungsbedarf im Papageno-Theater am Frankfurter Palmengarten - doch das Geld fehlt. Nun soll ein Benefizkonzert die Kasse des Kindermusiktheaters aufbessern und so helfen, die Spielstätte zu erhalten.

Das Papageno-Musiktheater ist sein "Baby": Theaterleiter und Schauspieler Hans-Dieter Maienschein braucht Hilfe. Foto: Andreas Arnold

Er führt Regie und steht als Schauspieler auf der Bühne, er sucht die Werke aus und engagiert Gast-Ensembles, er macht die Buchhaltung und erledigt kleine Reparaturen, nur beim Licht, da muss Hans-Dieter Maienschein passen. Zu den nur vier Festangestellten im Papageno- Musiktheater am Palmengarten gehört neben zwei Schauspielern und einer Pressesprecherin noch ein Techniker. Dieser gibt Anweisungen am Telefon, bis die Bühne mit der Pippi-Langstrumpf-Kulisse leuchtet. Damit sich Kinder auch künftig an Pippi erfreuen können, braucht Maienschein Hilfe.

1997 gründete er das Papageno, ein Musiktheater für Kinder, das später auch Oper und Schauspiel für Erwachsene verknüpfte. Rund fünf Jahre später brach das Zelt, in dem damals gespielt und gesungen wurde, zusammen. 2003 entstand mit Hilfe der Dietmar-Hopp-Stiftung der Neubau für 1,5 Millionen Euro. „Damals musste alles schnell gehen, damit das Papageno in den Köpfen der Menschen bleibt; da haben wir nicht an Folgekosten gedacht.“

Nun ist das Haus in die Jahre gekommen, immer wieder fallen Notreparaturen an. Kürzlich fiel die dringend benötigte Klimaanlage aus. Um die Vorstellung nicht ausfallen zu lassen, war eine mehrere Tausend Euro teure Reparatur notwendig – bezahlt über Kredite. Auch die Toiletten, Scheinwerfer, ein Beamer und die Böden im Foyer müssten gemacht werden, sagt Maienschein, und Kleinigkeiten wie Armlehnen, mit denen Kinder spielten – zehn Stück kosten 750 Euro. „Im Moment ist das Haus bespielbar, aber wir müssen Vorkehrungen treffen.“ Er wolle nicht irgendwann vor einem Scherbenhaufen stehen und sagen, dass er es doch wusste, aber nicht reagiert habe.

Der Macher hat Existenzangst

Auf rund 100.000 Euro beziffert Maienschein die Sanierungskosten. „Wir sind nicht in der Lage, diese Summe durch den Theaterbetrieb einzuspielen“, sagt er. Unterstützung erhält er von der Stadt Frankfurt; 55.000 überweist sie ihm, „das reicht gerade mal, um Strom und Wasser zu bezahlen“. Stiftungen und Banken hat er angeschrieben, im Juli gibt es ein Benefizkonzert. Nicht das erste, allerdings sammelte Maienschein bisher eher für Bühnenbilder und Kostüme, die er für jede Produktion neu anfertigen lässt.

55.000 Besucher kommen jedes Jahr ins Papageno, 280 Vorstellungen sind jährlich zu sehen. Obwohl die Aufführungen zu über 90 Prozent ausgelastet sind, fehlt Geld. „Beim Spielplan haben wir die Grenzen erreicht, mehr geht nicht.“

Existenzangst habe er, sagt Maienschein, auch wenn er die Lage nicht dramatisieren wolle. „Wir haben keinen Puffer, nichts, auf das wir zurückgreifen können.“ Schwierig sei das, immerhin geht es um sein Lebenswerk, sein Baby, „für das ich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche im Einsatz bin.“ Ohne finanzielle Hilfe baute er das Theater einst auf, „das ist etwas Einmaliges“. Doch nun braucht der Mensch, der nicht gerne bettelt, Hilfe: „Da muss ich über meinen Schatten springen.“

Eine To-do-Liste hat das Team erstellt – sie ist zu lang, als dass ein Benefizabend allein das Geld einbringen könnte. Ein Großteil der Summe muss über Sponsoren kommen. „Ich wünsche mir einen langfristigen Partner, damit ein wenig Ruhe einkehrt“, sagt Maienschein. Würden jetzt nur vorübergehend Löcher gestopft, stünde er in wenigen Jahren vor dem gleichen Problem.

So viele Kinder seien mit dem Theater groß geworden, so viele Menschen kämen, die sonst nichts mit Oper zu tun hätten. Obwohl das Theater nur mit einer kleinen Kulisse, Musik und Licht arbeite, seien die Kinder immer aufmerksam. „Es ist unglaublich wichtig, Kinder in eine andere Welt zu führen. Sie ein, zwei Stunden glücklich zu sehen.“ Es sei schwierig gewesen, sagt Maienschein, aus dem Kindertheater ein Erwachsenentheater zu machen, „aber auch sie haben sich darauf eingelassen, für kurze Zeit eine andere Welt zu erleben.“

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