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Musikhochschule Frankfurt Musikhochschule ohne Präsident: „Katastrophe“

Nach der Absage von Präsident Robert Höldrich steht die Musikhochschule Frankfurt vor einem Scherbenhaufen. Amtsvorgänger Rietschel erläutert im FR-Interview die Hintergründe.

Musikhochschule Frankfurt
Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt muss vorerst ohen einen neuen Präsidenten auskomen. Foto: Rolf Oeser

Herr Rietschel, Ihr Nachfolger als Präsident der Musikhochschule in Frankfurt, Robert Höldrich, ist bereits am 5. Dezember 2016 gewählt worden. Warum hat dieser international renommierte Hochschul-Manager sein Amt nicht angetreten?
Ich weiß, dass Herr Höldrich unbedingt kommen wollte. Er war nach seiner Wahl mehrfach in Frankfurt. Er hat sich an einer Präsidiums-Klausur beteiligt, an Gesprächen zur Zukunft der Hochschule, er hat mit dem Dekan gesprochen. Höldrich hat seine Präsidentschaft intensiv vorbereitet. 

Er ist im Dezember gewählt worden, jetzt haben wir bereits Juni.
Da liegt die Hauptursache. Das Ministerium hat sich nicht ernsthaft bemüht, diesen Mann für Hessen zu gewinnen.

Was glauben Sie, woran das liegt?
Ich kann es mir nicht erklären. Aber dahinter steckt eine Nichtachtung der Situation der Hochschule. Man muss sich mal klarmachen, in welcher prekären Lage die Hochschule ist. Ein Jahr lang schon hat man einen geschäftsführenden Präsidenten, der das engagiert und klug macht. Aber er kann als Präsident mit begrenzter Amtszeit keine großen Initiativen anstoßen. Die zweite hauptamtliche Führungskraft, die Kanzlerin, scheidet aus im Oktober.

Die Hochschule steckt in einer ganz entscheidenden Phase ihrer Geschichte. Im Ministerium laufen die Vorbereitungen für den geplanten Neubau auf dem Kulturcampus in Bockenheim. Die Hochschule müsste sich jetzt sehr engagiert einbringen ...
.... gerade jetzt im Augenblick bräuchte die Hochschule dringend jemanden, der ihre Interessen deutlich vertritt. Das Ministerium kannte diese Situation.

Jetzt ist ja Robert Höldrich, der seit vielen Jahren erfolgreich in Graz arbeitet, ein international erfahrener Hochschul-Manager. Das Ministerium erweckt den Eindruck, dass er mit seinen Forderungen überzogen hat.
In seinen Unterlagen ist nirgendwo davon die Rede, dass der Hochschulpakt aufgeschnürt werden muss.

Was hat er gefordert?
Höldrich hat sich Gedanken gemacht, wo es mit der Hochschule hingeht. Es geht um die Art und Weise, wie mit ihm verhandelt wurde. Die hat ihn letztendlich dazu gebracht, Nein zu sagen. Er ist am 5. Dezember 2016 gewählt worden. Er hat mit Posteingang vom 5. Mai 2017 (per Mail vorab am 27. April) eine erste schriftliche Stellungnahme des Ministeriums zu seinen Vorschlägen bekommen.

Also fast sechs Monate später!
Genau: sechs Monate! Höldrich wollte eigentlich am 1. April 2017 sein Amt antreten. In der Zeit zwischen Dezember und Mai hat es nur ein einziges Gespräch gegeben mit der Hausspitze des Ministeriums. Und das ist erst zustande gekommen, weil er sich beschwert hatte und gesagt hatte: Ich ziehe meine Bewerbung zurück, wenn ich jetzt nicht einen Termin kriege. Dieses Gespräch war Ende März.

Minister Boris Rhein nahm nicht teil.
Nein, und auch die zuständige Hochschulabteilung des Ministeriums war nicht dabei, das muss man sich mal vorstellen.

Ist dem Ministerium der Stellenwert der Hochschule nicht klar?
Dieses Verhalten brüskiert den Hochschulrat und den Senat der Hochschule, die in einem aufwendigen Verfahren einen großartigen Kandidaten gefunden und gewählt hatten. Für die Hochschule ist das eine Katastrophe und eine schwere Hypothek für die jetzt folgende dritte Ausschreibung. Ich glaube, dass an der Hochschule große Empörung herrscht.

Sie sind Ehrensenator der Hochschule.
Ja. Ich fühle mich der Hochschule verpflichtet. So geht man mit dieser Institution nicht um.

Ist das jetzt noch heilbar? Könnte man doch noch versuchen, Herrn Höldrich umzustimmen?
Ich glaube nicht. Was man jetzt tun kann, ist die Hochschule beim dritten Anlauf für eine Präsidentschaft zu unterstützen. Man muss sich mit den Forderungen Höldrichs ernsthaft auseinandersetzen. Er wollte mehr Geld für die künstlerische Forschung. Und er hat sich mit dem finanziellen Mehrbedarf durch den Umzug auf den Kulturcampus auseinandergesetzt.

Im Moment scheint beim Kulturcampus allerdings die Luft raus zu sein.
Ich fand das FR-Interview mit Minister Rhein großartig, in dem er ja gesagt hat, die Stadt müsse sich jetzt entscheiden, ob sie das Zentrum für ästhetische Avantgarde dort bauen will. Jetzt hoffe ich, dass die Stadt den Ball endlich aufnimmt.

Man könnte sagen, man braucht dieses Zentrum nicht mehr, weil alle international bekannten Kulturinstitutionen wie etwa das Ensemble Modern an ihren heutigen Standorten gesichert sind.
Der Reiz des Kulturcampus wäre, dass da etwas entsteht, was es europaweit nicht gibt. Das ist eine solche Chance! Es gibt eine wunderbare Idee: Bauen wir jetzt das Frankfurt LAB auf den Kulturcampus.   Diese Räumlichkeiten könnten dann Ausweichquartier sein für Oper und Schauspiel während des Neubaus der Städtischen Bühnen. Das ist eine fast kostenneutrale Lösung.

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